Bucheli hat noch Wetter vor sich
22.09.2026 Bezirk Sissach, Nachtcafé, Baselbiet, GelterkindenDer pensionierte SRF-Meteorologe sprach im Nachtcafé über Wetter, Klima und Abschied
Die Gäste des Nachtcafés erlebten am Donnerstag im Marabu einen Thomas Bucheli, der vom Nebel schwärmte, von seiner grössten Standpauke erzählte und den Unterschied zwischen Klima und Wetter ...
Der pensionierte SRF-Meteorologe sprach im Nachtcafé über Wetter, Klima und Abschied
Die Gäste des Nachtcafés erlebten am Donnerstag im Marabu einen Thomas Bucheli, der vom Nebel schwärmte, von seiner grössten Standpauke erzählte und den Unterschied zwischen Klima und Wetter erklärte.
Christian Horisberger
Wenn Thomas Bucheli eines nicht verputzen kann, dann den Vorwurf, seinen Job unseriös zu machen und die Prognosen zu manipulieren. Im «Volksstimme»-Nachtcafé vom Donnerstag im Gelterkinder Marabu erzählte der kürzlich pensionierte Wetterchef von SRF von einer Situation, die ihn an seriösem Schweizer Journalismus habe zweifeln lassen, wie er sagte. Ihm war die bewusste Manipulation von Temperaturangaben vorgeworfen worden, worauf er sich bemüht habe, darzulegen, dass die Angaben ausschliesslich auf naturwissenschaftlichen Fakten und Messungen beruhten. Vergeblich. Der Journalist habe sich um die Erklärungen foutiert und an seiner Behauptung festgehalten: «Das hat mich getroffen.»
Diese Episode schilderte Thomas Bucheli im Zusammenhang mit der aufgeladenen Debatte um Wetter und Klimawandel. Wobei das Wetter und das Klima zwei Paar Schuhe seien, wie der ETH-Meteorologe und Klimatologe betonte: «Das Wetter ist eine Momentaufnahme für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit, das Klima ist eine statistische Auswertung von Temperaturen und Wetterereignissen über eine Zeitdauer von mindestens 30 Jahren.»
Auf den Hitzesommer im Kontext des Klimawandels angesprochen, erklärte Bucheli, dass die Klimaforschung seit Jahrzehnten aufzeige, «wohin es geht»: «Wenn man anschaut, was passiert ist, muss man sagen, die haben absolut recht.» Aber nicht jedes Wetterextrem sei ein Produkt des Klimawandels, betonte der 65-Jährige: «El Niño» an sich habe mit dem Klimawandel nichts zu tun. Die Temperaturen, die das periodisch wiederkehrende Wetterphänomen im tropischen Pazifik diesen Sommer selbst zu uns gebracht habe, hingegen schon. Bucheli ist es ein Anliegen, dass das Thema Klimawandel objektiv und sachlich statt polemisch angegangen wird – von beiden Seiten.
Leidenschaft für Nebel
Nachdem der «Meteo»-Leiter Ende August auf dem Dach des SRF-Gebäudes in Zürich seine letzte Sendung moderiert hatte, schenkte ihm sein Team neben dem Namen für ein Hoch (Thomas) eine Nebelmaschine – wissend, dass ihr abtretender Chef Nebel liebt. Diese Vorliebe habe er schon als Kind gehabt, wie er auf die Frage von Talkmasterin Anita Crain im Nachtcafé sagte. Er sei als Jugendlicher eine Leseratte gewesen und habe es sich an neblig-trüben Tagen ohne schlechtes Gewissen auf dem Sofa oder in seinem Zimmer gemütlich gemacht, um seine Nase in Bücher zu stecken und von der weiten Welt zu träumen.
Das Pensionsalter hatte der Meteo-Chef von SRF bereits im Mai erreicht. Aufgrund mehrerer Personalwechsel verlängerte er seine Fernsehkarriere um einige Monate: «Ich sagte, man könne mich einsetzen, wo und wann immer es mich braucht, und ich kam noch nie so oft an die Kasse wie in den letzten drei Monaten …» Diese intensive Phase habe sich für ihn therapeutisch ausgewirkt: Im Frühling sei er noch nicht so weit gewesen, sich von seinem Job und seinem Team zu trennen. Im Lauf des Augusts habe er dann sagen können: «Jetzt ist es genug.»
Als Bucheli das SRF verliess, bestand das von ihm aufgebaute Meteo-Team aus 15 Personen. Zum SRF kam er 1992. Im Jahr 1995 wurde er Leiter des damals vierköpfigen Wetterteams. Im Lauf der Jahre belieferte «SRF Meteo» immer mehr Kunden mit immer mehr Formaten, womit sich auch der Personalbedarf seiner Abteilung nach und nach erhöhte, wie Bucheli erzählte. Sein Team bezeichnete der Meteorologe als seine Familie und merkte nicht ohne Stolz an, dass es aufgrund seiner Vielseitigkeit und Kosteneffizienz von allen Transformationen in der SRG unberührt geblieben sei.
Pilotenausbildung abgebrochen
Die Gäste des sehr gut besuchten Nachtcafés erfuhren ausserdem, dass es nicht Bucheli, sondern Regisseur Helmy Heim gewesen ist, der die Idee für die Live-Wettersendung auf dem «Leutschenbach»-Dach hatte.
Der schwärzeste Tag seiner Karriere sei jener gewesen, an dem er «Lothar», den verheerenden Orkan vom 26. Dezember 1999, nicht vorausgesagt hatte. Er verriet auch, wann er die grösste Standpauke seines Lebens erhalten habe: In der Flieger-RS, nach mehreren überstandenen Selektionsrunden auf dem Weg zum Militärpiloten, habe er nach einem missratenen Flug mit dem Schulkommandanten das Handtuch geworfen. Daraufhin habe ihn der Oberst zu sich zitiert, ihn zusammengestaucht und zum Autoputzen verdonnert. Aber: Die Pilotenausbildung habe sein Interesse an der Meteorologie geweckt.
Langweilig wird es Thomas Bucheli nach der Pensionierung nicht. Sicherlich werde er seine Wetterreisen weiterführen, bei denen er Interessierte an Orte führt und die dortigen Wetterphänomene erklärt. Nach mehreren Jahrzehnten musikalischer Abstinenz wolle er wieder aktiv werden, wobei sich der Blues-Fan noch nicht entschieden hat, ob er wieder Klavier spielen oder sich neu an der Gitarre versuchen soll.
Ganz besonders freut sich Bucheli auf eine neue berufliche Herausforderung als Ausbildner der Piloten der Fluggesellschaft Swiss/Lufthansa in Sachen Wetter. Darauf werde er sich jetzt vorbereiten und im kommenden Jahr die Arbeit aufnehmen. Damit, so Bucheli, schliesse sich der Kreis.
Die Dankesbekundungen aus dem Publikum nach dem Talk, der lang anhaltende Applaus und auch die zahlreichen Autogrammwünsche zeigten, wie beliebt der Wettermann bei der Bevölkerung ist. Sie zeigten auch, dass man ihm nicht übel genommen hat, wenn er mit einer Prognose einmal falsch gelegen ist.


