Bürgerliche holen sich Mehrheit
10.03.2026 Bezirk Sissach, Abstimmungen, Politik, GelterkindenBZG-Kandidat Hans Wieser schafft Sprung in den Gemeinderat
Trotz einer starken Konkurrentin sichert sich der Bürgerliche Zusammenschluss mit Hans Wieser die Mehrheit im Gemeinderat. Die Parteispitzen führen das relativ deutliche Wahlresultat auf verschiedene Gründe ...
BZG-Kandidat Hans Wieser schafft Sprung in den Gemeinderat
Trotz einer starken Konkurrentin sichert sich der Bürgerliche Zusammenschluss mit Hans Wieser die Mehrheit im Gemeinderat. Die Parteispitzen führen das relativ deutliche Wahlresultat auf verschiedene Gründe zurück.
Janis Erne
Ebenso gross wie die Erwartung vor der Wahl war die Enttäuschung danach: Links-Grün, bestehend aus SP, Grünen und EVP, konnte am Sonntag nicht verhindern, dass die Bürgerlichen die Mehrheit im Gelterkinder Gemeinderat erlangen. Ab Sommer werden vier Vertreter des Bürgerlichen Zusammenschlusses (BZG) in der siebenköpfigen Dorfexekutive sitzen. Dies, nachdem BZG-Kandidat und Polit-Neuling Hans Wieser vorgestern Sandra Grossmann (EVP) überflügelte. Wieser holte fast 53 Prozent der Stimmen, Grossmann knapp 44 Prozent; der Rest entfiel auf andere Personen.
Für BZG-Präsident Jakob Baader war vor allem die Themenkonjunktur ausschlaggebend. Er verweist auf die «klammen Gemeindefinanzen» und die anstehenden Investitionen in den Schulraum. Die Bevölkerung habe erkannt, dass Wieser in diesen Bereichen über viel Erfahrung und Wissen verfüge. Der 64-jährige Ingenieur und Projektleiter arbeitet in der Pharmabranche und ist dort für grosse Bauprojekte verantwortlich.
Ähnlich erklärt sich Lars Trachsler, Präsident der Gelterkinder SP-Sektion, den Wahlausgang. Bei gewissen Wählern halte sich noch immer das Vorurteil, dass linke Politikerinnen und Politiker nicht sparen könnten. «Obwohl dies nicht stimmt, glaube ich, dass es das Ergebnis zum Teil erklärt.» Zudem habe das Engagement von Hans Wieser im Marabu-Verein dem BZG-Kandidaten auch Stimmen von eigentlich linken Wählern eingebracht, so Trachsler. Martin Geiser, Präsident der Gelterkinder EVP-Sektion, vermutet, dass die vielen Vorlagen an diesem Abstimmungstag und die hohe Stimmbeteiligung den Bürgerlichen tendenziell geholfen haben, ihre Wähler zu mobilisieren.
Spezielle Konstellation
Auffällig war, dass der BZG grössere Plakate aufgehängt hat als die gegnerische Seite. Hans Wieser war deshalb im öffentlichen Raum sichtbarer als Grossmann, obwohl sich auch deren Unterstützer mit Standaktionen im Dorfzentrum ins Zeug legten.
Mit Sandra Grossmann stellte die linke Seite eine gute Kandidatin. Die Sekundarlehrerin ist im Dorf aufgewachsen, verwurzelt und verfügt über politische Erfahrung. Die gute Nachricht für ihre Unterstützer: Grossmann bleibt der Gemeinde politisch erhalten. Sie ist Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission sowie Mitglied der Gemeindekommission. In dieser Rolle wird sie ab Sommer einem Gemeinderat mit bürgerlicher Mehrheit gegenüberstehen. Was kann man davon erwarten?
Für SP-Präsident Lars Trachsler steht fest, dass sich die politische Ausgangslage im Dorf verändern wird – und damit auch die Rolle der Gemeindekommission, welche die Geschäfte des Gemeinderats kritisch prüft und über eine linke Mehrheit verfügt. Ob die Linke eine Art Oppositionspolitik betreiben wird, hängt vermutlich davon ab, wie sich der bürgerlich dominierte Gemeinderat verhalten wird. Trachsler hofft auf eine «konstruktive Zusammenarbeit». Eine vermittelnde Rolle könnte dabei Gemeindepräsident und SP-Mitglied Christoph Belser einnehmen.
BZG-Präsident Jakob Baader äussert sich unentschieden. Da dem BZG Vertreter der «Mitte», der FDP und der SVP sowie Unabhängige und Parteilose angehören, bleibe die Meinungsvielfalt im Gemeinderat «relativ hoch». «Zudem handelt es sich bei Gemeinderatsgeschäften um reine Sachpolitik. Parteipolitik ist da fehl am Platz», so Baader. Fakt sei aber, dass der Gemeinderat mit Hans Wieser etwas nach rechts kippe und einige Geschäfte künftig anders als bisher diskutiert und entschieden würden. Wieser selbst ist parteilos und bezeichnete sich an einem Gemeinderatswahlpodium als Vertreter der politischen Mitte.

