Banker im Dienst der Landwirtschaft
27.05.2026 Bezirk Sissach, Baselbiet, Landwirtschaft, SissachJacques Handschin kümmerte sich um Fördergelder
31 Jahre Mitglied, davon 28 Jahre Präsident der Investitionshilfekommission: Der Sissacher Jacques Handschin entschied in dieser Zeit über landwirtschaftliche Förderungsmassnahmen von rund 200 Millionen Franken. Er erzählt, was ihm das ...
Jacques Handschin kümmerte sich um Fördergelder
31 Jahre Mitglied, davon 28 Jahre Präsident der Investitionshilfekommission: Der Sissacher Jacques Handschin entschied in dieser Zeit über landwirtschaftliche Förderungsmassnahmen von rund 200 Millionen Franken. Er erzählt, was ihm das bedeutet.
Elmar Gächter
Es sind beeindruckende Zahlen, mit denen Kanton und Bund die Landwirtschaft mit Investitionskrediten, Betriebshilfedarlehen oder Beiträgen unterstützen. In den vergangenen drei Jahrzehnten kamen im Baselbiet rund 200 Millionen Franken zusammen, davon ein Grossteil Darlehen, die in festgelegten Fristen zurückgezahlt werden müssen. Die Gesuche der Landwirtinnen und Landwirte gelangen ans Ebenrain-Zentrum; für die Gewährung der Mittel, die im Einzelfall 50 000 Franken übersteigen, ist die Investitionshilfekommission (IHK) zuständig.
Zur siebenköpfigen Kommission gehören mindestens zwei Personen aus der Landwirtschaft, ein Bankenvertreter sowie eine Vertreterin oder ein Vertreter des Kantons. 28 Jahre lang präsidierte Jacques Handschin aus Sissach die IHK, bevor er auf Ende März zurücktrat. Die «Volksstimme» blickt gemeinsam mit ihm und Andreas Bubendorf, stellvertretender Leiter des Ebenrains, zurück.
Handschin ist im Baselbiet eine bekannte Persönlichkeit. Er war lange Mitarbeiter der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) und führte die Niederlassungen in Waldenburg und Sissach. 1995 trat er in die IHK ein und wurde 1998 als Präsident Nachfolger des damaligen Regierungsrats Edi Belser, nachdem die Bestimmung im Landwirtschaftsgesetz entfiel, wonach die Kommission von einem Vertreter der obersten Exekutive geleitet werden muss. «Es war schon etwas speziell, als Bankenvertreter in dieses Amt gewählt zu werden. Allerdings bin ich erblich ein wenig vorbelastet, denn meine Grosseltern beiderseits waren Landwirte, ebenso ein Onkel. Zudem hat mein Vater leidenschaftlich Pferde gezüchtet», sagt Handschin. Landwirtschaft habe ihn seit jeher interessiert, vor allem deren Bedeutung für Land und Gesellschaft.
Es sei nicht zwingend, dass ein Bankfachmann die IHK leite, aus neutraler Sicht sei es jedoch sinnvoll, wenn es nicht jemand aus der Landwirtschaft sei, sagt Andreas Bubendorf. Eine bankfachliche Sicht sei dann von grosser Bedeutung, wenn es um die Sicherheit von Krediten und deren Tragbarkeit geht, ergänzt Handschin und vergleicht die Kreditvergabe mit Hypothekardarlehen und kommerziellen Krediten, die zum Tagesgeschäft von Banken gehören.
Etwa 1500 Gesuche bearbeitet
Sämtliche Gesuche werden vom Ebenrain vorgeprüft. Die Vergabe von Investitionshilfen – eine Verbundaufgabe von Bund und Kantonen – erfolgt nach klaren Kriterien. Strukturverbesserungsmassnahmen können nur unterstützt werden, wenn der Betrieb über eine volle Standarbeitskraft, die sogenannte SAK, verfügt; Kleinbetriebe fallen deshalb aus dem Förderrahmen.
Ausschlusskriterium ist unter anderem ein Baubeginn vor Erteilung der Zusicherung durch den Ebenrain. Die Unterstützungen sind pro Einheit betragsmässig limitiert und pauschalisiert, unabhängig von der Gesamtgrösse des Betriebs. Die Restfinanzierung muss der Betrieb selber sicherstellen.
In den 31 Jahren hat die Kommission gegen 1500 Gesuche bearbeitet. «Wir haben die gute Vorarbeit des Ebenrains stets geschätzt. Unsere Aufgabe war es, mit Fragestellungen Aspekte zur Sprache zu bringen, die über die formellen Rahmenbedingungen hinausgehen. Die meisten Gesuche liefen schlank durch, bei anderen – beispielsweise bei einer hohen Schuldenlast einer Familie – versuchten wir, mit Vorschlägen wie Risikoversicherungen oder Etappierungen eine Lösung zu finden», sagt Jacques Handschin. Zwar habe dies nicht immer Begeisterungsstürme ausgelöst, doch mancher Betrieb sei froh gewesen, das Ziel über eine Abzweigung zu erreichen.
Anzahl und Zweck der Förderungsmassnahmen waren unterschiedlich. In den ersten Jahren von Handschins Tätigkeit wurden noch viele Massnahmen für die Umstellung auf Laufställe oder Wohnbauten und Diversifikationen unterstützt. In jüngerer Vergangenheit sind Massnahmen zur umwelt- und tiergerechten Produktion dazu gekommen.
So liegen aktuell gegen 30 Gesuche für Batteriespeicher auf dem Tisch des Ebenrains. «Dies bringt unser Budget momentan durcheinander, sodass wir nicht alle Gesuche zeitnah bewilligen können», erklärt Bubendorf. Er verweist auf die Rückzahlungspflicht der Darlehen, deren Frist der Bund auf maximal 20 Jahre festgesetzt hat. Der Ebenrain hat die Möglichkeit, diese Fristen zu verkürzen oder im Notfall Raten zu stunden. «Der Anteil der Ausstände ist relativ gering, selbst wenn sich die Situation verschärft wie im vergangenen Winter, als der Milchpreis wegen der Überproduktion eingebrochen ist.»
Handschin sagt: «Ich bin überzeugt, dass die gesprochenen Mittel wesentlich dazu beigetragen haben, Abläufe zu vereinfachen und mit Innovationen die anforderungsreiche Arbeit insgesamt zu erleichtern. Doch mir ist bewusst, dass diese Wertschöpfung nicht direkt messbar ist.» Mit den Entscheiden konnten Entwicklungsschritte in der Landwirtschaft unterstützt werden, was ihn sehr erfülle. Besonders freue ihn, dass Jungbäuerinnen und Jungbauern mit Startkrediten eine erste finanzielle Basis ermöglicht werden konnte.
Dem Entscheid, als Präsident der IHK zurückzutreten, trauert der Sissacher nicht nach. Im Gegenteil: Er sei dankbar dafür, dass er in diesem wichtigen Wirtschaftsteil viel erleben und erfahren durfte – nicht zuletzt auch, wie gut die öffentliche Verwaltung in diesem Bereich funktioniere.

