Aus Ärger wird Zuversicht
09.06.2026 BaselbietRettungsfristen deutlich positiver als gedacht
Die Rettungsdienste im Baselbiet sind schneller unterwegs als bisher angenommen. Eine Überprüfung zeigt, dass die Hilfefristen zu schlecht ausgewiesen wurden. Auch die neue Standortstrategie hat zur besseren Rettungsversorgung ...
Rettungsfristen deutlich positiver als gedacht
Die Rettungsdienste im Baselbiet sind schneller unterwegs als bisher angenommen. Eine Überprüfung zeigt, dass die Hilfefristen zu schlecht ausgewiesen wurden. Auch die neue Standortstrategie hat zur besseren Rettungsversorgung beigetragen.
Pascal Kamber
Als sich der Landrat im vergangenen März mit den ungenügenden Rettungsfristen im Oberbaselbiet und dem Laufental befasste, zeigte sich der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan (EVP) vom Zustand wenig erfreut. «Ich bin überhaupt nicht ‹amused›», gab der Regierungsrat zu Protokoll und kündigte an, die unbefriedigende Situation zu analysieren. Allenfalls brauche es danach Anpassungen bei der Rettungsversorgung, damit Sanitäter und Notärzte schneller bei ihren Patienten sein können.
Rund drei Monate später ist die Überprüfung abgeschlossen. Dabei zeigt sich: Die im März kommunizierten Zahlen zu den Hilfefristen der Rettungsdienste im Kanton Baselland haben sich als zu tief erwiesen. Wie der Kanton gestern mitteilte, zeigen die korrigierten Zahlen eine markante Verbesserung der Hilfefristquoten über die vergangenen Jahre. So lag der Wert des Rettungsdienstes des Kantonsspitals Baselland (KSBL) 2025 insgesamt bei 91 Prozent. Dieser konnte in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres sogar noch gesteigert werden, hiess es weiter. «Wir sind erleichtert, dass die Situation besser aussieht als bisher angenommen», sagt Lucas Kemper, Leiter Abteilung Gesundheitsversorgung beim Kanton. Laut Richtlinien des Interverbands für Rettungswesen muss ein Rettungsdienst in seinem gesamten Einsatzgebiet in 90 Prozent der Fälle den Ereignisort innerhalb von 15 Minuten erreichen. «Diese Vorgabe erfüllen wir. Damit sind wir auch im schweizweiten Vergleich im Soll», so Kemper.
Besonders erfreulich sei, dass mit der neuen «Standortstrategie Rettung» die Quoten im Oberbaselbiet sowie im Waldenburgertal markant gesteigert werden konnten. Dazu beigetragen haben in erster Linie der neu geschaffene Rettungswagen-Standort in Gelterkinden und die Verschiebung der KSBL-Rettungsstation von der Rheinstrasse an den «Altmarkt» in Liestal.
Zeiten falsch erfasst
Die Analyse hat der Rettungsdienst des KSBL gemeinsam mit der Sanitätsnotrufzentrale beider Basel und dem Amt für Gesundheit vorgenommen. Dabei wurde festgestellt, dass die Zeiterfassung im Rettungsprozess in zahlreichen Fällen nicht beim Eintreffen des Rettungswagens am Einsatzort, sondern erst später bei dessen Abfahrt erfolgte. Dadurch wurden zu tiefe Werte ausgewiesen. «Hinzu kommt, dass im Oberbaselbiet weniger Einsätze stattfinden als im Unterbaselbiet. Solche Stempelfehler fallen deshalb stärker ins Gewicht», sagt Lucas Kemper. Zur Sicherung der künftigen Datenqualität wurde von den involvierten Parteien ein gemeinsames Datenmonitoring etabliert.
Die Welt scheint also wieder in Ordnung zu sein. Auch dank der neuen Standortstrategie, die gemäss Kemper ihren Zweck erfülle: «Man könnte sich allenfalls mit den angrenzenden Kantonen noch besser absprechen, aber das funktioniert auch jetzt schon sehr gut.» Kemper betont, dass es nicht einfach sei, innert 15 Minuten vom «Altmarkt» in Langenbruck zu sein: «Mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, haben wir aber schon viel erreicht. Jetzt müssen wir damit zwei bis drei Jahre arbeiten und dann schauen, ob und was es noch zu verbessern gibt.» Der Trend der vergangenen Monate stimme ihn aber zuversichtlich und beweise, dass man auf dem richtigen Weg sei. Womit auch Thomi Jourdan wieder guter Dinge sein dürfte.

