Volle Kraft für Solarenergie
28.07.2023 Baselbiet, Lupsingen, Porträt, PolitikNeu im Landrat: Manuel Ballmer (GLP), Lupsingen
Manuel Ballmer aus Lupsingen ist kein Unbekannter mehr: Der 42-jährige IT-Unternehmer und Politiker der Grünliberalen hat bei den letzten Regierungsratswahlen im vergangenen Februar einen Achtungserfolg erzielt. Darauf ist er stolz. Und nun ...
Neu im Landrat: Manuel Ballmer (GLP), Lupsingen
Manuel Ballmer aus Lupsingen ist kein Unbekannter mehr: Der 42-jährige IT-Unternehmer und Politiker der Grünliberalen hat bei den letzten Regierungsratswahlen im vergangenen Februar einen Achtungserfolg erzielt. Darauf ist er stolz. Und nun zieht er in den Baselbieter Landrat ein.
André Frauchiger
Ja, Manuel Ballmer versteht sich als Grüner – aber auch als Liberaler mit den Überzeugungen und Prinzipien eines Unternehmers. Verbote kämen für ihn immer erst an zweiter Stelle, sagt er. Sie sollen erst dann zur Anwendung kommen, wenn es bei Umweltthemen nicht mehr mit der Schaffung von Anreizen reicht. Zudem: Statt Anreize brauche es für die Zukunftsbewältigung «dynamische Systeme».
Für Manuel Ballmer sind – dies wird im Gespräch mit ihm immer wieder sehr deutlich – grüne Anliegen und freies Wirtschaftsgeschehen keine Gegensätze, sondern zwei Schwerpunkte, die sich ergänzen sollen und müssen mit dem Ziel, einerseits die Natur zu schützen und andererseits den Unternehmen den notwendigen Handlungsspielraum fürs Überleben und die Sicherung der Arbeitsplätze zu ermöglichen. Den Wohlstand in der Schweiz – und damit auch im Baselbiet – möchte er sichern. Aber: «Es muss alles zuerst verdient sein» – mehr auszugeben als einzunehmen, halte er für absolut unrealistisch. Die Grünliberalen würden exakt seine liberale Grundhaltung vertreten, wie er betont.
Der neue Landrat war bereits bei der Gründung der Grünliberalen in den Jahren 2006/07 aktiv mit von der Partie. Als Ökonomie-Werkstudent – die finanzielle Eigenständigkeit war ihm immer wichtig – arbeitete er bei einem Basler Umweltberatungsunternehmen und spezialisierte sich auf den IT-Bereich. Er arbeitete zuerst Teilzeit, ab 2016 in Vollzeit für die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) bis auf Stufe Direktion in den IT- und Business-Teams im Banking, dies auch als Leiter von IT-Projekten unterschiedlicher Grösse und Komplexität.
Im Jahr 2018 hatte der verheiratete, inzwischen Vater von drei Töchtern und Hobby-Reiter genug: Er wollte «etwas anderes machen», ausserhalb der BLKB. Nämlich einen «aktiven Beitrag zur Energiewende leisten», zugunsten der Biodiversität. Dies auf der soliden Basis einer profunden gesellschaftlichen Veränderung. Er habe gespürt: Es ist Zeit für neue «grüne» Wege – und zwar mit und nicht gegen die Wirtschaft – für ein «grünes» Unternehmertum.
Nach 17 Jahren bei der BLKB hatte er, wie er schildert, «auch den Mut, eine eigene IT-Firma zu gründen». Seine uneingeschränkte Begeisterung für Solarstrom und E-Autos zeigt sich im ganzen Gespräch mit der «Volksstimme»: «Ich mache mich schon seit 2011 als Gründer einer Solargenossenschaft stark für mehr Solarenergie, ich bin ein Solarfreak.» Technik und Energiewende seien einfach seine Themen. Er fährt natürlich ein E-Auto.
Für ihn ist klar: Die E-Autos werden – auch mit neuer Batterietechnologie und bidirektionaler Ladetechnologie – in den nächsten Jahren Furore machen. Die technologischen Fortschritte beim Recycling und der Chemie seien beachtlich und die Gesamtkosten bereits heute tiefer als bei Verbrennern. Kritisch beurteilt er deshalb andere Energieträger, wie zum Beispiel Wasserstoff für den Auto-Antrieb.
Die Schweiz als Pionierin?
Eines sei aber klar, betont der neue Landrat: Die Stromlücke im Winter nehme zu. Deshalb müsse auch die Kapazität ausgebaut werden. Mehr Möglichkeiten bei der Energiegewinnung sieht der GLP-Politiker auch bei einer Aufstockung der Anzahl Windräder.
Sehr wichtig sei der Ausbau der Kapazitäten bei der Stromspeicherung. Bei den Windrädern ist für ihn der starke Widerstand aus der Bevölkerung nicht nachvollziehbar. Der seit 2011 bestehende Richtplan für mögliche Windräder-Standorte im Baselbiet sei realistisch und mit dem Landschaftsschutz vereinbar. Grundsätzlich müsse die Energiegewinnung mit Wind, Sonne und Wasser in den kommenden Jahren Priorität haben, was nicht bedeute, den Natur- und Landschaftsschutz zu vernachlässigen. Im Sommer dank Solar zu viel Strom zu produzieren, sei kein Problem, sondern «eine tolle Sache». Denn so könne «viel Gutes» damit getan werden, zum Beispiel die Aufbereitung von Trinkwasser, die Bindung von CO2 oder die Produktion von Wasserstoff für die Wärmeerzeugung im Winter.
Für die kalte Jahreszeit seien Rahmenabkommen mit dem nahen Ausland aber dringend notwendig. Leider sei bei den bisherigen Gesprächen schon viel Geschirr zerschlagen worden, was der Schweiz bereits geschadet habe, meint der GLP-Politiker. Es brauche nun «konkrete Signale von Bern nach Brüssel». Und: «Der mehrjährige Stillstand im EU-Dossier schadet der Schweiz mehr als der EU und kann nicht in unserem Interesse sein.»
Von der Biotechnologie verspricht sich Ballmer sehr viel. Hier gebe es auch ausreichend Wettbewerb, was die Weiterentwicklung fördere und ganz im Interesse von Mensch und Natur sei. Ballmer: «Die Schweiz muss mit einem Technologieschub eine Pionierrolle in Europa einnehmen.» Gut ausgebildete Fachkräfte, wie sie die Schweiz habe, seien eine gute Voraussetzung für ein rasantes technologisches Vorwärtskommen.
Dass er sich auf diese Entwicklung freut und dies als Unternehmer und Politiker nach Kräften unterstützen will, davon zeugt auch sein Enthusiasmus für den ganzen Themenbereich «Umwelt/Technik/Unternehmertum». Dabei, beim Erzählen und Erklären, leuchten seine Augen.
Offene Zukunft
Sein heutiges Leben als «Consultant» gefällt ihm. Spezialwissen hat Ballmer in den Bereichen Banken und Versicherungen, insbesondere Kantonalbanken und Krankenkassen. Das Gesundheitswesen mit den steigenden Prämien bereitet ihm Sorge.
Manuel Ballmer plädiert auch für eine Militärpflicht für Frauen; dies halte er für gerecht. Und er mag «Denkfabriken», sogenannte «Think-Tanks», in die er sich mit dem Thema Energiewende einbringen kann. Bewusst hat er bisher als Unternehmer auf feste Mitarbeitende verzichtet. Als «Einzelmaske» tätig zu sein, nur von Fall zu Fall Leute zu beschäftigen, mache freier. Er sei ein Mensch mit Bodenhaftung, stehe in der Mitte seines Lebens und wolle in der Politik auf jeden Fall «am Ball» bleiben. Auch für eine Wahl in den Regierungsrat sei er nach wie vor «offen». Interessieren würde ihn aber auch ein Nationalratsmandat, weshalb er sich auf die GLP-Liste setzen liess. Sein weiteres Wirken könnte noch sehr interessant werden.