Biodiversität im Fokus
25.07.2023 Bezirk Waldenburg, Reigoldswil, NaturStiftung Wasserfallen will die Natur aufwerten
Die Stiftung Wasserfallen hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Flächen für den Naturschutz in den Jahren 2022 bis 2025 weiter aufzuwerten. Erste Schritte und Massnahmen wurden an einem Rundgang vorgestellt. Die Biodiversität wird ...
Stiftung Wasserfallen will die Natur aufwerten
Die Stiftung Wasserfallen hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Flächen für den Naturschutz in den Jahren 2022 bis 2025 weiter aufzuwerten. Erste Schritte und Massnahmen wurden an einem Rundgang vorgestellt. Die Biodiversität wird grossgeschrieben.
André Frauchiger
Die Stiftung Wasserfallen war vor 21 Jahren durch Hans-Rudolf Sutter und Markus Vogt gegründet worden, um in einem ersten Schritt den Landwirtschaftsbetrieb von der «Vordere Wasserfallen AG» zu erwerben. Bereits in der Stiftungsurkunde wurde aber klar, dass es der Stiftung letztlich um die Erhaltung der natürlichen Landschaft, um eine naturfreundliche und -schonende Landwirtschaft und um die Sicherstellung eines Naherholungsgebiets für alle Besucherinnen und Besucher geht. In der Stiftungsurkunde wurde dazu festgehalten: «Die Stiftung bezweckt, im Gebiet Wasserfallen ein naturnahes Erholungsgebiet zu schaffen und zu erhalten.» Der Wasserfallenhof mit seinen rund 56 Hektaren Wiese, Weide und Wald ist an eine Familie verpachtet, die eine naturnahe Bewirtschaftung wahrnimmt.
Die Stiftung selber hat bisher im Bereich Naturschutz und Naherholung verschiedenste Anlässe durchgeführt und Projekte umgesetzt. Zu ihren Tätigkeiten gehören auch Koordinationsaufgaben für den Strassenunterhalt und die Abwasserentsorgung im Gebiet der Wasserfallen. Seit November 2021 konzentriert sich die Stiftungstätigkeit auf ein grosses Projekt zur Förderung der Biodiversität. Dieses soll bis 2025 abgeschlossen sein.
Gezielte Aufwertung
Auf einer Führung stellten Mitglieder der Stiftung ihr Aufwertungsprojekt vor. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Gemeinden, des Naturparks Thal und des Kantons. Die Gemeinden Mümliswil, Reigoldswil, Ziefen, Waldenburg und Titterten sind in das Projekt involviert, ebenso die Kantone Baselland und Solothurn. Auf Baselbieter Seite ist der grösste Teil kantonales Naturschutzgebiet. Verschiedene Umsetzungsarbeiten für das Aufwertungsprojekt sind bereits 2022 in die Wege geleitet worden. Weitere Schritte werden in nächster Zeit erfolgen. Das Projektteam setzt sich aus Hans-Rudolf Sutter, Dorothée Dyck-Baumann – beide gehören dem Stiftungsrat an – und dem beauftragten Naturschutzbiologen Lukas Merkelbach von der Firma MerNatur zusammen.
Beim Projekt für mehr Biodiversität wird eng mit den betroffenen Landwirten und Forstrevieren zusammengearbeitet. Dies als Voraussetzung dafür, dass die Bemühungen erfolgreich sein können. Insbesondere geht es dabei um eine artenschonende Bearbeitung der Wiesenflächen. Diese sollen in Zukunft nur noch gestaffelt gemäht werden. Auf diese Weise wird ein durchgehendes Blühangebot ermöglicht. Pflanzen und Blumen werden nicht alle auf einmal geschnitten. Einzelne Pflanzenarten können auf diese Weise gezielt gefördert werden. Dies ist auch für die Vogel- und Insektenwelt von Nutzen. Spezialmassnahmen werden bei Nahrungspflanzen für die Widderchenfalter – speziell das Bergkronwicken-Widderchen –, für gewisse Enzianarten und gewisse Vögel wie Baumpieper und Heidelerche vorgenommen. Auf dem Rundgang konnte unter anderem das «Gemeine Widderchen» bewundert werden.
Aktive Weidepflege
Die Weiden werden besonders gepflegt. Eine gewisse Verbuschung der Fläche ist erwünscht, aber zu viel Verwaldung muss im Interesse der räumlichen Durchlässigkeit für Pflanzen und Tiere verhindert werden. Gibt es zu wenig Sträucher, die der Wiesenfläche Struktur geben, ist dies der Biodiversität auch abträglich. Es geht letztlich um eine ausgewogene Mischung und Abwechslung. Eine andere Entwicklung der Vegetation lässt sich auch wegen des spezifischen Fressverhaltens der verschiedenen Weidetiere steuern. Darunter befinden sich auf der Wasserfallen Pferde, Rinder, Lamas, Ziegen und Schafe. Deren Dung ist übrigens Nahrung für viele Insekten, die wiederum Nahrung für Vögel und Eidechsen sind – vorausgesetzt, der Dung weist nicht zu viele Substanzen aus Medikamenten auf. Das würde die Dung-Besiedlung verhindern und der Dung müsste deshalb quasi als Sondermüll entsorgt werden.
Um die Durchlässigkeit der Wiesen und angrenzenden Wälder zu verbessern, müssen im kommenden August und September grosse Holzschläge im Gebiet Goldbrunnen, oberhalb des Restaurants Hintere Wasserfallen und am Südhang des Vogelberggrats vorgenommen werden. Der Abtransport der Baumstämme soll so weit wie möglich bodenschonend mit Hilfe von Seilwinden durchgeführt werden. Es geht dabei um die Öffnung der Waldränder und das Aufbrechen der harten geraden Linie zu den Wiesen. Dies sei im Interesse einer optimalen Biodiversität, wie Lukas Merkelbach an der Führung erläuterte. Die Holzschläge werden durch das Forstrevier beider Frenkentäler und die betroffenen Landwirte ausgeführt.
Wichtig für die Wandernden im Gebiet Wasserfallen dürfte auch die neue geplante Besucherlenkung sein. Sie soll mit einheitlichen Beschilderungen versehen und verständlich in den Aussagen sein. Vorgesehen sind Eingangsschilder und auch Hinweise über das Verhalten der Menschen in der Natur. Zusätzlich ist ein Ausbau der öffentlichen Feuerstellen geplant. Weitere Massnahmen seien in der Pipeline, wurde an der Führung unterstrichen.
Weitere Informationen unter www.stiftung-wasserfallen.ch


