Frühlings erwachen im «Imbiladen»
31.03.2023 Bezirk Sissach, Ormalingen, NaturFachgeschäft für Imker mit Tag der offenen Tür
Angefangen haben sie mit unterschiedlichen Honigprodukten aus der eigenen Imkerei. Seit 2013 führen Marianne und Edi Di Lello ein Fachgeschäft für Imkereibedarf am Ormalinger Maloyaring. Am Samstag laden sie zum zehnten Mal zum Tag der ...
Fachgeschäft für Imker mit Tag der offenen Tür
Angefangen haben sie mit unterschiedlichen Honigprodukten aus der eigenen Imkerei. Seit 2013 führen Marianne und Edi Di Lello ein Fachgeschäft für Imkereibedarf am Ormalinger Maloyaring. Am Samstag laden sie zum zehnten Mal zum Tag der offenen Tür.
Sander van Riemsdijk
Wenn man Edi Di Lello vom gleichnamigen «Imbiladen» in Ormalingen fragt, was man von Bienen lernen könne, antwortet er ohne lange zu überlegen: «Wenn die Menschheit so organisiert wäre wie ein Bienenstock, hätten wir auf unserer Welt viel weniger Probleme.» Mit dieser klaren Aussage bringt der Imker seine Affinität für die Bienenzucht zum Ausdruck.
Ihn und seine Frau Marianne fasziniert, wie sich die kleinen Tiere verständigen und das Zusammenleben gestalten. Zudem imponiert ihm der Sozialisierungsprozess, die klare Logistik mit vorgegebenen Regeln und die Friedfertigkeit innerhalb der Bienenvölker. «Jede Biene weiss, was sie zu tun hat, und im Stock ist Streit überhaupt kein Thema.»
Neuer Standort wurde gesucht
Als Di Lellos vor zehn Jahren beschlossen, ein Imkereifachgeschäft zu eröffnen, war Edi schon seit vielen Jahren als Hobbyimker tätig. Weil dazumal Peter Blapp in Diegten sein Imkerfachgeschäft altershalber aufgab, beschlossen Di Lellos, das Sortiment und die Infrastruktur teilweise zu übernehmen und das Fachgeschäft nach ihrer Vorstellung weiterzuführen.
Sie entsprachen damit einem dringenden Wunsch der regionalen Imker, die befürchteten, ihre Einkäufe künftig anderweitig tätigen zu müssen. Der Laden sollte seinen Standort fortan jedoch nicht mehr in Diegten haben. Für Di Lellos war von Anfang an klar, dass der Ladenbetrieb finanziell zu wenig abwerfen wird, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine pragmatische Lösung musste deshalb her.
Nur Honig aus eigener Imkerei
Im ehemaligen Ormalinger Maloya-Areal führte Edi Di Lello bereits eine Werkstatt für Präzisions-Mechanik. Dort konnte ein kleines Gebäude in unmittelbarer Nähe zur Werkstatt bezogen werden. Diese Nähe hatte einen entscheidenden Vorteil: Durch die Abgelegenheit im Industriegebiet gibt es kaum Laufkundschaft und der Laden muss deshalb nicht ständig besetzt sein. Die vorgängig angemeldete Kundschaft, zu 90 Prozent Imker, kann auf diese Weise punktuell bedient werden.
Im Sortiment stammt nur der Honig aus der eigenen Imkerei mit den 50 Bienenvölkern. Alle anderen Produkte, zum Beispiel mit Bienenwachs hergestelle Kosmetikartikel, werden zusammen mit den Bedarfsartikeln für die Imkerei eingekauft. Konkurrenz von billigem ausländischem Honig haben sie nicht zu befürchten, so Edi Di Lello. «Der Schweizer wünscht sich einen qualitativ hochwertigen Honig und kauft diesen beim Imker ein, den er kennt.»
Immer mehr junge Imker
Erfreulich sei, so Marianne Di Lello, dass sich immer mehr Menschen für die Bienenhaltung interessieren. Auch unter den jungen Leuten finden sich vermehrt Interessierte, die mit dem Gedanken spielen, Imker zu werden. Lag der Altersdurchschnitt bei den Imkern früher um die 60 Jahre, so sei dieser heute bei 40 Jahren, führt Edi Di Lello aus.
Ein Imker muss zeitlich flexibel sein. Sein Jahresprogramm richtet sich nicht nach dem Kalender, sondern nach der Biene, dem Wetter und den Blühzeiten. Auch nach so vielen Jahren sind beide Di Lellos immer noch von der Bienenzucht fasziniert. «Mich beeindruckt immer wieder, was das kleine Tier eigentlich alles leistet, und wie wichtig die Bienen als Bestäuberinnen für die Menschen und für die Natur sind», so Edi Di Lello.
Insbesondere die Bienenrasse «Carnica» hat es ihm angetan: «Es sind nicht nur schöne Bienen, sondern vor allem sehr freundliche.» Freundlichkeit ist ein nicht zu unterschätzender Charakterzug, denn als Mitglied des Sissacher Bienenzüchtervereins bietet Edi Di Lello auch Führungen für Schulklassen, Einzelpersonen und Firmen an. «Bei solchen Zusammenkünften sind aggressive Bienen nicht gerade erwünscht.»
Rückgang der Honigbiene
Zu denken gibt Marianne und Edi Di Lello, dass die natürlichen Lebensräume der Biene mit dem allmählichen Verschwinden der Blumenmatten mit ihrer üppigen Vegetation kleiner werden. Diese Entwicklung führe unwiderruflich zu einem Rückgang der Honigbienen und tangiere damit folglich die Zucht und letztlich das Angebot in ihrem Laden.
«Wir alle wollen einen englischen Rasen. Die Biene braucht für die Befruchtung jedoch eine Wiese mit Pflanzen in bunter Diversität», sagt Edi Di Lello bestimmt. Sorgen bereiten den Imkern momentan zudem die Asiatischen Hornissen, die innert kurzer Zeit einen ganzen Bienenstock töten können.
Solche negativen Aspekte bleiben morgen Samstag aber aussen vor. Neben der Degustation von Honig aus der eigenen Imkerei und der Präsentation des grossen Angebots an Honigund Imkereiprodukten vermitteln Marianne und Edi Di Lello am Tag der offenen Tür viel Wissenswertes über die Bienenzucht.
Imkerei-Produkte Di Lello AG, Tag der offenen Tür, morgen Samstag, 1. April, von 10 bis 16 Uhr, am Maloyaring 2, Ormalingen.
Der «Imker»
svr. Das Wort «Imker» setzt sich aus dem niederländischen Wort «Imme», das Biene bedeutet, und dem mitteldeutschen Begriff «Kar» für Korb zusammen.