AUSGEFRAGT | ELISABETH SCHNEIDER-SCHNEITER, NATIONALRÄTIN, «DIE MITTE»
31.03.2023 Baselbiet, Politik, Schweiz«‹Svizra27› soll der Schweiz einen Schub geben»
Der Verein Svizra27 plant, die Landesausstellung 2027 in den Kantonen Baselland, Basel-Stadt, Aargau, Jura und Solothurn durchzuführen. Der Verein hat jetzt das Präsidium erweitert, damit alle grossen politischen ...
«‹Svizra27› soll der Schweiz einen Schub geben»
Der Verein Svizra27 plant, die Landesausstellung 2027 in den Kantonen Baselland, Basel-Stadt, Aargau, Jura und Solothurn durchzuführen. Der Verein hat jetzt das Präsidium erweitert, damit alle grossen politischen Parteien vertreten sind. «Mitte»- Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist Vizepräsidentin von «Svizra27».
Andreas Bitterlin
Frau Schneider-Schneiter, wo steht das Projekt Landesausstellung 2027 in der Nordwestschweiz?
Elisabeth Schneider-Schneiter: «Svizra27» ist sehr weit fortgeschritten. Die Entwicklung des Inhalts hat in den vergangenen Monaten einen erfreulichen Fortschritt gemacht und zeigt schon heute einen Detaillierungsgrad auf, der für mich eindrücklich ist. «Svizra27» ist auf Kurs und Ende dieses Jahres liegt eine präzise Machbarkeitsstudie vor.
Gestern hat der Bundesrat verkündet, dass es wohl vor 2030 keine Landesausstellung geben werde. Wegen der Sparmassnahmen sei es kaum realistisch, die Landesausstellung früher durchzuführen. Was bedeutet das für Sie?
Dieser Entscheid ist für mich überraschend und erschwert die Situation für alle Organisationen, die eine Landesausstellung durchführen wollen, enorm. Für die fünf Nordwestschweizer Kantone, die Wirtschaft und die Privaten, die unser Projekt Svizra27 finanziell unterstützen, ist die Planungs- und Rechtssicherheit essenziell. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Die Landesausstellung ist Teil der Legislaturplanung, weshalb das für die letzte Entscheidung zuständige Parlament eingreifen wird. Wir werden auf jeden Fall unsere Arbeit fortsetzen.
Es bewerben sich in anderen Gegenden drei weitere Organisationen für die Durchführung der Ausstellung. Wie sieht der Entscheidungsprozess aus, bis eine Bewerbung den Zuschlag erhält?
Aktuell ist es so, dass alle Produkte weiterhin als Konkurrenten unterwegs sind. Allerdings führen wir auch gemeinsame Gespräche, um zu prüfen, ob eine Fusion aller Projekte sinnvoll wäre. Viel wichtiger ist jedoch, dass sich alle vier Projekte zusammentun, damit beim Bund klare Vorgaben und Rahmenbedingungen für eine nächste Landesausstellung gefordert werden können. Unser Projekt Svizra27 ist sehr weit fortgeschritten, und wir sind nach wie vor überzeugt, dass eine Landesausstellung in der Nordwestschweiz sehr realistisch ist. Wir gehen heute davon aus, dass der Bund in der Legislatur 2024–2027 über eine Finanzierung und Durchführung der nächsten Landesausstellung entscheidet.
Was unterscheidet «Svizra27» von den anderen drei Vorhaben?
«Svizra27» hat mit «Mensch – Arbeit – Zusammenhalt» ein klares Motto, einen roten Faden, der sich auch beim Inhalt deutlich widerspiegelt. Bis heute haben wir keine Steuergelder für «Svizra27» eingesetzt, und wir haben von den fünf Nordwestschweizer Kantonen und starken Wirtschaftspartnern 4 Millionen Franken für die Durchführung der Machbarkeitsstudie zusammen. «Svizra27» ist aus meiner Sicht klar das stärkste Projekt, insbesondere aufgrund der Organisation, der Strukturen, des Inhalts und des starken Rückhalts aus allen Parteien, aus der Wirtschaft, aber auch von den Sozialpartnern.
Sie rechnen mit Kosten von 1 Milliarde Franken. Wer soll das bezahlen?
Wir planen mit einem Beitrag von 50 Prozent seitens des Bundes, rund 200 Millionen Franken von Partnern und Sponsoren, 100 Millionen Franken via Ticketverkauf und rund 200 Millionen Franken aus Gastronomie, Rechteverkauf und diversen Einnahmen. Uns ist wichtig, dass wir «design to cost» arbeiten. Wir werden dafür sorgen, dass nicht wie vor 25 Jahren bei der «Expo02» der Bund wiederum nachzahlen muss.
Werden Steuergelder eingesetzt?
Bislang nicht. Alle Gelder sind von Wirtschaftspartnern und aus den Swisslos-Fonds der fünf Kantone finanziert. Bei der Realisierung ist es so üblich, dass der Bund den Hauptbetrag zahlt. Wenn man aber bedenkt, dass eine Landesausstellung alle rund 25 Jahre stattfindet und für den Zusammenhalt in der Schweiz sehr wichtig ist, kann ich einen solchen Betrag durchaus mit gutem Gewissen vertreten.
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Pratteln schrammte haarscharf daran vorbei, für die Deckung eines Defizits beim Kanton Gelder beziehen zu müssen. Wie sicher sind Sie, dass dies für Sie nicht nötig sein wird?
Wir werden nur so viel Geld ausgeben, wie vorhanden ist. Dazu haben wir heute schon eine sehr gute organisatorische und strategische Führung, die das Finanzmanagement im Griff hat. Wir denken und handeln unternehmerisch, darum mache ich mir dazu keine Sorgen.
Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, diesen exorbitanten Betrag für ein vergängliches Spektakel einzusetzen?
So vergänglich ist eine Landesausstellung nicht. Sie dauert rund sechs Monate, bringt rund 10 Millionen Menschen zusammen und wirkt nachhaltig. «Svizra27» soll eine Generation prägen, positive Spuren hinterlassen und noch viel mehr, «Svizra27» soll der Schweiz einen Schub geben. Die Schweiz muss wieder Mut beweisen, wir dürfen uns nicht länger auf der glorreichen Vergangenheit ausruhen.
Werden alle fünf beteiligten Kantone Standorte von Schauplätzen der Ausstellungen sein?
Aktuell prüfen wir innerhalb der Machbarkeitsstudie in jedem der Kantone mehrere Standorte. Ich lege mich heute fest und behaupte, ja, alle fünf Kantone werden bei einer Durchführung mindestens einen Standort haben.
Steht schon fest, was im Baselbiet konkret thematisiert wird?
Aktuell werden Standorte innerhalb der Machbarkeitsstudie mit unterschiedlichen Themen geprüft. Definitiv ist noch nichts, wir brauchen nun diese verbleibenden neun Monate. Das Baselbiet wird aber bei einer Durchführung von «Svizra27» einen starken Auftritt haben und voraussichtlich über zwei Standorte verfügen. Welche dies sein könnten, wissen wir Ende 2023.
Zur Person
vs. Elisabeth Schneider-Schneiter (59) wohnt in Biel-Benken. Seit 2010 vertritt die «Mitte»-Politikerin das Baselbiet im Nationalrat. Sie ist Vizepräsidentin des Vereins Svizra27, der sich hauptsächlich aus Wirtschaftsverbänden und deren Sozialpartnern zusammensetzt. Zudem ist sie Mitbegründerin der Parlamentarischen Gruppe Landesausstellungen in Bern.