Hutzgüri wie immer inbrünstig hungrig
28.02.2023 Bezirk Sissach, SissachDas Ungeheuer trieb wieder sein Unwesen im Bezirkshauptort
Nichts konnte das Hutgüri und seinen Clan aufhalten, als es am Tag nach Aschermittwoch am späteren Abend traditionsgewohnt auf seinem lauten Streifzug durch Sissach bei auserwählten Persönlichkeiten auf die Suche nach Fressalien ...
Das Ungeheuer trieb wieder sein Unwesen im Bezirkshauptort
Nichts konnte das Hutgüri und seinen Clan aufhalten, als es am Tag nach Aschermittwoch am späteren Abend traditionsgewohnt auf seinem lauten Streifzug durch Sissach bei auserwählten Persönlichkeiten auf die Suche nach Fressalien und Getränken jeder Art und Coleur ging.
Schiebedächli
Immer nur Hunger und Durst. Unersättlich ist das Hutzgüri, wenn es einmal im Jahr, sobald die Finsternis über Sissach hereingebrochen ist, acht auserkorene Personen auf seinem Streifzug durch das Dorf einen Besuch abstattet. Frei nach dem Motto «Nur wo du zu Fuss warst, warst du wirklich», läuft es in Begleitung seiner Entourage – der Schärmuuser, der Veedokter, der Bott, die Äierwyybli und die Trommler – durch die Geografie von Sissach, um den bestimmten Adressen seine Aufwartung zu machen. Und dabei nichts anders erwartet, als dass es von der Bewohnerin oder vom Bewohner anständig kulinarisch verpflegt wird.
So auch geschehen beim Fotografen Claude Vuille, wo das Hutzgüri lautstark brummend ein Passfoto forderte. Jedoch ist bei einer solchen ungeheuren Erscheinung die Fotogenität nicht gewährleistet und könnte bei der Auslösung zwangsläufig zur automatischen Blockierung der Fotokamera führen.
Leibspeise in rauer Menge
Eine Entschuldigung, dass man mit einem solch ehrenwerten Besuch an diesem Abend nun wirklich nicht gerechnet habe oder andere wirre Ausreden, lässt der gehörnte Riese nicht gelten. Die Auserlesenen haben ja schliesslich gewusst, dass das Hutzgüri zusammen mit seinem Begleittross an diesem Abend eine Stippvisite macht.
Rolf Tschan war vermutlich in seiner Plakettensammlung so vertieft, dass er zwar das Kulinarische vor die Tür stellte, dabei seine eigene Person schlicht vergass. Wer stur bleibt und nichts gibt, dem droht Übles. Es liegt nun einmal in der sensiblen DNA des Hutzgüris, dass es sich dann in Rage versetzt und unter lautstarker Androhung – «sonst wird das Dach abgedeckt» – nichts anders verlangt als eine reich gedeckte Tafel mit Hochprozentigem und Leibspeise in rauer Menge.
Kein Kegelklub
Um klarzustellen, dass hier kein Kegelklub unterwegs ist, wird die Forderung mit Worten zum Ausdruck gebracht, die eher nicht in ein Poesiealbum gehören. Oder es wird laut fauchend mittels eines Verses eine unmissverständliche Drohung ausgesprochen: «Wenn dir aber nüt weit geh, so müesse mirs halt sälber neh. Mir düen euch d Chatze strecke und emänd no s Dach abdecke – Hutzgüri shüttle di!»
Bei Bea Rösli, Tennisprinzessin mit Häfelfinger-Abstammung, wofür sie nichts kann, musste man sich keine kulinarischen Sorgen machen. Ebenso bei Tanja Wenger, vorher Gemeindeschreiberin in einem Dorf an der alten Hauensteinlinie, aber seit Kurzem in gleicher Funktion im östlichen Nachbardorf, das auch gerne einen Bahnhof wie Läufelfingen hätte.
Um keinen bleibenden Schaden vom lärmigen Besuch des heischenden Clans davonzutragen, wurden die Betroffenen aus Vorsorge darüber informiert, was sie zu tun und zu unterlassen hatten. Das hatte sich Moritz Kamber, ehemaliger Amateur-Spitzenspieler auf Glatteis und grüner Spielwiese, zu Herzen genommen. Er verstand es, das Hutzgüri mit flüssigem Teufelszeug in die Walhalla des Hochprozentigen zu entführen, dass es nur noch genüsslich brummte.
Anatomische Schieflage
Ein besonderes Augenmerk galt Tea Virolainen. Ein blaues Heim ihr Domizil nennend und in blauen Kleidern gehüllt, blieb es ihr Geheimnis, ob da irgendwelche Verbindungen zum Blauen Kreuz existieren. Dies würde beim Hutzgürti nur eine ablehnende Resonanz provozieren und die Folgen sind bekannt. Frei nach dem Motto «Schön, dass ihr gekommen seid, schöner, dass ihr wieder geht» entliess die Gastgeberin die Hutzgüri-Truppe mit einem verschmitzten Lächeln und einer fast leeren Vorratskammer in die Sissacher Nacht. Böse Zungen behaupteten hinter vorgehaltener Hand, dass das Hutzgüri und seine Entourage auf ihrem Streifzug durch dieses halbdunkle Sissach relativ schnell in anatomische Schieflage gerieten. Ob ihre unsichere Gangart einer exzessiven Völlerei oder der eingeschränkten Sicht in der Finsternis verschuldet war, konnte nicht abschliessend entschlüsselt werden.
Millionendefizit suchen
Im Heidengässli daheim geriet Stromzählerableserin Sibylle Heid bei so viel geballter körperlicher Anspannung fast in Versuchung, überschüssige Energie beim Hutzgüri abzuzapfen und zum Einheitstarif ins Netz einzuspeisen. Frivol dafür war der Besuch bei Ruedi Graf – Esaf-OK-Mitglied mit einer Thurgauer Halskrankheit. Aus dem Gemunkel in den Wandelgängen war zu entnehmen, dass er am nächsten Esaf auf den Sägemehlhaufen steigt, um nach dem Millionendefizit zu graben. Als nach den vielen Besuchen allmählich eine schläfrige Ruhe den illustren Clan übermannte, entschwand das Hutzgüri und sein Gefolge mit einem beladenen «Hutt» voller Fressalien und Flüssigkeiten, so schnell, wie es gekommen war, wieder für ein Jahr in die dunkle Hornignacht.