Fahrende Baukunst der Graffiti-Spränger
28.02.2023 Bezirk Sissach, FasnachtRotschopf
Am Sissacher Fasnachtsumzug war die Präsenz der Wagencliquen erneut riesig. Von den insgesamt 64 Formationen waren am Umzug vom vergangenen Sonntag 49 Wagencliquen. Mancher Wagen ist zweifellos als bauliche Meisterleistung zu betiteln. So auch der Umzugswagen der ...
Rotschopf
Am Sissacher Fasnachtsumzug war die Präsenz der Wagencliquen erneut riesig. Von den insgesamt 64 Formationen waren am Umzug vom vergangenen Sonntag 49 Wagencliquen. Mancher Wagen ist zweifellos als bauliche Meisterleistung zu betiteln. So auch der Umzugswagen der Graffiti-Spränger Gelterkinden mit ihrer «Graffiti Pearl». Für die 14-köpfige Wagenclique ist die diesjährige Fasnacht eine spezielle, da sie ihr 10-jähriges Bestehen feiert.
Ihr Sujet lautet: «10 Johr Jubiläum». Doch wieso gerade ein Schiff? Mit ihrem Sujet hat das auf den ersten Blick nicht viel zu tun. Die «Volksstimme» hatte vor dem Umzug mit Roman Freivogel von den Graffiti-Sprängern gesprochen. Er ist in der Clique unter anderem für die Planung des imposanten Umzugswagens verantwortlich. «Wir wollten schon immer einmal ein Schiff bauen», sagte Freivogel. Das Jubiläumsjahr sei der perfekte Zeitpunkt gewesen, um diesen Wunsch Tatsache werden zu lassen.
15 000 für einen Umzugswagen
Die Grundlage des Schiffs ist der dreiachsige Rohwagen. Dieser ist rund 12 Meter lang und kostete die Clique vor drei Jahren mehr als 5000 Franken. «Die meisten Cliquenmitglieder sind Handwerker», sagt Freivogel. Dazu gehören Metallbauer und Zimmermänner. Nur durch entsprechendes Fachwissen und Können sei es möglich, ein derartiges Bauvorhaben umzusetzen. Unter der Holzverkleidung am Bug ist ein massives Metallgerüst verbaut. Das Heck besteht grösstenteils aus einer Holzkonstruktion.
Im vergangenen August hätten sie mit der Planung der «Graffiti Pearl» begonnen und seither jeden Samstag daran gearbeitet. «An einem gewöhnlichen Wagenbautag beginnen wir um neun Uhr morgens und arbeiten bis circa fünf Uhr abends», sagte Freivogel. Obwohl ein Bauplan bestünde, sei der Bau nach wie vor ein Gestaltungsprozess: «Vor jedem Bautag wurde besprochen, was wie und wo gemacht werden muss.»
Die riesige «Graffiti Pearl» hat ihren Preis: 15 000 Franken. Finanziert wird der Wagen durch Mitgliederbeiträge sowie Gelder von Sponsoren und Gönnern. Manches Geld wird auch durch Arbeiten an Veranstaltungen verdient. So entstünde ein Geldtopf mit rund 15 000 Franken. Nicht nur das Bau-, sondern auch das Wurfmaterial und die Kostüme werden damit gedeckt. Das Baumaterial, unter anderem Holz und Metall, würde direkt bei hiesigen Firmen gekauft.
Grosse Gestaltungsfreiheit
Die Menge an Vorgaben und Regeln beim Wagenbau ist überschaubar. Grundsätzlich gilt: Es muss ein geprüfter Feuerlöscher an Bord sein. Denn die Elektronik, produziert von Dieselgeneratoren, kann in Kombination mit Holz eine Gefahr darstellen. Weiter müssen Traktor und Wagen eingefasst sein. Der Abstand zwischen Boden und Einfassung darf 20 Zentimeter nicht überschreiten. Die Einfassung verhindert, dass Passanten unter die Räder geraten könnten. Der Wagen muss strassentauglich sein und eine funktionierende Bremse haben. Bei der Ausgestaltung sind die Cliquen aber völlig frei und die Wagenhöhe ist frei wählbar. Damit die circa vier Meter hohe «Graffiti Pearl» überall durchfahren kann, können die Geländer und der Mast eingeklappt werden.
Die Liebe zum Detail scheinen die Graffiy-Spränger zu haben: Aus den Kanonenrohren an den Seiten des Schiffs tritt Nebel aus. Dazu hatte die Clique Rauchmaschinen eingebaut, die einen schönen Zusatzeffekt erzeugen. Auf dem zweiten Deck sind zwei Konfettikanonen installiert. Diese funktionieren mit einem Druckluftkompressor. Die eingebaute Bar mit Partylichtern und Lautsprechern darf selbstverständlich auch nicht fehlen.
Nach der Fasnacht wird der Wagen wieder abgebaut. «Es ist schon traurig, weil man so viel Zeit und Herzblut hineingesteckt hat. Jedes Jahr der gleiche Wagen wäre aber langweilig», sagte Freivogel. Gleichzeitig würde man sich auf die Realisation der nächsten Wagenidee freuen, denn das mache das Wagencliquen-Dasein aus.