Diskurs unter Gleichgesinnten
28.02.2023 Bezirk Sissach, SissachAnnemarie Pieper und Roland Buser über den Einfluss ihrer Fachbereiche auf den Frieden
Was tun Philosophie und Astronomie für den Frieden? Darüber sprachen im «Cheesmeyer» unter der Gesprächsleitung des Soziologen Ueli Mäder die ehemalige Professorin für Philosophie, Annemarie ...
Annemarie Pieper und Roland Buser über den Einfluss ihrer Fachbereiche auf den Frieden
Was tun Philosophie und Astronomie für den Frieden? Darüber sprachen im «Cheesmeyer» unter der Gesprächsleitung des Soziologen Ueli Mäder die ehemalige Professorin für Philosophie, Annemarie Pieper, und der ehemalige Astronomie-Professor Roland Buser.
Peter C. Müller
Sie hatten an jenem Abend, im bis auf den letzten Platz besetzten Dachstock des Kulturzentrums Cheesmeyer in Sissach, kaum je total unterschiedliche Meinungen. Sie ergänzten sich eher und gaben zusammen ein abgerundetes Gesamtbild der relativ komplexen Thematik ab: die Philosophin Annemarie Pieper und der Astronom Roland Buser.
Referiert, analysiert und diskutiert wurde zur Frage «Was tun Philosophie und Astronomie für den Frieden?». Moderiert und von Zeit zu Zeit mit neuen Fragen wieder in eine etwas neue Richtung geschubst, hat die Runde der Sissacher Soziologe Ueli Mäder.
Annemarie Pieper und Roland Buser haben in ihrer jeweiligen «Weltanschauung» denn auch viele Gemeinsamkeiten, aber auch einen unterschiedlichen geistes- oder naturwissenschaftlichen «Background». Zudem besitzen sie – aufgrund ihres Geschlechts – unterschiedliche Erfahrungen in ihrer jeweiligen akademischen Laufbahn: Punkte, die an diesem Abend auch einen grossen Raum einnahmen.
Die Widerspenstige?
Die heute 82-jährige Pieper war in den 1980er- und 1990er-Jahren während fast zweier Jahrzehnte an der Uni Basel Professorin für Philosophie. Als eine der ersten Frauen wurde sie auf den Lehrstuhl von Karl Jaspers berufen. «Man liess mich fühlen, dass ich die einzige Frau war – eine ziemlich toxische Situation», sagte sie und ergänzte: «Aber ich war widerständig und frech.»
Im Alter von 60 Jahren vollzog sie einen für damals etwas aussergewöhnlichen Schritt und liess sich vorzeitig pensionieren. «Ich habe es nie bereut», sagt Pieper heute, «denn es war für meine Lebensqualität wichtig!» Seither beschäftigt sie sich weiter mit Philosophie, schreibt Romane oder hält Vorträge. Pieper wurde in Düsseldorf geboren und lebt heute in Rheinfelden.
Der Vielseitige?
Roland Buser war Lehrstuhlinhaber am astronomischen Institut der Uni Basel, bevor er 1985 als wissenschaftlicher Berater der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa ans Institut in Baltimore, in den USA, berufen wurde. Im Jahr 2018 erhielt er den Kulturpreis des Kantons Basel-Landschaft
Die Geschichte des Menschen erstreckt sich für den 78-Jährigen räumlich und zeitlich weit über seine Heimat auf der Erde hinaus. Sie verläuft parallel mit den Epochen des Universums. Alles begann mit dem Urknall, mit dem Raum, Zeit und Materie aus der Urenergie und unter dem «Walten der Naturgesetze» spontan entstanden. Auf dieser naturwissenschaftlichen Basis («Die Natur war meine Berufung!») entwickelte er philosophisch die Geschichte, wie er sie auch in einem seiner Bücher, «Der Mensch im Kosmos», beschreibt.
Abgerundet wurde der Abend durch Jazzstandards wie «Stella my Starlight» von Victor Young, das auch schon von Miles Davis interpretiert wurde, oder «U’ve changed» von Billie Holiday: am Klavier gekonnt dargeboten von Jan-Andrea Bart. Melodien, passend zum Thema des Abends eben.
Ausserdem gab es zum Ende der gut zweistündigen Gesprächsrunde einige Fragen zu Themen wie gesellschaftliche Verantwortung versus individuelle Lebensziele (Zufriedenheit, Freiheit oder allgemeiner Frieden), aber auch zu den momentan dringend benötigten gesellschaftlichen Veränderungen. Alles in allem ein sehr interessanter und spannender Abend, der – trotz seiner oft notwendigen Vorkenntnisse – das Publikum in Scharen an- und in seinen Bann zog.