Ein Bubentraum an Flugzeugen
28.10.2022 Bezirk Waldenburg, ReigoldswilMilitärische und zivile Fliegerei markiert Präsenz im «Oberbiel»
Der 71-jährige Hans Probst hat in Reigoldswil in fünf Jahrzehnten die vermutlich weltweit grösste Flugzeugmodell-Sammlung geschaffen. Diese dokumentiert lückenlos die Geschichte der Fliegerei im Miniaturformat. Aber: ...
Militärische und zivile Fliegerei markiert Präsenz im «Oberbiel»
Der 71-jährige Hans Probst hat in Reigoldswil in fünf Jahrzehnten die vermutlich weltweit grösste Flugzeugmodell-Sammlung geschaffen. Diese dokumentiert lückenlos die Geschichte der Fliegerei im Miniaturformat. Aber: Von seinen 4229 Exemplaren sind aktuell erst 250 gebaut. Probsts Traum ist es, dereinst ein Museum eröffnen zu können.
Willi Wenger
Seit Mitte der 1960er-Jahre baut und sammelt der Reigoldswiler Hans Probst Flugzeugmodelle. Er besitzt mittlerweile eine riesige Sammlung – mit 4229 Exemplaren wohl die grösste weltweit. Probst ist es gelungen, die Geschichte der Fliegerei im Massstab 1:72 lückenlos in Modellen zu sammeln. Die als Bausätze gekauften und aus vielen Ländern stammenden Objekte sind professionell aufbereitet und in Bezug auf die Grössenverhältnisse absolut stimmig.
Ein Makel daran ist lediglich, dass bis heute erst gut 250 Modelle fertig gebaut sind. So gesehen wird es für Probst voraussichtlich schwierig sein, noch alle in Schachteln verpackten Modelle bauen zu können. «Ich bin Realist, dass dieses Unterfangen sehr anspruchsvoll sein wird, zumal es im Leben noch andere Vergnügen gibt, als Flugzeuge zu bauen», sagt der ehemalige Cheflaborant und lacht.
Dennoch ist Probst zuversichtlich und hoch motiviert, seine Sammlung, für die er zwischen 70 000 und 100 000 Franken ausgegeben hat, finalisieren zu können: «Trotz meines zunehmenden Alters», wie der rüstige Pensionist sagt. Er hofft zudem, dass die Sammlung vollständig zusammenbleibt und nicht zerstückelt wird. «Denn der Raumbedarf ist sehr gross», so der zweifache Familienvater und Grossvater zweier Enkelkinder. Ein weiterer Wunsch von ihm ist es, dass jemand den Bau der Modelle weiter vorantreiben wird, wenn er das selber nicht mehr kann.
Authentisch mit Liebe zum Detail
Die bis jetzt gebauten Modelle, im Wesentlichen von der Pionierzeit bis und mit dem Ersten Weltkrieg, imponieren dem Betrachter der Sammlung. Sie sind so realisiert worden, dass sie authentisch wirken, auch in Bezug zur Umgebung. So sind die gebauten Dioramen mehr als nur echt. Sie unterstreichen Probsts Liebe zum Detail. Er hat dabei das notwendige Zubehör wie Flugplatzinfrastrukturen, Figuren oder etwa Fahrzeuge in einer Perfektion dargestellt, die nur sehr schwer zu überbieten ist.
Wie ist es überhaupt zur Sammlung gekommen? Probst erzählt, dass seine Leidenschaft zur Fliegerei beziehungsweise eben zu den Flugzeugmodellen mit einem Schaufenster der Boutique Anita, damals «s Glasers» genannt, angefangen habe. «Ich habe als 15-Jähriger zwei Modellbausätze zum Geburtstag erhalten.» So habe das «Unglück» seinen Lauf genommen. Diese beiden Flugzeuge, eine Nieuport 17 aus dem Ersten und eine Curtiss P-40E aus dem Zweiten Weltkrieg habe er in Rekordzeit zusammengebaut. Von da an sei sein Hunger nach Modellbau nicht mehr zu stillen gewesen. «Ich habe in der Folge alle verfügbaren Modelle im Laden gekauft und viele weitere dort bestellt. Sogar den Hersteller Airfix in London habe ich angeschrieben.» Dass später Modelle anderer Fabrikate dazukamen, war die logische Folge. «Mein Augenmerk richtete sich auch auf Firmen in Deutschland, Italien, Frankreich, den Vereinigten Staaten von Amerika, Schweden, Russland oder der damaligen Tschechoslowakei. So sind bis heute über 170 Hersteller zusammengekommen.»
Schiffe, Figuren und Fahrzeuge
Die Sammlung im Haus von Probst in Reigoldswil umfasst nicht nur Flugzeuge, sondern auch Hubschrauber und andere fliegende Geräte, vom Lilienthalgleiter von 1894 über die Pionierzeit, vom Ersten Weltkrieg, den 1930er-Jahren, dem Zweiten Weltkrieg, der Neuzeit bis zum modernsten russischen Suchoi Su-57 oder dem amerikanischen F-35 von 2020.
Wie erwähnt ist auch die zivile Fliegerei sehr stark vertreten. Zahlreiche Prototypen, Einzelanfertigungen und Projekte, die nie ausgeführt wurden, sind ein wichtiger Bestandteil in Probsts riesigem Fundus. Und: Von den in grossen Stückzahlen gebauten Flugzeugen findet man in der Sammlung sämtliche Untervarianten. «Ich habe beispielsweise von der legendären Spitfire alleine 70, und von der berühmten Messerschmitt Bf 109 sogar 75 Varianten hier im Haus», sagt Probst voller Stolz. Nicht zu vergessen sind zudem die zahlreichen Hubschrauber, bei denen ebenfalls auf Vollständigkeit geachtet wurde. Der Reigoldswiler weist zudem auf seine Wasserfahrzeuge hin, aber auch auf die U-Boote aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie aus der Neuzeit. Des Weiteren sind in der Sammlung Torpedoboote, diverse Rettungskreuzer und eine Luxusjacht enthalten. Antike Galeeren, ein Wikingerschiff, ein Hanseschiff, die Raumfahrt mit der Saturn-V-Rakete und einer Mondlandefähre und vieles mehr, wie etwa die 1938 Figuren oder 678 Fahrzeuge, komplettieren das Meisterwerk von Probst.
Zu jedem Modell verfasst Probst im Übrigen eine Dokumentation, nachdem umfangreiche Geschichtsrecherchen getätigt sind. Dazu komme eine aufwendige Katalogisierung der über 4200 Modelle im Computer.
Das Fazit ist klar: Hans Probst ist ein Sammler aus Leidenschaft. Er ist, wie man zu sagen pflegt, «vergiftet» in sein Steckenpferd. Dennoch hat er auch andere Hobbys: So ist der ausgebildete Militärtrompeter aktiver Waldhornist bei der Musikgesellschaft Lupsingen und als Grossvater auch hin und wieder gefordert. Seine Liegenschaft gebe ebenfalls einiges zu tun, sagt er weiter. Schliesslich hält er fest, dass er gerne bereit sei, interessierten Personen schon jetzt seine Sammlung zu zeigen. Man müsse nur fragen, sagt er mit einem Lachen und ergänzt, dass er sich als «ziemlicher Flugzeug-Experte» bezeichne.