«Feuer fasziniert uns Menschen seit jeher»
29.07.2022 Bezirk Sissach, ZunzgenJürg Gohl
Stefano Papini, eine hypothetische Frage. Was wäre aufgrund Ihres bisherigen Verkaufs am Sonntag und am Montag am Himmel über dem Oberbaselbiet abgegangen, wenn gestern kein Verbot erlassen worden wäre?
Stefano Papini: Schwer zu sagen. ...
Jürg Gohl
Stefano Papini, eine hypothetische Frage. Was wäre aufgrund Ihres bisherigen Verkaufs am Sonntag und am Montag am Himmel über dem Oberbaselbiet abgegangen, wenn gestern kein Verbot erlassen worden wäre?
Stefano Papini: Schwer zu sagen. Feuerwerke verkaufen wir eher kurzfristig an den letzten drei Tagen, also in diesem Jahr wäre das am Freitag, Samstag oder am Montag. Doch selbst wenn für unsere Branche noch ein kleines Wunder in Form von Regen eintreten würde, wäre vermutlich weniger als ein Viertel der Menge eines normalen Jahres über den Ladentisch. Die Feiern wären jetzt erst recht kleiner, intimer ausgefallen, eher mit Vulkanen. Doch diese sind auch untersagt. Mit den vielen schlechten Nachrichten, Verboten und Appellen ist auch den Feuerwerk-Freaks die Stimmung ziemlich vermiest. Ausserdem denke ich, dass die Mehrheit der Leute auch ohne behördliche Verbote ihre Verantwortung für die Umwelt durchaus wahrnimmt. Mit Sicherheit kann ich aber sagen: Über uns sehen wir nichts.
Wie wichtig ist das Geschäft mit den Feuerwerken für Ihr Unternehmen überhaupt?
In guten Jahren macht der Nationalfeiertag vielleicht fünf Prozent des Jahresumsatzes aus. An unserem Standort in Zunzgen sind es immerhin 70 Prozent des Umsatzes im Monat Juli.
Dann ist der wirtschaftliche Verlust aufs Jahr gesehen verkraftbar.
Jede Einbusse schmerzt. Zudem fällt das Geschäft rund um den 1. August in eine Zeit, in der sonst nicht viel läuft, und ist deshalb für uns ein willkommener Lückenfüller. Aber verglichen mit den Ausfällen rund um die Fasnacht während der Covid-Pandemie ist der Schaden überschaubar.
Ihr Unternehmen verkauft landesweit Party-Artikel. Was wäre in der aktuellen Lage für Sie am besten: eine nationale, eine kantonale oder eine kommunale Regelung?
Von einem nationalen Verbot halte ich gar nichts, weil es unterschiedliche Ausgangslagen gibt. Einmal war die Nordwestschweiz völlig ausgetrocknet, und so blieben Feuerwerke verboten, während wir im Bernbiet, wo es mehr geregnet hat, gute Umsätze erzielten. Gegen eine kantonale Regelung, wie sie nun eingetreten ist, spricht, dass in Agglomerationen weniger Gefahren bestehen als in einem Dorf mit alten Bauernhöfen und Wäldern. Bleiben also die Gemeinden. Schlecht sind immer Wischi-Waschi-Entscheide: An diesem Tag darf man, aber am nächsten nicht. Behörden sollen den Mut haben, klare Verbote zu sprechen. Entweder man hat den Mut dazu oder nicht. Gut zu überlegen ist im Voraus natürlich auch immer: Kann das Verbot durchgesetzt werden? Wird die Bevölkerung den Grund für das Verbot nachvollziehen können? Bei einer Trockenheit wie grad im Moment wäre das wohl gegeben.
Können frühe Käuferinnen und Käufer Ihnen nach diesem kurzfristigen Verbot eigentlich die Ware, die sie nicht benutzen dürfen, zurückbringen?
Nein. Das geht schon alleine aus Sicherheitsgründen nicht, weil wir nicht wissen, ob an den Körpern manipuliert worden ist. Zudem dürfte jedem Käufer und jeder Käuferin bewusst sein, dass es ein Verbot geben könnte. Aber Feuerwerke können problemlos zwei und mehr Jahre gelagert werden. Einfach nicht in den Abfall damit! In den Verbrennungsanlagen hätten die Angestellten wenig Freude.
Feuerwerke stehen nicht nur wegen der Trockenheit unter Druck, sondern auch wegen der Luftbelastung. Der Tierschutz will Knallereien ebenso verbieten wie Flüchtlingsorganisationen, die Traumas bei Geflüchteten befürchten. Sind die Raketen und Co. ein Auslaufmodell?
Die Verkaufszahlen bei den Raketen sind seit Jahren rückläufig, während dafür der Verkauf von Batterien stetig zulegt hat. In diesem Jahr läuft aber auch bei den Batterien wenig. Die geräuscharmen Vulkane verkaufen sich als Klassiker auf konstantem Niveau – übrigens auch unter dem Jahr für Geburtstage und andere Feste. Aufgrund dieser Entwicklung und der aktuellen Lage rücken wir den Verkauf von Feuerwerkskörpern in unserer Werbung weniger in den Vordergrund, sondern preisen dafür mehr unser breites Sortiment an 1.-August- beziehungsweise Schweizerkreuz-Deko an, was ja auch zu einem Fest am Nationalfeiertag gehört.
Verschwinden Feuerwerke bald gänzlich?
Darüber diskutieren wir sehr intensiv, weil es auch eine geschäftsstrategische Frage ist. Ganz wird Feuerwerk nie verschwinden. Aber ob wir es noch weitere zehn Jahre im Sortiment haben werden, da bin ich mir nicht sicher.
Und haben Sie bereits eine Alternative in der Hinterhand?
Da geistern etliche Ideen herum, aber eine richtige Alternative gibt es da nicht. Das Feuer hat etwas Archaisches und zieht den Menschen seit jeher in seinen Bann. Die damit verbundene Potenz an Energie und Macht sowie deren Kontrolle haben einen grossen Einfluss auf die Menschheitsgeschichte. Offenes Feuer und seine Bändigung werden ihre Faszination auf den Menschen nie verlieren.