«Notfalls müssten wir ganzen Quartieren den Strom abstellen»
30.06.2022 Baselbiet, Energie/Umwelt, SissachDer Schweiz droht eine Strommangellage – Stephan Jurt von der Elektra Sissach über llage – Stephan Jurt von der Elektra Sissach über die Ursachen und die laufenden Vorbereitungen
Strom könnte vor allem im Winter bald knapp werden. Hinter den Kulissen werden deshalb Krisenpläne ...
Der Schweiz droht eine Strommangellage – Stephan Jurt von der Elektra Sissach über llage – Stephan Jurt von der Elektra Sissach über die Ursachen und die laufenden Vorbereitungen
Strom könnte vor allem im Winter bald knapp werden. Hinter den Kulissen werden deshalb Krisenpläne ausgearbeitet. Stephan Jurt, der Geschäftsführer der Dorfgenossenschaft Elektra Sissach, gewährt Einblicke und spricht über die Stromzukunft.
David Thommen
Herr Jurt, viel ist derzeit von einer «Strommangellage» die Rede, welche die Schweiz im nächsten oder in einem der folgenden Winter betreffen könnte. Gehen bei uns tatsächlich bald die Lichter aus?
Stephan Jurt: Das erwarte ich nicht. Eine Strommangellage kündigt sich an und man hat Zeit, um zu reagieren, bevor es zu einem Blackout kommt und die Lichter tatsächlich ausgehen.
Wie kann man reagieren?
In erster Linie mit Stromsparen. Es gibt schweizweit bereits eine Krisenplanung, die mehrere Eskalationsstufen vorsieht. Die Szenarien wurden auf Bundesebene von der Ostral ausgearbeitet, also der Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen. Es ist klar festgelegt, wie vorzugehen ist. Zeichnet sich eine Mangellage ab, wird in einem ersten Schritt an alle Einwohnerinnen und Einwohner appelliert, ihren Stromverbrauch einzuschränken. Man sollte dann beispielsweise die Leistung der Wärmepumpe reduzieren, Lampen nicht unnötig brennen lassen und so weiter. Man kann relativ viel Strom einsparen ohne dass es gross wehtut.
Arbeiten Sie bei der Elektra Sissach an einem Notfallplan, falls ein solcher Appell zu wenig bringt?
Ja, dazu hat uns die Ostral verpflichtet. Wir haben uns mit Schulungen vorbereitet und Massnahmen ausgearbeitet. Sobald die Strommangellage konkret wird, gibt es feste Abläufe.
Wie sehen diese auf dem Verteilgebiet von Sissach aus?
Sie unterscheiden sich nicht von anderen Verteilgebieten. Zuerst wird wie gesagt ein Stromsparappell an alle Verbraucherinnen und Verbraucher gerichtet. Verschärft sich die Lage dennoch weiter, müssen in einem nächsten Schritt unsere Grossverbraucher ihren Strombezug drosseln. In Sissach sind das derzeit 31 Firmen mit einem Verbrauch von mehr als 100 000 Kilowattstunden pro Jahr. Die Ostral wird bei einer verschärften Mangellage einen Prozentsatz vorgeben, den diese Firmen einsparen müssen. Beispielsweise könnte es sich um 20 Prozent handeln. Dann sind wir als Elektra verpflichtet, bei unseren Grosskunden die Zähler ablesen zu gehen und einen Monat später zu kontrollieren, ob die Sparvorgabe eingehalten worden ist.
Gibt es Vorschriften darüber, wie die Firmen den Strom einsparen müssen?
Nein, das bleibt den Unternehmen überlassen. Man könnte sich beispielsweise vorstellen, dass eine Viertagewoche eingeführt oder die energieintensivsten Maschinen abgestellt werden. Die betreffenden Firmen sind von uns bereits angeschrieben worden und wissen Bescheid. Sie können sich vorbereiten.
Die Elektra Sissach muss also «Polizist» spielen und kontrollieren, dass nicht zu viel Strom verbraucht wird?
Ja, diese Rolle wird uns vorgegeben. Wir müssten im Fall der Fälle diejenigen Firmen an die Ostral weitermelden, die sich nicht an die Vorgabe gehalten haben. Je nachdem werden dann Sanktionen verhängt.
Und was, wenn alle Sparappelle an die Bevölkerung und die Sparvorgaben für die Industrie nicht ausreichen, um aus der Situation herauszukommen?
Die nächste Eskalationsstufe ist dann effektiv die Rationierung.Wir müssten den Kunden abwechselnd zu gewissen Zeiten den Strom ganz abschalten. Eine ziemlich furchtbare Vorstellung …
Betrifft dies wiederum nur die Grossverbraucher?
Nein, das betrifft sämtliche Kundinnen und Kunden. Ausnahmen gäbe es nur ganz wenige. Beispielsweise Spitäler gehören dazu, die wir in unserem Versorgungsgebiet aber bekanntlich nicht haben. Zu gewissen Zeiten hätten also ganze Quartiere für einige Stunden pro Tag schlicht und ergreifend keinen Strom mehr. Das wäre eine echte Krise. Wir müssen alles daransetzen, dass es nie so weit kommt.
Dann müssen wir uns also vor Wetterlagen im Winter fürchten, die kaum eine namhafte Sonnen- und Windstromproduktion erlauben. Gerade Windstrom macht in einigen europäischen Ländern einen stattlichen Anteil aus …
Wie gesagt glaube ich persönlich nicht daran, dass die schlimmsten Szenarien eintreffen werden. Aber tatsächlich: Wenn in ganz Europa der Strom knapp wird, müssen wir in der Schweiz damit rechnen, dass die EU-Länder zuerst für sich selber schauen und die Schweiz leer ausgeht. Dies, weil wir kein Stromabkommen mit der EU haben. Ein solches ist, wie bekanntlich die anderen Dossiers mit der EU, blockiert.
In der Schweiz würden die Lichter also zuerst ausgehen?
Vielleicht auch zuletzt, wer weiss. Denn wir sind durch das fehlende Abkommen auch nicht verpflichtet, den anderen Ländern in einer Notlage auszuhelfen. Das könnte sich also auch als Vorteil herausstellen. Wobei gesagt werden muss, dass die Schweiz im Winter auf Stromimporte angewiesen ist.
Welche Möglichkeiten hat die Elektra Sissach, wenn es tatsächlich zu einem Blackout kommen sollte?
Wir könnten nur warten. Dann sind die grossen Player wie die Swissgrid gefordert, die das Netz Stück für Stück wieder aufbauen müssen. Das dauert eine ganze Weile und ist eine diffizile Sache. Fährt man die Leistung zu schnell hoch, dann knallt es gleich nochmals ...
Schauen die grossen Stromverteiler im Notfall zuerst für sich und die Kundinnen und Kunden der kleinen Elektra Sissach sitzen im Dunkeln?
Definitiv nicht. Sollte es zu einer Zuteilung des Stroms durch die Behörden kommen, werden wir genau gleich behandelt wie alle anderen auch.
Auf Bundesebene wird es einen 10-Milliarden-Rettungsschirm für die Stromwirtschaft geben. Wird auch die Elektra Sissach bald Bundesgelder in Anspruch nehmen müssen?
Keinesfalls. Wir sind gut aufgestellt. Und unsere Risiken sind bei den geringen Einkaufsmengen klein. Das sieht bei den Grossen anders aus. Steigt der Strompreis an der Börse, kann es rasch um sehr hohe Summen gehen.
Auf den Dächern vieler Einfamilienhäuser hat es mittlerweile Solaranlagen. Sind die Besitzerinnen und Besitzer solcher Anlagen auf der sicheren Seite, wenn es zum Blackout kommt?
Nein. Jedenfalls solange sie keine Speichermöglichkeit haben, und die haben die wenigsten. Eine Solaranlage produziert Gleichstrom, der zu Wechselstrom umgewandelt werden muss. Für diesen Prozess braucht es Strom aus einer externen Quelle. Also vom Netz oder eben von einer Batterie.
Empfehlen Sie den Anlagebesitzerinnen und -besitzern, eine Batterie anzuschaffen?
Je länger, je mehr. Nicht primär wegen eines möglichen Blackouts, sondern, weil man damit den Grad des Eigenverbrauchs deutlich erhöhen kann, was erstrebenswert ist.
Als Stromverkäufer können Sie kaum Interesse daran haben, wenn Ihre Kunden zu Selbstversorgern werden …
Das stimmt zu einem gewissen Grad. Aber wir bieten ja auch eine Energiesparberatung an, was ins gleiche Thema geht. Welche Branche sonst ermuntert die Konsumentinnen und Konsumenten, möglichst wenig von ihrem Produkt zu verbrauchen?
Sie unterhalten ein teures Stromnetz, das über die Menge des transportierten Stroms finanziert wird. Sie schaden sich also gewissermassen selbst, wenn der Vor-Ort-Verbrauch gesteigert wird.
Das ist richtig. Alle Kunden erwarten von uns ein voll ausgebautes und absolut leistungsfähiges Stromnetz, auch wenn sie mit ihren Anlagen auf dem Weg zur Selbstversorgung sind. Da diese Kunden nur noch kleine Strommengen von uns beziehen, zahlen sie auch kaum noch Gebühren für Netznutzung, die auf die bezogenen Kilowattstunden geschlagen werden. Für uns wird es dadurch schwierig, genügend Erträge zu erwirtschaften. Netzunterhalt und -ausbau müssen zunehmend von denjenigen bezahlt werden, die – wie Mieter – keine solche Anlage haben, was nicht fair ist. Die Politik wird sich Gedanken machen müssen, wie diese Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft werden kann. Denkbar wäre eine Art Grund- oder Leistungsgebühr. Das dürfte irgendwann kommen.
Die Elektra Sissach hat ausser einigen Photovoltaikanlagen keine eigenen Kraftwerke oder wenigstens namhafte Beteiligungen an solchen. Dabei wäre eigener Strom der sicherste und wohl auch günstigste, wenn die Preise an der Strombörse verrückt spielen. War das ein strategisches Versäumnis der Elektra in den vergangenen 100 Jahren?
Darüber könnte man diskutieren. Aber wir haben hier in unserer Region keine grossen Möglichkeiten. Andere Versorger haben beispielsweise in Spanien investiert, doch für solche Engagements sind wir zu klein und letztlich wäre das für uns sinnlos: Sobald wir eine Mangellage haben, käme dieser Strom garantiert nicht mehr bis zu uns nach Sissach. Und heute noch ein eigenes Kraftwerk in der Schweiz betreiben zu wollen, wäre für uns kaum möglich. Die EBL hat zehn Jahre gebraucht und Unsummen investiert, bis sie nur schon ihr kleines Kraftwerk in der Birs realisieren konnte. Für die EBL mag das aufgehen, doch die sind zigmal grösser und damit ein ganz anderer Player als wir.
Was muss die Politik unternehmen, damit das Gespenst der Strommangellage bald wieder verschwindet?
Wir müssen ein Stromabkommen mit der EU abschliessen, damit wir nicht isoliert dastehen. Das würde die Versorgungssicherheit in meinen Augen erhöhen. Dies sage ich unabhängig von den ganzen Diskussionen um ein Rahmenabkommen.
Mehrere europäische Länder wollen ihre Atomkraftwerke gelegentlich abstellen und ebenfalls aus der Kohleverstromung aussteigen. Wie kann man das auffangen?
Das ist das ungelöste Problem. Denn Sorgen bereitet mir das grosse Tempo bei der Zunahme des Verbrauchs, weil fossile Energieträger durch Strom ersetzt werden müssen. Deutlich mehr Photovoltaik wäre ein Teil der Lösung, doch die Sonne scheint nur tagsüber, abends aber bleibt das Problem. Was wir bräuchten, ist zusätzliche Bandenergie, wie sie Wasser-, Kohle- oder Atomkraftwerke rund um die Uhr liefern.
Bei der Wasserkraft ist das Ausbaupotenzial nicht mehr allzu gross und Atom und Kohle sind Auslaufmodelle ...
Wir brauchen alle greifbaren Alternativen zusammen, denn auf eine oder zwei Technologien kann man sich nicht mehr stützen. Neue Speicherseen, der Ausbau von Flusskraftwerken, der Ausbau der Photovoltaik und der Windenergie könnten zumindest teilweise helfen. Gerade aber bei der Wasser- und der Windkraft gibt es bedauerlicherweise grosse politische Widerstände, die vieles behindern oder verunmöglichen.
Muss der Ausstieg aus der Atomkraft revidiert werden?
Das wird sich zeigen. Vielleicht muss die Ausstiegsfrage irgendwann neu beurteilt werden, da sich nun die Ausgangslage stark verändert hat. Bis vor Kurzem wurden noch mehrere Gaskombikraftwerke in der Schweiz als Back-up diskutiert, um Mangellagen entgegenzuwirken. Seit dem Krieg in der Ukraine ist das aber so gut wie kein Thema mehr. Ganz Europa will wegen der Abhängigkeit von Russland zu Recht weg vom Gas.
Was bleibt also als Ausweg?
Vielleicht sollte man als Konsument vor allem sein eigenes Verhalten hinterfragen. Generell denke ich, dass der Strom heute noch viel zu günstig und deshalb der Verbrauch zu hoch ist. Jetzt zeichnet es sich ab, dass die Energiepreise allgemein stark steigen werden. Dies kann Anlass für Veränderungen sein. Einerseits zum Stromsparen, was wie gesagt ein grosses Potenzial birgt. Andererseits, um selber Stromproduzent mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach zu werden und vor allem den eigenen Strom zu verbrauchen. Zudem sollte man vermehrt dazu übergehen, sein Auto dann zu laden oder den Geschirrspüler laufen zu lassen, wenn die Sonne scheint und es viel Strom im Netz hat. Solche Verhaltensweisen sind noch viel zu wenig in den Köpfen der Leute.
Ihre Tarifpolitik animiert ja auch nicht gerade zu solchem Verhalten: Tagstrom ist teuer …
Ja, aber das wird sich mit der Zunahme der Solarstromproduktion vermutlich einmal ändern. Entsprechende Diskussionen laufen in der Strombranche.
Das Energieangebot verknappt sich bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Das schlägt sich in höheren Preisen nieder. Was haben Ihre Kunden zu erwarten?
Wir rechnen Stand heute damit, dass die Strompreise schweizweit im Vergleich zum Vorjahr um gegen 20 Prozent steigen werden. Entscheide darüber sind bei uns noch nicht gefallen. Wir kommunizieren die neuen Tarife Ende August.
20 Prozent sind happig. Bringt das Kundinnen und Kunden von Ihnen in Not?
Das hoffe ich nicht. Aber man muss sehen: Es wird nun generell alles merklich teurer – von der Krankenkasse bis zu den Rohstoffen. Vielleicht ist es die Summe aller Faktoren, die Private oder auch Firmen in Schwierigkeiten bringen kann.
Hätte die Elektra Sissach die Möglichkeit gehabt, günstig Strom einzukaufen und zu speichern?
Leider lässt sich Strom in grossen Mengen nach wie vor nicht speichern, es sei denn, man hätte irgendwo einen Speichersee zur Verfügung. Für die Elektra Sissach ist das keine Option. In den Alpen müsste man den Ausbau jetzt in Angriff nehmen. In meinen Augen wäre hier sehr viel mehr möglich.
Die Elektra Baselland hat in Pratteln eine grosse Batterie angeschafft. Ist das die Zukunft?
Das ist zweifellos eine tolle Sache. Doch die Dimension ist verschwindend klein. Das reicht, um die Akkus einer beschränkten Anzahl von Autos aufzuladen, aber niemals, um ein Dorf wie Sissach zu versorgen.
Länder wie Deutschland oder Italien wollen in der sich abzeichnenden Notlage wieder mehr Kohlestrom erzeugen, auch Österreich reaktiviert ein stillgelegtes Kohlekraftwerk. Heiligt der Zweck in der Strombranche die Mittel?
Für die Umwelt ist das eine Katastrophe. Ich halte es für dramatisch, dass man so weit geht, und hätte mir bessere Alternativen gewünscht. Plötzlich wird die Umwelt zum nebensächlichen Thema, das sieht man auch beim Krieg in der Ukraine, bei dem es neben all dem menschlichen Leid auch zu grossen Umweltverschmutzungen kommt.
Während Corona gab es den Trend, dass vermehrt lokale Produkte gekauft wurden. Hat die Elektra Sissach mit ihrem lokal produzierten
«sissastrom» aus Sissacher Solarenergie ebenfalls profitiert?
Tatsächlich ist die Nachfrage deutlich gestiegen und seither auch nicht mehr gesunken, wie bei anderen Produkten. Allerdings hat dies unterschiedliche Ursachen. Unter anderem setzt die Gemeinde Sissach erfreulicherweise noch mehr auf «sissastrom» und versorgt damit neu auch die Kunsteisbahn und die Badi. Im Jahr 2020 konnten wir erst 66 Prozent des gesamthaft produzierten «sissastroms» absetzen, 2021 waren es schon 86 Prozent. Die Tendenz ist weiter steigend.
Sie sind also daran interessiert, dass es in Sissach immer mehr Solaranlagen gibt, damit Sie den Privaten den überschüssigen Strom abkaufen können?
Ja, das wäre sinnvoll. Man muss aber auch sehen, dass uns der Solarstromzubau stark fordert. Wenn in den Quartieren mehr Strom eingespeist wird, muss auch die Netzkapazität erhöht werden. Zudem ist absehbar, dass die Elektromobilität und damit der Stromverbrauch bald massiv zunehmen werden. Die EU hat beschlossen, ab 2035 keine Autos mehr zuzulassen, die mit Verbrennermotoren angetrieben werden. Man stelle sich vor, wie viele zusätzliche Ladestationen es allein in Sissach braucht! Hinzu kommt der Abschied von den Ölheizungen und die Umstellung meist auf Wärmepumpen.Wir müssen also unsere Trafostationen ausbauen, neue Netzkabel mit grösseren Querschnitten verlegen und so weiter. Die ganze Infrastruktur muss auf die neuen Bedürfnisse ausgebaut werden. Da kommt viel auf die ganze Stromwirtschaft zu.
Wie stark wird der Stromverbrauch steigen?
Das lässt sich noch nicht abschätzen. Aber möglicherweise um ein Viertel bis ein Drittel in den nächsten 15 Jahren.
Ostral in Kürze
tho. Die von Stephan Jurt im Interview angesprochene Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen (Ostral) wird beim Eintreten einer Strommangellage auf Anweisung der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) aktiv.
Bei einer Strommangellage ist der Bund für die Vorbereitung und Durchführung von Massnahmen zur Sicherstellung der Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern wie Strom zuständig, wie es auf der Ostral-Website heisst. Der Bund könne in diesem Fall Bewirtschaftungsmassnahmen anordnen, «welche das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch auf reduziertem Niveau sicherstellen sollen». Der Bund hat den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beauftragt, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, worauf die Elektrizitätsunternehmen Ostral ins Leben gerufen haben. Geleitet wird die Organisation von Lukas Küng, Geschäftsführer der Münchensteiner Primeo Netz AG.
Zur Person
tho. Elektroingenieur Stephan Jurt (54, Sissach) arbeitet seit 2014 bei der Elektra Sissach und ist dort seit 2016 Geschäftsführer. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.
Die Elektra Sissach feiert im nächsten Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Begonnen mit der Elektrifizierung hatte alles rund 25 Jahre zuvor mit der Elektra Sissach-Gelterkinden, auf welche die Elektra Farnsburg folgte. Die Elektra Sissach ist ausschliesslich für Sissach zuständig und hat hier rund 4500 Kunden. Im Baselbiet gibt es noch fünf Dorfgenossenschaften. Neben Sissach sind dies die Elektras in Augst, Itingen, Maisprach und Reigoldswil. Die Elektra Sissach ist die grösste dieser Genossenschaften und auch die einzige, die nicht milizmässig aufgestellt ist, sondern selber operativ tätig ist und Netzbau, Wartung, Unterhalt und so weiter selbst erledigt. Hinzu kommt die Telekommunikationssparte mit eigenem Netz.
Die Elektra Sissach beschäftigt rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 9 bis 10 Millionen Franken. Laut Stephan Jurt steht die Eigenständigkeit der Genossenschaft nicht infrage. Im Gegenteil habe gerade jüngst wieder eine Studie gezeigt, dass in der Kleinheit ein grosser Vorteil liegt: «Wir sind lokal präsent, kennen alles bestens und wir sind schnell.»
Als besonderes Produkt bietet die Dorfgenossenschaft den «sissastrom» an. Dieser wird ausschliesslich aus Sissacher Photovoltaik hergestellt. Quelle dafür sind 160 private Solaranlagen, die ihre Überschüsse ins Netz liefern. Zusätzlich betreibt die Elektra Sissach derzeit sieben eigene Anlagen. Eine achte ist in Planung: Sie wird dereinst auf der geplanten neuen Dreifachturnhalle der Gemeinde Sissach montiert.
Der «sissastrom» macht einen Anteil von 6 Prozent am verkauften Strom aus. Bei den restlichen 94 Prozent handelt es sich um Wasserstrom. Weitere Produkte, die «Graustrom» enthalten, hat die Elektra Sissach vor einiger Zeit aus ihrem Sortiment gestrichen.