Erste Heimatkunde in digitaler Form?
08.06.2022 Bezirk Sissach, Häfelfingen, Medien, KulturChristian Horisberger
Es gibt klein- und grossformatige, es gibt dünne und dicke und es gibt alte und neue. Noch stärker unterscheiden sich die Heimatkunden der Baselbieter Gemeinden in ihrem Inhalt. Nur eines haben alle Werke gemeinsam: Sie sind in gedruckter Form ...
Christian Horisberger
Es gibt klein- und grossformatige, es gibt dünne und dicke und es gibt alte und neue. Noch stärker unterscheiden sich die Heimatkunden der Baselbieter Gemeinden in ihrem Inhalt. Nur eines haben alle Werke gemeinsam: Sie sind in gedruckter Form erschienen. Bis jetzt.
Als erstes Baselbieter Dorf will Häfelfingen seine Heimatkunde nicht in gedruckter, sondern ausschliesslich in digitaler Form herausbringen und sie übers Internet zugänglich machen. «Seien wir doch ehrlich: Wenn man eine Heimatkunde nach ihrem Erscheinen durchgeblättert hat, verstaubt sie im Bücherregal», sagt der Häfelfinger Gemeindepräsident Rainer Feldmeier. Stattdessen wünsche er sich «etwas, das weiter lebt», etwas Innovatives: So könnten unter anderem auch Filmsequenzen oder Videointerviews mit älteren Dorfbewohnerinnen und -bewohnern aufgeschaltet werden.
Buch doppelt so teuer
Die Pionierrolle, die sein Dorf damit einnehmen würde, gefiele dem Präsidenten. Für manche Unterbaselbieter seien die Häfelfinger Hinterwäldler, sagt er. Denen würde man mit dem digitalen Projekt das Gegenteil beweisen. Die Anfang Jahr eingesetzte Heimatkundekommission und der Gemeinderat stehen gemäss Feldmeier hinter der neuen Form. Ob die Einwohnerinnen und Einwohner ebenfalls neue Wege beschreiten möchten, zeigt sich heute Abend, wenn der Kredit für die Heimatkunde an der Gemeindeversammlung zur Debatte gestellt wird.
Der Gemeinderat stellt der Bevölkerung zwei Varianten zur Auswahl: eine Version in Buchform mit Kosten von 80 000 Franken und die von ihm empfohlene «moderne Version», die durch die wegfallenden Druckkosten auf lediglich 37 500 Franken zu stehen käme. Bei den beiden Beträgen handelt es sich gemäss Feldmeier um Bruttoangaben. Das heisst, dass Beiträge aus dem Swisslos-Fonds, die für Heimatkunde-Projekte üblicherweise fliessen, sowie Sponsorengelder noch nicht abgezogen worden sind. Bei der digitalen Version kämen anders als bei einem Buch laufende Kosten für das Hosting und die Betreuung der Heimatkunde-Website hinzu.
Um die Swisslos-Gelder brauchen sich die Häfelfinger keine Sorgen zu machen. Gemäss Heidi Scholer, Verwalterin des Fonds, würde das Kässeli für die digitale Häfelfinger Heimatkunde geöffnet. Der Betrag aus dem Swisslos-Fonds richte sich wie sonst auch nach den Gesamtkosten für das Projekt: Maximal werden 50 000 Franken ausbezahlt. Die Form, in der das Werk herausgegeben wird, habe keinen Einfluss. Seitens des Kantonsverlags liegen keine Empfehlungen vor, Heimatkunden digital oder in physischer Form herauszugeben.
Lieber blättern als klicken
Josua Oehler würde in Häfelfingen fürs Papier stimmen. Er blättere lieber im Sessel sitzend ein Buch durch, als dass er sich am Computer durch eine Website klicke, sagt der Präsident der Arbeitsgemeinschaft zur Herausgabe von Baselbieter Heimatkunden zur «Volksstimme». Dies sei aber die persönliche Meinung eines 75-Jährigen, wie er betont.
Gewisse Gemeinden sind laut Oehler mit ihrer Heimatkunde bereits digital unterwegs, dies jedoch vorerst noch als Ergänzung zu einem Buch in Papierform. Pionier sei 2009 Muttenz gewesen. Und für die Heimatkunde Reigoldswil, bei der er beratend mitwirke, sei ebenfalls eine Ergänzung fürs Netz vorgesehen. Sollten die Häfelfinger einer ausschliesslich digitalen Heimatkunde zustimmen, wäre dies eine Baselbieter Premiere, bestätigt Oehler.
Leichter zu verändern
Susanne Wäfler, Kantonsbibliothekarin und Leiterin des Kantonsverlags, begrüsst die moderne Form von Heimatkunden. Digitale Publikationen sprächen ein jüngeres Publikum an, seien dynamischer und leichter veränder- und erweiterbar als Bücher, zudem sei die Integration von Audio- und Videobeiträgen grundsätzlich möglich, allerdings mit Kostenfolgen. Hingegen könnten Papier und Lagerkapazitäten gespart werden. Fürs Buch spreche das sinnliche Erlebnis, es durchzublättern und allfällige Schwierigkeiten eines älteren Publikums mit digitalen Medien.
Der Kantonsverlag hat gemäss Wäfler eine neue Website in Arbeit, die den Zugang zum Verlagsprogramm eröffnen wird. Heisst: Herkömmliche Publikationen können bestellt, E-Books heruntergeladen werden. Inwiefern das bisherige Programm digitalisiert werden kann und darf, gelte es noch abzuklären. Hier seien urheberrechtliche Fragen zu beantworten. Neue Publikationen des Kantonsverlags würden künftig auch digital angeboten.