Das kurze Leben von «SissachLive»
10.06.2022 Bezirk Sissach, Vereine, Kultur, SissachJürg Gohl
Ein verheissungsvolles Zeichen vor der ordentlichen Generalversammlung von «SissachLive» von vorgestern Mittwoch: Eingeladen wurde in die Obere Fabrik. Also an jenen Ort, den der Verein bespielen und damit Sissach regelmässig mit Kulturanlässen bereichern ...
Jürg Gohl
Ein verheissungsvolles Zeichen vor der ordentlichen Generalversammlung von «SissachLive» von vorgestern Mittwoch: Eingeladen wurde in die Obere Fabrik. Also an jenen Ort, den der Verein bespielen und damit Sissach regelmässig mit Kulturanlässen bereichern wollte. Haben sich Besitzer Martin Zihlmann, der die Auftritte des Vereins aus wirtschaftlichen Gründen einschränken wollte, und «Sissach-Live» (die «Volksstimme» berichtete mehrfach) doch noch gefunden?
Nein. Die Ernüchterung folgte am Morgen der Jahresversammlung, als die Traktandenliste an elfter Stelle um den Punkt «Beschlussfassung über Auftrag zur Auflösung des Vereins» ergänzt wurde. Tatsächlich wurde am Abend der junge, engagierte Verein beerdigt, weil sich auch auf einen letzten verzweifelten Aufruf der abtretenden Präsidentin Anita Crain ans Plenum niemand meldete, das viel zitierte Ruder des Vereinsschiffs zu übernehmen. «Es war ein sehr emotionaler Moment, als wir am Dienstag entschieden, dieses Traktandum 11 zusätzlich in die Liste aufzunehmen», sagt sie. An anderer Stelle stellt ihr Ehemann, Kassier Werner Biedert, fest: «Die Luft ist draussen.» Die Vorsitzende hatte zuvor die – trotz Corona – eindrückliche Bilanz des Vereins aufgezeichnet.
Vorher hatte sich, nachdem der frustrierte Gesamtvorstand seinen Rücktritt erklärt hatte, an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 12. April eine Projektgruppe bereit erklärt, einen neuen Vorstand sowie neue Wege zu einer möglichen Zukunft für den Verein und seine Projekte zu suchen. Doch Andrea Saladin, die vorgestern die Bemühungen schilderte, und Beat Zumoberhaus standen am Mittwoch trotz grossen Aufwands mit leeren Händen da. «Wir haben alle denkbaren Szenarien durchgespielt», schildert sie. Und ohne Vorstand ist der Verein nicht funktionstüchtig. So kam die letzte ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins mehrmals vom strikte vorgegebenen Weg der Traktandenliste ab, und man jammerte darüber, dass immer weniger Leute bereit seien, sich freiwillig und verbindlich zu engagieren. «SissachLive» zählt inklusive Gönnerinnen und Gönnern just 99 Mitglieder, die für dieses Jahr vom Beitrag entbunden sind.
Nun muss der Verein voraussichtlich zwei ausserordentliche Generalversammlungen abhalten, um sich ordnungsgemäss aufzulösen und sein Erspartes weiterzugeben. Werner Biedert präsentierte wohl eine ausgeglichene Rechnung, doch verfügt der Klub noch über 40 000 Franken Rückstellungen, die der Vorstand eigentlich in das diesjährige Programm investieren wollte.
Verschwunden sind damit die Kulturanlässe in der Oberen Fabrik nicht. Eine Studentengruppe namens «Kubrik» mietet den grossen Raum, in dem einst Webstühle ratterten, und plant dort auch Veranstaltungen. Die «Klanglichter» und das «Nachtcafé» werden fortgesetzt. Doch «Sissach-Live» tritt nicht mehr in Erscheinung.