Zweiter Anlauf für Kreisschule
31.05.2022 Bezirk Sissach, Zeglingen, Rünenberg, KilchbergAbstimmungsreigen wird eröffnet
Die Nachbargemeinden Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen nehmen für eine Kreisprimarschule mit zwei Standorten nach dem Nein von Rünenberg und Zeglingen vor sieben Jahren einen neuen Anlauf.
Christian Horisberger
Fast genau vor ...
Abstimmungsreigen wird eröffnet
Die Nachbargemeinden Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen nehmen für eine Kreisprimarschule mit zwei Standorten nach dem Nein von Rünenberg und Zeglingen vor sieben Jahren einen neuen Anlauf.
Christian Horisberger
Fast genau vor sieben Jahren hat die Gemeindeversammlung von Rünenberg einer Kreisschule im Verbund mit Zeglingen und Kilchberg den Todesstoss versetzt. Mit 21 zu 17 Stimmen lehnten die Einwohnerinnen und Einwohner den Kreisschulvertrag überraschend ab. Die Abstimmungen in Kilchberg und Zeglingen waren damit bereits überflüssig, wurden aber dennoch durchgeführt: Kilchberg sagte Ja, Zeglingen wiederum Nein.
Finanzielle Fragen seien unbeantwortet, es werde lediglich eine Variante vorgelegt, eine Alternative mit Gelterkinden sei nicht geprüft worden und die Transparenz fehle: So lauteten die Argumente der Gegnerinnen und Gegner in Rünenberg damals.
Nach längerer Denkpause haben die drei Gemeinden, die in Bereichen wie Verwaltung, Feuerwehr oder Werkhof bereits zusammenarbeiten, das Thema Kreisprimarschule Ende 2020 wieder aufgegriffen. Den Vorwurf der Intransparenz muss sich die Arbeitsgruppe Kreisschule nicht mehr gefallen lassen: Über deren Tätigkeit wurde laufend informiert – zuletzt an zwei Informationsveranstaltungen im März und Anfang Mai (die «Volksstimme» berichtete).
Weiterhin zwei Standorte
Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen sollen eine Kreisschule mit einem Schulrat, einer Schulleitung und einem Lehrerteam bilden. Dies an den beiden bisherigen Schulstandorten Rünenberg und Zeglingen. Die Kindergärtler dieser beiden Dörfer gehen weiterhin in ihren eigenen Dörfern in den Kindergarten, jene von Kilchberg, das weder über einen Kindergarten noch eine Schule verfügt, wie bisher in Zeglingen.
Die 1. und 2. Primarstufe wird in Zeglingen angeboten, die Stufen 3 bis 6 werden in Rünenberg unterrichtet. Davon verspricht man sich, nur noch ein- und zweistufige Klassen führen zu können. In Rünenberg werden seit mehreren Jahren in einer Klasse drei Jahrgänge unterrichtet. Dies stelle für Lehrerschaft und Schulkinder «eine grosse Herausforderung dar», heisst es in den Erläuterungen zum Traktandum «Kreisschulvertrag Rünenberg-Kilchberg-Zeglingen».
Das für die Kreisprimarschule entwickelte Konzept solle Vereinfachungen bei der Klassenbildung, der Stundenplanlegung und beim Einsatz der Lehrpersonen bringen. Die Arbeitsbedingungen würden sich durch geringere Pensumsschwankungen verbessern, was die Rekrutierung von Lehrpersonal erleichtern würde, heisst es weiter. Ausserdem könnten die Mindestklassengrössen «viel eher» erfüllt werden, argumentieren Arbeitsgruppe und Gemeinderat.
Die für die Kinder und Eltern wesentlichste Neuerung ist eine Schule ausserhalb des Wohnorts. Für den Transfer ist kein eigener Schulbus, sondern das kostengünstigere Postauto vorgesehen. Die Erst- und Zweitklässler sollen am Anfang des Schuljahrs jeweils von Lotsen begleitet werden. Die Blockzeiten der Schule orientieren sich an den ÖV-Kursen. Derzeit laufen Gespräche mit der Postauto AG und dem kantonalen Verkehrsplaner für einen zusätzlichen Kurs über Mittag.
Start im August 2023
Die Kosten für das U-Abo (aktuell 530 Franken pro Kind) trägt die Kreisschule. Alle Primarschulkinder ab 6 Jahren, nicht nur jene, die «pendeln», erhalten das Gratis-Abo. Das U-Abo belastet das Kreisschul-Budget (Gesamtaufwand rund 2 Millionen Franken) mit ungefähr 50 000 Franken. Dennoch würden sich die Gesamtkosten für die Kreisschule gegenüber den heutigen Ausgaben in zwei Schulen um rund 150 000 Franken reduzieren. Dies dank Einsparungen bei den Pensen des Lehrpersonals.
Als Erste werden wie schon vor sieben Jahren die Rünenberger über die Kreisschule abstimmen – diesen Donnerstag. Kilchberg ist am 9. Juni an der Reihe und Zeglingen am 13. Juni. Sollten die Stimmberechtigten in allen Gemeinden Ja sagen, müsste der Entscheid an der Urne bestätigt werden. Dasselbe Prozedere gälte für die anzupassenden Gemeindeordnungen. Sollten die Einwohnerinnen und Einwohner aller drei Dörfer insgesamt viermal Ja sagen, könnte die Kreisschule im August kommenden Jahres starten.
Der Rünenberger Gemeindepräsident Thomas Zumbrunn blickt zuversichtlich auf den Donnerstag. An den beiden Info-Veranstaltungen hätten die Voten zugunsten einer Kreisschule überwogen. Bei der zweiten hätten die Versammlungsteilnehmer – mehrheitlich Eltern betroffener Kinder – untereinander offene Fragen diskutiert und sich dabei auch gegenseitig Ängste genommen.