Von Münzen, Scheinen und Bitcoins
29.10.2021 Baselbiet, Finanzen, WirtschaftDie Zukunft des Geldes ist digital – oder ? Ein Talk der Uni Basel
Die digitale Revolution des Geldes stand im Zentrum des Uni-Basel-Talks in Liestal. Professor Axel Paul von der Uni Basel und John Häfelfinger, CEO der Baselbieter Kantonalbank, diskutierten über die Zukunft des ...
Die Zukunft des Geldes ist digital – oder ? Ein Talk der Uni Basel
Die digitale Revolution des Geldes stand im Zentrum des Uni-Basel-Talks in Liestal. Professor Axel Paul von der Uni Basel und John Häfelfinger, CEO der Baselbieter Kantonalbank, diskutierten über die Zukunft des Geldes.
Paul Aenishänslin
Bargeld ist ein Auslaufmodell und Kryptowährungen sind die Zukunft. Darüber debattierten am Mittwoch im Museum BL Professor Dr. Axel Paul von der Universität Basel und BLKB-CEO John Häfelfinger an einer Podiumsdiskussion der Veranstaltungsreihe zur Zukunft des Geldes. Die Podiumsdiskussion war Teil der Veranstaltungsreihe Uni-Talk der Universität Basel für das Baselbiet.
Paul machte in seinem Einstiegsreferat klar: Die Zukunft des Geldes ist digital. Das Bargeld, das von den Zentralbanken herausgegeben wird, ist ein Auslaufmodell. Paul ging insbesondere auf digitale Währungen wie die Kryptowährung Bitcoin ein. Sowohl Uni-Professor Paul als auch der Bankier Häfelfinger vertraten eine eher kritische Haltung gegenüber Kryptowährungen, weil sie im heutigen Einsatz zwar als Anlage-Instrument, aber vor allem spekulativ verwendet werden.
Dass hinter einem Bitcoin kein physischer Wert steht, sondern nur eine einmalige, klar identifizierbare, sehr lange Zahlenreihe auf vielen Computern rund um die Welt, stört Paul nicht. Allerdings räumt er ein, dass es eine Regulierung braucht, um den Bitcoin, der direkte Transaktionen zwischen dezentralen Partnern ohne Einschaltung von Geschäftsbanken als Intermediäre erlaubt, damit dieser und andere Kryptowährungen nicht als Zahlungsmittel der «dark economy» missbraucht werden.
BLKB-CEO John Häfelfinger setzte einen gewissen Kontrapunkt zu Professor Paul, der fest an die neue digitale Welt des Geldes glaubt. Häfelfinger denkt, dass das digitale Zeitalter des Geldes rasante Fortschritte macht. Er beobachtet, mit welcher Leichtigkeit zum Beispiel seine eigenen Kinder immer mehr digitale Zahlungsinstrumente benutzen.
Banken müssen sich anpassen
Aber er sieht dieses Thema auch kritisch: So mutet es ihn seltsam an, dass der gegenwärtige Wert aller bisher geschürften Bitcoins (6,5 Millionen) mit einem Wert von etwa 65 000 US-Dollar pro Bitcoin stolze 1,2 Billionen Franken erreicht. Dies entspreche praktisch dem Wert der gesamten Geldmenge der Schweiz, ohne dass ein direkter Gegenwert erkennbar sei – ausser dem pro Bitcoin aufgewendete Stromverbrauch. Der Wert des Bitcoins als spekulative Geldanlage steht und fällt mit dem Angebot und der Nachfrage nach Bitcoins.
Häfelfinger glaubt, dass sich auch das traditionelle Bargeld noch lange halten wird, das von den Zentralbanken als legales Zahlungsmittel herausgegeben und garantiert wird. Es werde auch weiterhin Volkswirtschaften geben mit solidem Finanzgebaren und stabiler Währung, wo ein Klima des Vertrauens der Bürger in den Staat und die Zentral- und Geschäftsbanken regiert.
Die Banken werden sich an die Veränderungen anpassen müssen, die mit dem stärkeren Einsatz von digitalen Zahlungsmitteln durch ihre Kunden einhergehen. Zu beobachten ist, dass die Bankomaten im Schnitt jedes Jahr um 5 Prozent weniger benutzt werden und auch die Ein- und Auszahlungen am Bankschalter jedes Jahr um 15 Prozent abnehmen. Interessant ist auch, dass vom Bargeldumlauf in der Schweiz im Wert von 80 Milliarden Franken ganze 50 Milliarden in Tausendernoten gehalten werden, die man im Safe oder zu Hause aufbewahrt.
Die digitale Revolution ist also in vollem Gang, ohne dass zu befürchten ist, dass sie die traditionelle Rolle der Banken überflüssig macht, sofern die Geschäftsbanken auch bereit sind, ihr Geschäftsmodell an das neue digitale Zeitalter beim Geld anzupassen.