Wo das Baselbiet dem Himmel am nächsten ist
02.09.2021 Bezirk Sissach, Gastronomie, Waldenburg, NaturDie Waldweide auf rund 1000 Metern und das Chellenchöpfli sind stets eine Wanderung wert – für mich keine Frage. Eine Liebeserklärung.
Unser 15-jähriger Enkel aus dem Urnerland fordert uns Grosseltern des Öfteren mit der Aussage heraus: «Ihr habt im Baselbiet ja gar ...
Die Waldweide auf rund 1000 Metern und das Chellenchöpfli sind stets eine Wanderung wert – für mich keine Frage. Eine Liebeserklärung.
Unser 15-jähriger Enkel aus dem Urnerland fordert uns Grosseltern des Öfteren mit der Aussage heraus: «Ihr habt im Baselbiet ja gar keine richtigen Berge.» «Du hast recht, Joshua», lautet jeweils meine Antwort. «Aber wir haben richtig schöne Hügel – oder Hübel, wie der Baselbieter sagt. Und wenn wir auf das Chellenchöpfli, die Krete zwischen Solothurn und Baselland, steigen, sehen wir bei guter Sicht sogar Gipfel, die du von Schattdorf aus nicht sehen kannst: von den Mythen bis zum Breithorn, Eiger, Mönch und Jungfrau inbegriffen». Und dann haben wir ja noch wenige Schritte vom Chellenchöpfli entfernt unsere «Hinteri Egg», mit 1169 Höhenmetern so etwas wie der Mount Everest des Baselbiets.
Und schon sind wir mitten im Gebiet Wasserfallen, zu dem auch die Waldweide gehört, die Hochebene auf rund 1000 Metern, die für mich und meine Frau zu einem der schönsten Gebiete weitherum zählt und mehrmals im Jahr ein absolutes Muss-Wanderziel darstellt. Wald und Weide in perfekter Symbiose. Ringsum Mischwald, dazwischen die grünen Wiesen mit einer weidenden Angusherde, der die Glückseligkeit von Weitem anzusehen ist.
Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch auf die Waldweide. Unsere bevorzugte Route startet von Waldenburg aus über die Richtifluh, einer markanten Krete mit Sicht nördlich ins Waldenburgertal und südwärts Richtung Langenbruck. Wer Glück hat, der begegnet schon mal einer Gämse, wer noch mehr davon hat, der staunt über jenen Fuchs, der unbeeindruckt just unter dem Jägersitz seiner Beute nachspürt. Und dann, beim Erreichen des Hochplateaus, das eigentliche Highlight der Wanderung: der Blick auf die schneebedeckte Alpenkette, sofern Nebel und Dunst verschwunden sind. Allein schon dieser Anblick entschädigt für die zwischendurch steileren Aufstiege während der rund eineinhalbstündigen Wanderzeit.
Was wäre eine Berg- – oder aus dem Blickwinkel unseres Enkels eine Hügelwanderung – ohne die erholsame Einkehr? Kathleen und Frank Wolter sorgen seit 2014 dafür, dass sich die Wandernden im Bergrestaurant Waldweide wie zu Hause fühlen. Beide kommen aus Ostdeutschland, wohnen jedoch seit vielen Jahren hier in der Gegend. «Wir leben hier oben und wir geniessen es», sagt Kathleen, die vor allem die Natur, die Ruhe und die Weitsicht schätzt. Sie nennt ihre exklusiven Hackfleischtätschli von den Anguskühen und -rindern der Familie Plattner, die hier von Frühling bis Herbst ihre Tiere halten, einen eigentlichen Renner. Wandern ist für eine Wirtin, die berufsbedingt täglich mehrere Kilometer auf den Beinen ist, nicht unbedingt der gewünschte Ausgleich. «Allerdings habe ich es dank Corona und Lockdown endlich auf das Chellenchöpfli geschafft», erzählt Kathleen Wolter mit sichtlichem Stolz. Eigentümerin von Gebäude und Areal der Waldweide ist die Bürgergemeinde Waldenburg.
Wer vermutet auf dieser Höhe schon eine SAC-Hütte? Doch genau eine solche befindet sich hier, seit der Schweizer Alpenclub, Sektion Baselland, das Gebäude 1972 übernommen hat. Die Sektion feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen und hat die Hütte aus diesem Anlass in den vergangenen Monaten zu einem eigentlichen Bijou renoviert. Sie liegt etwas oberhalb in unmittelbarer Nähe des Restaurants Waldweid und ist an ihren Öffnungstagen Samstag und Sonntag ein beliebtes Wanderziel. Dem SAC Baselland gehört daneben auch die Tierberglihütte im Sustengebiet.
Das Wasserfallen- und Waldweidgebiet hat während der Coronazeit noch zusätzlich an Attraktivität gewonnen. Es ist vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner des Waldenburgertals, zu denen auch ich gehöre, eine eigentliche Oase der Ruhe und Erholung. Dies ist zurzeit ganz besonders wertvoll, ist doch die Talbevölkerung noch bis Ende nächsten Jahres betroffen vom Lärm der 13 Kilometer langen Baustelle zwischen Liestal und Waldenburg für den Neubau der Waldenburgerbahn. Elmar Gächter

