Christian Horisberger
Seit Montag gilt für Schweizer Gastrobetriebe die Zertifikatspflicht. Wer einkehren will, muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. Gastro Suisse und mit ihm zahlreiche Wirtinnen und Wirte üben Kritik an der Regelverschärfung. ...
Christian Horisberger
Seit Montag gilt für Schweizer Gastrobetriebe die Zertifikatspflicht. Wer einkehren will, muss nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. Gastro Suisse und mit ihm zahlreiche Wirtinnen und Wirte üben Kritik an der Regelverschärfung. Viele Betriebe müssten mit Umsatzeinbussen von bis zu 50 Prozent rechnen, die Gesellschaft würde gespalten, kommentierte der Branchenverband den Entscheid des Bundesrats. Die Gastronomie müsse für das Versagen des Bundesrats im Krisenmanagement geradestehen.
Die Betreiber des Sissacher Cafés Bistro Cheesmeyer sind dazu nicht bereit. Sie widersetzen sich der Bestimmung, in Innenräumen nur Gäste mit Zertifikat zu bedienen. Alle Menschen seien willkommen, «egal, ob (un-)geimpft, (nicht) getestet, genesen, gesund, männlich, weiblich, divers, gross, klein, dick oder dünn, (Nicht-) Raucher, alt, jung, (un-)sportlich, blond, braun, rot, schwarz oder weiss, mit Hund, Katze oder Vogel, allein oder mit Familie, mit Auto oder (Elektro-) Velo, mit oder ohne Zertifikat», war bis gestern auf einem Aushang beim Eingang des Cafés zu lesen.
Mit dem Personal abgesprochen
Dabei stützen sich die Beizer auf den Artikel 27 der Bundesverfassung, wonach die Wirtschaftsfreiheit gewährleistet sei, sowie auf das Diskriminierungsverbot, heisst es in dem Papier ausserdem. «Wir wollen niemanden ausschliessen, sondern für alle da sein», erklärt Clemens Glaser, der zusammen mit seiner Mutter das Lokal im «Cheesmeyer» führt. Dafür nehme man auch einen Umsatzrückgang oder Probleme mit der Behörde in Kauf. Wobei: «Manche Gäste werden wegen unserer Haltung wohl wegbleiben, dafür dürften andere neu bei uns einkehren», ist Glaser überzeugt. Eine allfällige Busse werde das Bistro nicht zähneknirschend bezahlen, sondern sie anfechten.
Der Verzicht auf die Zertifikatskontrolle sei mit den Mitarbeitenden abgesprochen, sagt Glaser zur «Volksstimme». Vom sechsköpfigen Bistro-Team seien vier Personen ungeimpft. Er sei einer von ihnen und verzichte wegen nicht ausreichend erforschter Nebenwirkungen auf die Dosis.
Natürlich ist der Widerstand gegen das Zertifikat im etwas weniger gut als üblich besetzten «Bistro» nun das grosse Thema. Die Reaktionen sind gemäss Glaser unterschiedlich. Manche Gäste würden es gut finden, andere hätten ihre Befürchtung geäussert, dass nicht nur das Lokal, sondern allenfalls auch sie gebüsst werden könnten. Und der Vermieter habe am Aushang wenig Freude und darum gebeten, diesen wieder zu entfernen. Diesem Wunsch sei man nachgekommen, sagt Glaser und versichert: «Es geht uns nicht darum, zu provozieren und uns zu inszenieren, sondern der Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften entgegenzuwirken.» Das Bistro macht keinen Unterschied. Dort sind alle «willkommen als Mensch».