«Es fehlt uns allen etwas»
29.01.2021 Baselbiet, FasnachtSander van Riemsdijk
Herr Bürgin, wie geht es Ihnen im zweiten Jahr als Präsident eines Vereins, der zum zweiten Mal hintereinander auf seine liebste Tätigkeit, die Fasnacht, verzichten muss?
Lukas Bürgin: Den Umständen entsprechend gut. Die ...
Sander van Riemsdijk
Herr Bürgin, wie geht es Ihnen im zweiten Jahr als Präsident eines Vereins, der zum zweiten Mal hintereinander auf seine liebste Tätigkeit, die Fasnacht, verzichten muss?
Lukas Bürgin: Den Umständen entsprechend gut. Die Absage der Fasnacht mit all ihren Anlässen davor und danach war dieses Mal im Gegensatz zum vergangenen Jahr absehbar. Klar bin ich enttäuscht, habe jedoch für die Entscheidung volles Verständnis. Ich hätte mir den Start als Präsident schon anders gewünscht. Trotzdem nehme ich die Entwicklung locker. Ich muss es halt nehmen, wie es ist, ich kann es nicht beeinflussen. Klar bleibt ein gewisser Frust. Dieses Wochenende hätten wir hier ja auf dem Gelände in Zunzgen unser grosses jährliches Fest, den «Guggewahn» durchgeführt. Aber eben, hätten.
Was ist Ihnen momentan in dieser Situation am wichtigsten?
Wir vom Vorstand würden gerne etwas für das Vereinsleben machen. Wir können und dürfen aber nichts unternehmen. Wir sind am Überlegen, ob wir allenfalls online etwas organisieren können. Bei 55 Vereinsmitgliedern ist dies halt nicht so einfach. Und an gemeinsames Musizieren kann schon gar nicht gedacht werden. Es fehlt uns allen etwas.
Wie verliefen die Vorbereitungen im Vorfeld zur Fasnacht 2021?
Nach der kurzfristig abgesagten Fasnacht 2020 sind wir mit der Generalversammlung unter strengem Schutzkonzept gestartet, für mich das erste Mal als Präsident. Entschieden wurde, die Kostüme auch für die Fasnacht 2021 einzusetzen und im Sommer das verpasste fasnächtliche Gemeinschaftserlebnis mit Grillabenden, Ausflügen und einzelnen Konzerten im Freien nachzuholen. Ab Mitte August sind wir dann hoffnungsvoll mit den Proben gestartet, die freiwillig waren. Wer wegen Corona unsicher war, durfte zu Hause bleiben. Bis die zweite Corona-Welle sich im Verlauf vom September allmählich ankündigte. Am 22. Oktober haben wir gemeinsam entschieden, dass ab sofort definitiv Schluss ist mit den Vorbereitungen.
Wie steht es um den Zusammenhalt im Verein?
Die Stimmung ist weiterhin sehr gut. Die Entscheidung, das Vereinsleben krisenbedingt vorübergehend einschlafen zu lassen, wurde durch die Mitglieder breit abgestützt. Diese zeigten grosses Verständnis und waren sofort einverstanden. Wir vom Vorstand sind denn auch stolz auf unsere Mitglieder und dankbar für diese Unterstützung. Wir konnten unser 50-Jahre-Vereinsjubiläum und das 25-Jahre-Guggenwahn-Jubiläum vergangenes Jahr nicht feiern. Das Ansteckungsrisiko war einfach zu gross. Dafür haben wir einen Ausflug organisiert. Ich habe den Eindruck, dass uns trotz Krise insbesondere dieser Ausflug zusammengeschweisst hat. Lange hatten wir die Hoffnung, wenigstens in der kommenden Fasnachtswoche gemeinsam essen zu gehen. Das hat sich nun mit den neuen Bestimmungen auch zerschlagen. Wir müssen uns alle einfach durch diese unsichere Zeit durchbeissen.
Geht die Angst vor einer Abwanderung von Mitgliedern im Verein um?
Nein, ich glaube nicht. Ich spüre, dass die Mitglieder weiterhin motiviert sind. Ich hoffe aber, dass die Situation, so wie sich diese jetzt präsentiert, nicht zu lange andauert. Es wäre ja nicht unmöglich, dass irgendwann die Motivation extrem nachlässt. Momentan jedoch ist ein Austritt allenfalls bei zwei bis drei Mitgliedern, die schon lange dabei sind, ein Thema. Die haben schon vergangenes Jahr kommuniziert, dass sie mit dem Gedanken spielen aufzuhören. Aber nach so einer Saison wollten sie nicht aufhören. Gut möglich, dass sie noch drei bis vier weitere Jahre dranhängen.
Die Rekrutierung von neuen Mitgliedern erwies sich schon vor der Pandemie als schwierig. Wie sieht es jetzt aus?
Wir haben Glück gehabt. Immer eine Woche nach der Fasnacht bieten wir eine öffentliche Probe an. Diese konnten wir noch durchführen. Es ist uns dort gelungen, einige interessierte Musiker zum Mitmachen zu bewegen, die noch immer dabei sind. Jetzt ist es schwierig, aber solange wir an der Generalversammlung keine Abgänge melden müssen, spielt es auch nicht so eine grosse Rolle.
Welche finanziellen Konsequenzen hat die Absage sämtlicher Fasnachtsaktivitäten für den Verein?
Wir leben von den Einnahmen von unseren Festen und insbesondere vom «Guggenwahn», der unsere Haupteinnahmequelle ist und zumindest in diesem Jahr wegfällt. Anderseits hatten wir auch kaum grössere Ausgaben, weil nichts stattgefunden hat. Wir vom Vorstand haben an der Generalversammlung vorgeschlagen, die Mitgliederbeiträge zu reduzieren. Die Versammlung hat darauf einstimmig entschieden, dass alle weiterhin bereit sind, den vollen Jahresbeitrag zu zahlen. Mit dem reduzierten Verkauf unserer Plaketten und dem Ertrag von einigen Marktständen, die wir geführt haben, ist dies mit ein Grund, dass es dem Verein finanziell trotz Corona nicht schlecht geht.
Wie sieht das weitere Programm für dieses Jahr aus?
Der nächste Fixpunkt ist die Generalversammlung vom 16. April, die wir wahrscheinlich online durchführen werden. Es ist Tradition, dass neue Mitglieder Ende Juni offiziell in einer Taufzeremonie aufgenommen werden. Zudem ist ein Grillabend geplant und vor den Sommerferien gibt es noch zwei Proben. Offiziell starten wir dann ab Mitte August mit den Vorbereitungen für die Fasnacht 2022. Mit dem Programm ist bereits klar, wo wir unsere Auftritte haben werden. Die Idee ist zudem, dass wir unser 50-Jahre-Jubiläum gebührend nachholen möchten.
Wird es nach zwei Absagen eine andere Fasnacht geben?
Das Interesse ist nach wie vor gross. Es wird anders sein, da sich gewisse Sachen ändern werden. Entscheidend wird sein, wie lange Corona in den Köpfen hängen bleibt.
Zur Person
svr. Lukas Bürgin ist 34 Jahre alt, wohnhaft in Zunzgen und von Beruf Fahrlehrer. Seit 15 Jahren ist er Mitglied bei den «Büchelgrüblern». 2019 hat er das Amt als Präsident übernommen. Er spielt im Fasnachtsverein leidenschaftlich Posaune.