Absage mit Schulterzucken
29.05.2020 Gesellschaft, Kultur, SissachAuch «Jazz uf em Strich» fällt Covid-19 zum Opfer
Gespannt haben die Mitglieder des Vereins «Jazz uf em Strich» die Pressekonferenz des Bundesrats vom Mittwoch mitverfolgt. Danach fiel der Entscheid: Das Festival am Freitag vor dem Bündelitag wird abgesagt. Hauptinitiant Stefan Zemp ...
Auch «Jazz uf em Strich» fällt Covid-19 zum Opfer
Gespannt haben die Mitglieder des Vereins «Jazz uf em Strich» die Pressekonferenz des Bundesrats vom Mittwoch mitverfolgt. Danach fiel der Entscheid: Das Festival am Freitag vor dem Bündelitag wird abgesagt. Hauptinitiant Stefan Zemp im Interview.
David Thommen
Herr Zemp, der Bundesrat erlaubt ab dem 6. Juni wieder kulturelle Veranstaltungen. Sie haben «Jazz uf em Strich» nun trotzdem abgesagt …
Stefan Zemp: Es dürfen Konzerte mit 300 Personen mit entsprechendem Schutzkonzept stattfinden. Bei stehendem Publikum muss der Abstand von allseitig 2 Metern eingehalten werden, bei sitzendem Publikum muss jeder zweite Platz frei bleiben und als Veranstalter muss man die Personendaten registrieren, wenn mehr als fünf Personen zusammensitzen. Für uns als Veranstalter ist es schlicht unmöglich, diese Vorgaben zu erfüllen. Und «Jazz uf em Strich» lebt davon, dass es eine offene Veranstaltung ist.
Ausserordentliche Situationen erfordern ausserordentliche Massnahmen. Wäre es nicht denkbar gewesen, das Festival etwas zu verkleinern?
Im Normalfall haben wir 500 bis 600 Zuschauer. Wie will man überwachen, wie viele Leute in die Begegnungszone kommen? Es gibt ganz viele verschiedene Zugänge. Die Eingangskontrolle würde sich zur riesigen logistischen Übung auswachsen. Und ich möchte nicht derjenige sein, der dem 301. Besucher sagt, dass er nicht mehr hineindarf. Wie gesagt: Das ist nicht leistbar. Wir sind ein Verein mit vielen ehrenamtlichen Helfern. Um das Schutzkonzept durchsetzen zu können, hätten wir ein spezialisiertes Unternehmen einsetzen müssen. Das wäre für uns unbezahlbar.
Sie haben bis Mittwochabend mit dem Entscheid zugewartet. Hatten Sie Hoffnung, dass der Bundesrat grössere Veranstaltungen bewilligen wird?
Wir haben etwas darauf spekuliert, dass Veranstaltungen mit vielleicht 500 Personen möglich werden. Dann hätten wir es wohl gewagt.
Halten Sie die Vorgaben des Bundesrats für zu defensiv?
Nein, ich bin einverstanden damit. Der Bundesrat hat während dieser Krise einen guten Job gemacht. Dass die Lockerung nun nicht grösser ausgefallen ist, hat ihre Logik.
Haben Sie nicht über eine alternative Form für Ihr Festival nachgedacht? Vielleicht verstreut über die ganze Begegnungszone mit Strassenmusik?
Leider ist das keine Option. Dann müsste man dafür sorgen, dass nicht mehr als 30 Personen zusammenstehen. Das hätte nicht funktioniert.
Sie sagen ganz ab. Warum keine Verschiebung?
Der «Jazz uf em Strich» fand bei seinen bisher elf Ausgaben immer am Freitag vor dem Bündelitag statt – es ist in Sissach das grosse Fest, bevor es in die grossen Ferien geht. Das gehört quasi zum «Brand», und an einem erfolgreichen «Brand» soll man nichts ändern, da verliert man nur. «Jazz uf em Strich» gehört mittlerweile zu Sissach wie der Banntag oder das Eierlesen.
Programmiert war unter anderem Musik aus Kalabrien. Hören wir das nun einfach in einem Jahr?
Die Musiker haben wir eingeladen, weil Sissach mit der kalabrischen Ortschaft Jacurso künftig einen kulturellen Austausch pflegen will. Entsprechende Verhandlungen laufen. Früher oder später werden wir die Musik aus Italien bestimmt in Sissach hören. Ob das in einem Jahr bei «Jazz uf em Strich» sein wird, kann ich noch nicht definitiv sagen. Es wäre auch ein ganz anderes Programm denkbar.
Nämlich?
Wir diskutieren immer wieder, ob sich die Begegnungszone nicht auch für ein grösseres Konzert mit doppelt oder dreimal so viel Publikum eignen würde. Toll wäre beispielsweise «Patent Ochsner». Vielleicht wäre ein Konzert in dieser Grösse im nächsten Jahr eine Möglichkeit. Quasi als Kompensation für den jetzt ausfallenden Konzertabend. Logistisch wäre das natürlich eine grössere Herausforderung, aber das könnte sich für die Zentrumsgemeinde Sissach lohnen. Doch wie gesagt, das ist erst eine Diskussion in unserem Verein. Mir persönlich gefällt der Anlass eigentlich genau so, wie er bisher war: klein, aber fein.