«Wir gehen für euch einkaufen»

| Do, 19. Mär. 2020
Unter anderem dank Sandra Eichenberger (links) und Margrit Wahl vom Frauenverein gibt es in Ziefen nun einen kostenlosen Lieferservice für Angehörige einer Corona-Risikogruppe. Bild zvg

Mit Nachbarschaftshilfe gegen Corona

Wegen des Coronavirus sollten Menschen über 65 Jahre oder mit einer Vorerkrankung möglichst zu Hause bleiben. Damit es ihnen trotzdem an nichts fehlt, tun sich die Menschen in der Region zusammen.

Remo Schraner

«Da ich im Moment im Homeoffice arbeite, habe ich Zeit, mich um meine Mitmenschen zu kümmern», sagt Thomas Jauslin aus Zunzgen. Seit dieser Woche bietet er Menschen, die wegen der Corona-Pandemie ihr Haus nicht verlassen können, Fahrdienste, Lieferdienste und alles an, was sonst noch benötigt werde: «Ich mache, was ich kann», sagt er.

Grund dafür ist die Weisung des Bundesamts für Gesundheit, die besagt, dass Menschen über 65 Jahre oder mit einer Vorerkrankung wegen des neuen Coronavirus besonders geschützt werden müssen und deshalb möglichst zu Hause bleiben sollten. Dies verringere die Gefahr einer Ansteckung.

Neben Privatpersonen wie Thomas Jauslin wollen auch die Gemeinden ihre Bewohner beim Gesundbleiben unterstützen. So erhielten vergangenen Montag alle Haushalte in Rickenbach das Informationsblatt «Rickenbach hilft Rickenbach». Darauf heisst es: «Der Gemeinderat möchte in dieser angespannten Situation insbesondere den Schutz für Personen über 65 Jahre und für Risikogruppen umsetzen. Aus diesem Grund soll eine unkomplizierte Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen werden. Wer helfen will oder auf Hilfe angewiesen ist, kann sich mittels Talon, via Mail oder telefonisch dafür anmelden.»

Die Koordination übernimmt Chantal Jenny, die Gemeindeschreiberin von Rickenbach. Bis gestern Vormittag hätten sich bereits 15 Helfende gemeldet. «Hilfsbegehren sind bis jetzt noch keine eingegangen», so Jenny.

Lieferdienst bis Ende April
Auch in Ziefen wurde schnell reagiert: Der örtliche Frauenverein, die Gemeindeverwaltung, der Gemeinderat und die Dorfladengenossenschaft «Chesi» haben Freiwillige gesucht und gefunden: Bis zum 30. April wollen diese für allfällige Lieferdienste für die Senioren im Dorf zur Verfügung stehen. «Die momentane Situation wird wohl schwerwiegender werden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Menschen, die einer Risikogruppe angehören oder sich in Quarantäne befinden, nun möglichst selten ihr Zuhause verlassen. Darum übernehmen wir für sie den Einkauf», sagt Sandra Eichenberger vom Vorstand des Frauenvereins Ziefen. Mittels eines «Extra-Blatts» wurde die Gemeinde gestern auf dieses Angebot hingewiesen.

Die Bestellungen nimmt Margrit Wahl vom Frauenverein entgegen und leitet diese an den Dorfladen «Chesi» weiter, wo die gewünschten Waren abgepackt werden. Die Freiwilligen liefern die Einkaufskörbe anschliessend aus. Dabei werde es zu keinem Kundenkontakt kommen, betont Eichenberger: «Die Freiwilligen platzieren die Körbe lediglich vor der Haustür, klingeln und gehen wieder. Denn wir sind uns der Ansteckungsgefahr bewusst. Darum habe ich auch für jeden Tag bis Ende April eine Stellvertretung eingeplant – falls jemand krankheitshalber ausfällt und die Bestellungen nicht ausliefern kann», sagt Eichenberger, die ab Juni dem Gemeinderat angehören wird. Mit diesen Vorsichtsmassnahmen soll der Lieferdienst sichergestellt sein. Wer von diesem Service Gebrauch machen will, muss lediglich die Lebensmittel mittels Rechnung bezahlen – die Lieferung ist kostenlos.

Die Helfer versammeln sich online
Die Gemeinde Läufelfingen wird Ende nächster Woche in ihrem Mitteilungsblatt auf die Facebook-Gruppe «Coronavirus: Unterstützung in Läufelfingen» hinweisen, sagt Gemeindepräsidentin Sabine Bucher. In dieser Gruppe haben sich Bewohner zusammengeschlossen, die ihre Hilfe anbieten wollen.

Allgemein gibt es online viele solcher Helfer-Gruppen (siehe Kasten). Dabei müssen sie eine grosse Hürde überwinden: Wie erreichen die Helfer, die sich online organisieren, die Menschen, die zwar Hilfe benötigen, aber das Internet nicht nutzen? Denn viele der Über-65-Jährigen haben kein Facebook-Profil. Abhilfe schafft da zum Beispiel die Website www.hilf-jetzt.ch. Dort steht eine Vorlage des sogenannten Quartierbriefs zum Herunterladen bereit. Wer Hilfe anbietet, kann seine Kontaktdaten in die Vorlage schreiben und das ausgedruckte Papier zum Beispiel im Treppenhaus seines Wohnblocks anbringen. So sollen alle, die Hilfe brauchen, auch Hilfe erhalten.


Liste der Angebote

vs. Sie gehören der sogenannten Risikogruppe an und wollen Hilfe in Anspruch nehmen – oder Sie wollen Ihre Hilfe anbieten? Die «Volksstimme» hat Angebote und Gruppen der Region zusammengestellt. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Fünflibertal
Facebook-Gruppe «Coronavirus: Fünflibertal hilft»

Itingen
Facebook-Gruppe «COVID-19: Itingen Unterstützt»

Läufelfingen
Facebook-Gruppe «Coronavirus: Unterstützung in Läufelfingen»

Maisprach
Nachbarschaftshilfe: Gemeinde Maisprach, 061 841 14 46

Facebook-Gruppe «Reigoldswil – füränand do»

Rickenbach
Nachbarschaftshilfe:
Gemeinde Rickenbach, 061 981 32 52

Rothenfluh
Nachbarschaftshilfe:
Gemeinde Rothenfluh, 061 991 04 54

Rümlingen
Lieferdienst:
«Homburger Stübli», 062 299 12 71

Sissach
Lieferdienst: www.buremärt.ch

Waldenburgertal
Facebook-Gruppe «Coronavirus: WB-Tal hilft»

Zunzgen
Einkaufs- und Lieferdienste:
Frauenverein, Marie Theres Wyss, 079 549 90 34
Reformierte Kirchgemeinde Tenniken-Zunzgen,
Pfarrer Ulrich Dällenbach, 079 671 09 39
Thomas Jauslin, 076 559 88 24

Kinderbetreuung:
Giuliana Di Lello, Kontakt via Gemeinde,
061 975 96 60

Facebook-Gruppe «Gemeinsam gegen Corona – Zunzgen»

Kanton Baselland
Übersicht der Helfer-Gruppen: www.hilf-jetzt.ch

Lieferdienste: www.heimbestellen.ch
Rotes Kreuz Baselland, 061 905 82 00 (ab Montag)

Facebook-Gruppe
«Corona Hilfe Oberbaselbiet und Baselland»

 

 

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