Zwölf Unfälle in fünf Jahren

| Di, 05. Nov. 2019
Der jüngste Unfall beim Rastplatz Sonnenberg ereignete sich vor knapp zwei Wochen. Ein Lastwagenfahrer übersah beim Wechsel auf die rechte Spur ein Auto, das den Rastplatz verliess. Bild Polizei Baselland

Das Areal um den Rastplatz Sonnenberg direkt nach dem Sissacher Autobahnviadukt ist immer wieder Schauplatz von Verkehrsunfällen. Es fehlt dort ein Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen. Das Astra wägt in seinen Planungen zwischen einem Umbau und einer Schliessung ab.

Daniel Schaub

Am 24. Oktober hat es am Rastplatz Sonnenberg nach der Auffahrt Sissach auf der Autobahn A2 wieder einmal gekracht. Ein Lastwagenfahrer übersah beim Spurwechsel auf die rechte Fahrbahn einen Personenwagen und schob diesen über eine längere Strecke bis kurz nach dem Rastplatz vor sich her. Die Lenkerin wurde verletzt, ein zweijähriges Mädchen wurde zur Kontrolle ins Spital gebracht.

Es war der zwölfte Verkehrsunfall an diesem Punkt in den vergangenen fünf Jahren, wie die Polizei Basel-Landschaft auf Anfrage mitteilt. Im Frühjahr 2017 verstarb die Beifahrerin eines Personenwagens, dessen 73-jähriger Lenker frontal in die Leitplanke bei der Einfahrt zum Rastplatz prallte. Der Lenker wurde schwer verletzt. Die übrigen Unfälle verliefen bislang glimpflich.

Von Null auf 120
Der neuralgische Punkt des Rastplatzes ist die Ausfahrt zurück auf die Autobahn. Aufgrund eines fehlenden Beschleunigungsstreifens müssen die Fahrzeuge aus einem «Stoppsack» von Null auf die rechte Fahrspur beschleunigen. Das ist nicht ungefährlich, weil die Geschwindigkeit der herannahenden Fahrzeuge nicht immer gut eingeschätzt werden kann und die Ausfahrt leicht ansteigend ist. Fünf der zwölf Unfälle wurden an diesem Punkt registriert, verletzt wurde dabei niemand. Auf der anderen Seite – bei der Einfahrt in den Rastplatz – gab es drei weitere Unfälle ohne Verletzungsfolgen.

Dazu kommen oft unverhoffte Spurwechsel von Fahrzeugen, die erst auf Höhe des Rastplatzes erkennen, dass die Einspurstrecke von der Auffahrt Sissach zur erweiterten Fahrspur wird und genutzt werden kann. Sie schwenken auf diese rechte Spur – dorthin, wo möglicherweise gerade jemand vom Rastplatz einfahren will. Drei Unfälle sind aufgrund von Spurwechseln geschehen, eine Person wurde dabei leicht verletzt.

Der Baselbieter Polizei ist durchaus bewusst, dass am Rastplatz Sonnenberg besondere Verhältnisse herrschen: «Wir stellen fest, dass beim Einfahren auf den Rastplatz die Fahrzeuge bereits auf der Autobahn A2 stark verzögern müssen», erklärt Sprecher Adrian Gaugler. Dies führe zu Ausweichmanövern des nachfolgenden Verkehrs. Auch bei der Einfahrt aus dem Rastplatz auf die Autobahn komme es zu Ausweichmanövern, da die Fahrzeuge aufgrund des «Stopp»- Signals aus dem Stillstand auf die A2 fahren müssten.

Astra zurückhaltend
Was also tun, um die Situation zu entschärfen? Die für die Nordwestschweiz zuständige Filiale Zofingen des Bundesamts für Strassen (Astra) bleibt auf Anfrage unverbindlich. «Im Rahmen des Erhaltungsprojekts zwischen Augst und Sissach wird überprüft, ob der Rastplatz normgemäss umgebaut werden kann oder geschlossen werden muss», lässt Sprecherin Tanja Crnogorac ausrichten. Bei einer Schliessung würde man notwendige Ersatzmassnahmen in Betracht ziehen, zum Beispiel eine Vergrösserung des Rastplatzes Mühlematt zwischen Diegten und Tenniken.

Einer definitiven Schliessung des Rastplatzes Sonnenberg steht die Baselbieter Polizei skeptisch gegenüber: «In der Region gibt es bereits heute wenig Ausstellplätze für den Schwerverkehr. Eine Schliessung des Rastplatzes wäre deshalb aus unserer Sicht nicht die Lösung», sagt Gaugler. Vielmehr würden bauliche Massnahmen, wie ein Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen, zu einer Entspannung der Situation beitragen.

Für diese baulichen Massnahmen ist allein das Astra zuständig. Und das kann dauern. Es stellt sich deshalb die Frage, ob mit kurzfristigen Massnahmen die Lage am Rastplatz entschärft werden könnte.

Zum Beispiel mit Sperrflächen auf der rechten Spur zwischen der Auffahrt Sissach und der Einfahrt zum Rastplatz – und eventuell auch danach – oder auch mit einer Temporeduktion von heute 120 auf 100 Stundenkilometer auf dem relativ kurzen Streckenabschnitt zwischen den beiden Tunneln Ebenrain und Arisdorf, in denen eine solche heute schon gilt und signalisiert ist.

Das Astra bleibt auch bei diesem Thema vage: «Es wird derzeit geprüft, ob Sofortmassnahmen angezeigt sind und umgesetzt werden können», sagt Crnogorac nur.

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