Mehr als eine Laudatio
28.06.2019 Baselbiet, Porträt, PolitikEhemaliger Baselbieter Ständerat René Rhinow publiziert Autobiografie
René Rhinow blickt in seinem Buch «Alles mit Mass» auf seinen Werdegang, seine Funktionen, sein Wirken und seine Ideale zurück. Ernsthaft, aber nicht ohne Augenzwinkern.
Robert ...
Ehemaliger Baselbieter Ständerat René Rhinow publiziert Autobiografie
René Rhinow blickt in seinem Buch «Alles mit Mass» auf seinen Werdegang, seine Funktionen, sein Wirken und seine Ideale zurück. Ernsthaft, aber nicht ohne Augenzwinkern.
Robert Bösiger
Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Basel (1982–2006), Baselbieter FDP-Ständerat (1987–1999), Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes (2001–2011), im Militär Oberst im Generalstab – und noch vieles mehr. Was erwarten wir, wenn ein solcher Mann – sein Name: René Rhinow (77) – seine Autobiografie zwischen Buchdeckeln publiziert? Wohl am ehesten ein ausführliches Werk über sein Wirken, seine Funktionen, Ämter, Erlebnisse und Begegnungen. Eine Laudatio also.
Genau das tut der Liestaler René Rhinow mit seinem Buch, dessen Titel «Alles mit Mass» uns zugegebenermassen nicht sofort fesselt. Zum Glück macht uns der Untertitel «Gedanken und Geschichten aus dem Leben eines Grenzgängers» genügend neugierig, um uns in das 330 Seiten schwere Buch zu vertiefen.
Juristische und politische Karriere
Es liegt auf der Hand, dass uns Rhinow ausgiebig an seinen Funktionen teilhaben lässt, die er für die Universität und die Öffentlichkeit ausgeübt hat. Er schildert seine juristische Laufbahn detailreich bis zum Ordinariat, führt uns ein in den universitären Betrieb und skizziert uns Wegbereiter und -begleiter. Und selbstverständlich wird sein Engagement für die FDP und den Kanton Baselland ebenso schwergewichtig beschrieben wie seine Arbeit im Dienste des Schweizerischen Roten Kreuzes. Und weil der Autor gleichzeitig auch eine beeindruckende militärische Karriere hinlegt, erhält auch diese gebührendes Gewicht.
Wer sich in die Themenbereiche Verfassungsrecht und Staatsrecht, Liberalismus und Bürgerlichkeit vertiefen möchte, findet in Rhinows Werk reichlich Lesestoff und Anregung. Der Autor zitiert in diesem Zusammenhang auch gerne aus seinen im Laufe der Jahre publizierten Essays und Reden. Interessant und verdienstvoll ist in diesem Kontext, dass er immer wieder auch den Bogen spannt zu aktuellen Beispielen und Entwicklungen.
Persönlich sind es für mich fünf Hauptgründe, weshalb man sich unbedingt in das Lebenswerk des ebenso umtriebigen wie bedeutenden Baselbieters vertiefen sollte:
Erstens, um zu erfassen, was René Rhinow in seinem Leben alles getan und bewirkt hat. Fest steht: Es ist zweifellos weit mehr, als der Wikipedia-Beitrag hergibt. So sei erwähnt, dass er – nur ein Beispiel – auch bei der Alzheimervereinigung beider Basel tätig war.
Zweitens, weil wir dank dieses Buchs den privaten René Rhinow, dessen Familie, Umfeld und Freundeskreis kennenlernen.
Drittens, das Déjà-vu: Beim Lesen werden regelmässig Ereignisse, Köpfe und Geschichten lebendig, denen man in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten selber zumindest als Zaungast begegnet ist.
Viertens sind es gerade die vermeintlichen Details, Reminiszenzen und Aperçus, die faszinieren und unterhalten. Und solche Überraschungen streut René Rhinow gerne auch in vermeintlich trockene Kapitel ein. Wer hätte gedacht, dass der junge René einst Tambour werden wollte, dieses Unterfangen aber ebenso abbrach wie seinen Versuch, Pfadfinder zu werden? Hätten Sie gewusst, dass der junge René Rhinow einst Pablo Picasso begegnete, das Schulbuch mit dem Autogramm von ihm aber verlor? Hätten Sie geahnt, dass der junge Mann sein Töffli frisierte, «Beatles» und Rock ’n’ Roll hörte und in der Schule alles andere war als ein Klassenprimus? Eben.
Zum Fünften ist es schlicht erstaunlich, wie vielen spannenden, wichtigen und berühmten Menschen, darunter auch «Glanz & Gloria»-Prominenten, er im Lauf seines Lebens begegnete. Etwas «Name-Dropping» gefällig? Karl Jaspers (Philosoph), Karl Barth (Theologe), Alfred Rasser (Kabarettist), Dölf Ogi (Bundesrat), Elisabeth Kopp (Bundesrätin), Shania Twain (Sängerin), Naomi Campbell (Model), Anni-Frid Lyngstad (Sängerin von «Abba») und, und, und …
René Rhinow: «Alles mit Mass – Gedanken und Geschichten aus dem Leben eines Grenzgängers»; Friedrich-Reinhardt-Verlag, Basel; 2019.