Die Ausschreibung ist vom Tisch
28.06.2019 Bezirk Liestal, Verkehr, PolitikBund testet Busanbieter – AAGL ist der beste in der Region
Das Geschäftsjahr 2018 der Autobus AG Liestal ist geprägt von den Themen Kosteneffizienz, Qualität und Zielvereinbarungsverhandlungen mit dem Kanton. Die Jahresrechnung schliesst mit einem kleinen Verlust. In naher Zukunft ...
Bund testet Busanbieter – AAGL ist der beste in der Region
Das Geschäftsjahr 2018 der Autobus AG Liestal ist geprägt von den Themen Kosteneffizienz, Qualität und Zielvereinbarungsverhandlungen mit dem Kanton. Die Jahresrechnung schliesst mit einem kleinen Verlust. In naher Zukunft stehen diverse Neuerungen ins Haus.
Beat Ermel
Am Mittwoch hat die Autobus AG Liestal (AAGL) in den Hallen des Busdepots am Hauptsitz ihre 114. Generalversammlung (GV) abgehalten. Damit der Hitzetag für die Aktionäre und die Gäste erträglich blieb, wurde das Hallendach mit Wasser berieselt, ein zügiger Ablauf der Versammlung versprochen und der Samariterverein stand für Notfälle bereit.
Verwaltungsratspräsident Christian Haidlauf bezeichnete das Geschäftsjahr 2018 als ein ruhigeres als auch schon. Es war geprägt von den Themen Kosteneffizienz, Qualität und Zielvereinbarungsverhandlungen mit dem Kanton. In Kombination mit dem leichten Rückgang bei den Fahrgastzahlen resultierte im Bereich öffentlicher Verkehr ein kleiner Verlust. Trotz eines höheren Gesamtertrags von 21,11 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr (+ 3,3 Prozent) resultierte zusammen mit dem Tank-, Autowaschund Vermietungsgeschäft konsolidiert ein Verlust von 1491 Franken.
Kanton setzt ambitionierte Ziele
«Obwohl die AAGL seit Jahren bestrebt ist, kostengünstiger und effizienter zu produzieren, verlangt der Kanton von uns weitere Kostensenkungen», betonte Haidlauf. Ende 2017 hatte der Regierungsrat des Kantons beschlossen, die Linien der AAGL doch nicht auszuschreiben, sondern bis 2023 mit Zielvereinbarungen eine jährliche Kostenersparnis von 2 Millionen Franken auf den Linien der BLT im Oberbaselbiet einerseits und denjenigen der AAGL andererseits anzustreben.
Ende 2018 haben die diesbezüglichen Verhandlungen begonnen, in deren Verlauf die Sparmassnahmen etwas gelockert wurden. Die AAGL und der Kanton Baselland konnten nach etlichem Hin und Her im April die Unterzeichnung der Zielvereinbarung vermelden. Diese setze der AAGL ambitionierte, aber letztlich faire Rahmenbedingungen für die Jahre 2020 bis 2023 und machte die Ausschreibungsplanung für die Linienkonzessionen hinfällig.
Haidlauf sieht jedenfalls Licht am Ende des Tunnels und sagte scherzhaft: «Hoffentlich nicht das Licht eines entgegenkommenden BLT-Busses.» Er ist überzeugt, dass die Ziele erfüllt werden können. «Demnach sollte der zehnjährigen Konzession für die Jahre 2024 bis 2033 nichts mehr im Weg stehen. Wir müssen allerdings unsere eigenen Hausaufgaben machen.» Das Ausschreibungsgespenst sollte damit vom Tisch sein.
Die vom Bundesamt für Verkehr schweizweit durchgeführte Testkundenmessung erfüllt den Geschäftsführer Roman Stingelin mit Stolz. Die AAGL schloss im Jahr 2018 erneut als bester unter allen im TNW tätigen Busanbietern ab und belegte mit 97,18 Punkten national den 15. Platz. Jährlich werden anhand von 80 verschiedenen Kriterien schweizweit 68 Busunternehmen kontrolliert. Ab dem Jahr 2020 werde dann auch noch die Pünktlichkeit gemessen. Auf den zehn Linien sowie den fünf Nachtbusstrecken der AAGL waren im vergangenen Jahr 7,9 Millionen Fahrgäste auf einem Streckennetz von 197 Kilometern unterwegs. Das sind rund 64 000 oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Linie 81 (Liestal–Basel) war mit 1,28 Millionen Fahrgästen die meistfrequentierte aller AAGL-Linien und überholte die lange an der Spitze liegende Linie 70 (Liestal–Reigoldswil).
Billettautomaten werden abgebaut
Wie im Weiteren zu erfahren war, führt der Trend zum digitalen Billettverkauf dazu, dass die Billettautomaten immer weniger benutzt werden. Sie sind veraltet und müssten nachgerüstet werden. Die AAGL hat nun entschieden, nur noch die zehn verkaufsstärksten Automaten nachzurüsten und die übrigen abzubauen. Als Ersatz wird die Smartphone-App «Fairtiq» angeboten. Mit ihr kann an der Starthaltestelle ein- und am Ziel ausgecheckt werden.
Beim zu ersetzenden Betriebsleitsystem setzt die AAGL neu auf eine Partnerschaft mit der BUS Ostschweiz AG. Die Entwicklung neuer Antriebs- und Fahrkonzepte bei den Linienbussen werde von der Geschäftsleitung aufmerksam beobachtet. Auch macht sie sich Gedanken zu längerfristigen Veränderungen im öffentlichen Verkehr. Die GV hat den Jahresbericht, die Jahresrechnungen, den Revisionsbericht sowie die Ausschüttung einer unverändert 6-prozentigen Dividende einstimmig beschlossen. Ebenso die Entlastung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung. Auch die Wiederwahl der bisherigen Revisionsstelle war unbestritten.