«Ich möchte unbedingt an die EM»
28.06.2019 Bezirk Sissach, Zunzgen, SportWasserball | Natalie Trynes spielt mit dem Nationalteam um internationalen Erfolg
Beim Vollkontaktsport Wasserball begibt sich Natalie Trynes in wilde Gewässer. Sie möchte es auch in Zukunft nicht ruhiger angehen. Ihr Ziel ist klar: Sie will sich an der ...
Wasserball | Natalie Trynes spielt mit dem Nationalteam um internationalen Erfolg
Beim Vollkontaktsport Wasserball begibt sich Natalie Trynes in wilde Gewässer. Sie möchte es auch in Zukunft nicht ruhiger angehen. Ihr Ziel ist klar: Sie will sich an der Europameisterschaft in Budapest ihren Lebenstraum erfüllen.
Joshua Moser
«Nein, ich denke nicht», antwortet Natalie Trynes auf die Frage, ob sie sich als Wasserball-Profi bezeichnen würde. Ihre Begründung: «Ich trainiere nicht mehrmals am Tag und erhalte für meine Leistungen kein Gehalt.» Trotzdem ist der Energie- und Zeitaufwand für die in Zunzgen wohnhafte Wasserballerin für ihren Verein, den Wassersportverein Basel (WSV), und für die Nationalauswahl immens. Seit dreizehn Jahren geht Trynes schon voller Begeisterung ihrem Lieblingssport nach.
Doch wie kommt man eigentlich zu dieser eher unscheinbaren Sportart? «Seit ich acht war, schwamm ich regelmässig», erzählt die 29-Jährige. «Knapp zehn Jahre später wechselte ich dann zum Wasserball.» Sie sei an einem Punkt angelangt, an dem sie, um sich weiter zu verbessern, komplett auf Leistungsschwimmen hätte setzen müssen. «Ich hätte zu diesem Zeitpunkt noch viel mehr darin investieren müssen, doch ich fand es zu monoton.» Irgendwann musste sie abschätzen, ob sie weiterhin einen so grossen Aufwand betreiben möchte.
Ausschlaggebend für den Wechsel zum Wasserball sei ihre damalige Schwimmtrainerin gewesen. So hat Trynes, von Beruf Sozialpädagogin bei der Durchgangsstation Foyer Basel, Kontakt mit Michel Grasso aufgenommen. Grasso ist bis heute ihr Trainer geblieben. Ihre Fitness und ihre ausgeprägten schwimmerischen Fähigkeiten, die sie sich beim Leistungsschwimmen erarbeitet hatte, kamen ihr beim Wasserball zugute. Trotzdem brauchte die Umstellung vom Einzel- zum Teamsport Zeit. «Es dauerte zwei, drei Jahre, bis ich diesen Sport erlernt hatte. Alleine schon den Überblick über das gesamte Spielfeld zu haben und sich dabei schnell zu bewegen, braucht Geduld und Übung.»
Lebenstraum in Reichweite
Vom WSV Basel, mit dem sie Anfang Juni Cup-Siegerin wurde und heute Abend (20.45 Uhr, Sportbad St. Jakob) im Endspiel um die Meisterschaft gegen den SC Horgen spielt, hat sich Trynes ihren Weg bis in die Nationalauswahl gebahnt. Aufmerksam wurden die Verantwortlichen vom Verband auf die in Tenniken aufgewachsene Baselbieterin 2008 durch Grasso. Mit dem Nationalteam hat Trynes Grosses vor. Nachdem sie das vorvergangene Jahr nur in der Schweiz gespielt hatte, kehrte sie im Sommer 2018 ins Nationalteam zurück. Mit einem klaren Ziel vor Augen: «Wir haben ein starkes Team, so stark wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. Wir möchten an der Europameisterschaft teilnehmen.»
Als Drittplatzierte der ersten Qualifikationsrunde spielt die Damen-Auswahl der Schweiz nun gegen Israel, das die letzte EM auf dem zehnten Platz abgeschlossen hat. Die beiden Partien finden im Oktober statt. Trynes freut sich auf die Herausforderung. «Wenn wir diese beiden Spiele gewinnen, können wir nächstes Jahr an die Europameisterschaft in Budapest fahren. Das ist mein Lebenstraum.» Sie ist in der Nati in einer Equipe, die an internationalen Turnieren in den vergangenen beiden Jahren viel Erfahrung sammeln konnte und beim EU-Nations-Turnier 2018 den zweiten Platz erreicht hat.
Um in der Schweizer Auswahl zu spielen, muss die Oberbaselbieterin Opfer bringen. Neben drei Trainings pro Woche mit ihren Teamkolleginnen des WSV Basel absolviert sie individuelle Trainingseinheiten im Gelterkinder Hallenbad oder im Fitnessstudio. Auch was die Intensität ihres Sports betrifft, macht Trynes keine Abzüge. «Es ist ein Vollkontaktsport, ein Kampf.» Schlimme Verletzungen habe sie aber noch nicht miterleben müssen. Gebrochene Finger oder Nasen könne es aber schon mal geben.
Nati-Spielerinnen auf Geldsuche
Trynes wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Lieblingssportart. Es sei schwer, eine weniger populäre Sportart bei Wassersportvereinen einzubringen. Denn die infrage kommenden Vereine kämpfen laut Trynes so schon um genügend Zeit und Platz für die Trainings ihrer Mitglieder. Zusätzliche Einheiten für eine Wasserballsektion einzuplanen, ist nicht gerade opportun.
So ist es nötig, dass sich die Wasserballerinnen selbst engagieren und wie momentan beispielsweise Geld sammeln. Wo auch immer möglich werden Personen rekrutiert, die den eigenständigen Gönnerverein «Swiss Waterpolo Friends» unterstützen. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt, den nationalen Wasserballsport finanziell zu fördern. Trynes kann zudem auf die Unterstützung ihrer Freunde und der Familie zählen. Und diese wird sie auch nötig haben, sollte es nächstes Jahr nach Budapest gehen.