S9 auf Olten abgestimmt
31.05.2018 Baselbiet, Verkehr
Im kommenden Jahr sollen die Busse Richtung Kienberg nach 20 Uhr nur noch auf Verlangen die Schlaufe über Hemmiken fahren. Wer abends in Hemmiken zusteigen will, braucht also Glück. Weitere Änderungen sieht der Fahrplan 2019 unter anderem beim «Läufelfingerli» ...
Im kommenden Jahr sollen die Busse Richtung Kienberg nach 20 Uhr nur noch auf Verlangen die Schlaufe über Hemmiken fahren. Wer abends in Hemmiken zusteigen will, braucht also Glück. Weitere Änderungen sieht der Fahrplan 2019 unter anderem beim «Läufelfingerli» vor.
Jan Amsler
Nur jeden fünften Tag kommt es statistisch gesehen vor, dass ein Fahrgast in Hemmiken nach 20 Uhr in den Bus steigt, um nach Rothenfluh, Anwil oder Kienberg zu gelangen. Anders gerechnet: 19 von 20 Mal fährt der 102er im Spätbetrieb durch Hemmiken, ohne dass ein Passagier an einer Haltestelle steht.
Aktuell fährt der Bus nach 20 Uhr pro Abend vier Mal von Gelterkinden nach Kienberg und macht dabei einen Umweg über Hemmiken. Wird der Fahrplan ab Dezember aber wie vorgesehen angepasst, dreht der Bus nur noch auf Verlangen statt regulär die Schlaufe um den Wischberg. Das heisst: Im Schnitt bleibt an jedem fünften Abend eine Person in Hemmiken auf der Strecke. Diese Berechnung stellt der Kanton unter www. baselland.ch/fahrplan auf, wo er die Änderungen des Fahrplanentwurfs 2019 aufgelistet hat. Die Vernehmlassung läuft noch bis am 17. Juni.
Dem abendlichen ÖV-Nutzer in Hemmiken bleibt aber immer noch die Hoffnung. Denn auch in Zukunft wird es diejenigen Fahrgäste geben, die nach 20 Uhr verlangen, dass der Bus den Umweg fährt. Vergangenes Jahr befanden sich auf 40 Prozent der Abendfahrten solche, die in Hemmiken ausstiegen. Wer künftig abends an einer Hemmiker Haltestelle steht und auf den Bus hofft, hat also eine Chance von 40 Prozent, dass tatsächlich einer kommt.
Gemeindepräsident Alfred Sutter weiss, dass der Abendbus in seinem Dorf schlecht genutzt wird, und hat darum Verständnis für die Änderung im Fahrplan. «Grundsätzlich hätten wir es gerne anders», sagt er, «aber wichtig ist für uns vor allem, dass tagsüber ein gutes Angebot besteht.» Mit Widerstand gegen den Fahrplanentwurf ist in Hemmiken nicht zu rechnen.
«Läufelfingerli»-Takt gedreht
Vor einschneidenderen Massnahmen ist das «Läufelfingerli» betroffen. Wie die «Volksstimme» bereits Anfang Mai publik gemacht hat, verschieben sich die Abfahrtszeiten der S9 im kommenden Jahr um eine halbe Stunde – dies allerdings nur vom 1. April bis am 25. Oktober und nur unter der Woche. Grund ist der Umbau des Bahnhofs Oensingen.
In Richtung Gelterkinden und Basel müssen Reisende aus dem Homburgertal mit längeren Fahrzeiten rechnen. Dies, weil in Sissach der Schnellzug in die Stadt verpasst wird und in Richtung Gelterkinden mit dem Bus der Linie 105 vorlieb genommen werden muss. Dafür aber bestehen in Olten Anschlüsse auf alle Fernverkehrszüge.
Ein wesentlicher Nachteil ergibt sich für diejenigen, die nach Sommerau oder von dort aus weiterreisen wollen. Bis auf die sogenannten Schülerzüge morgens und mittags sowie die Abendkurse ab 19.30 Uhr bedient der Zug die Sommerau nämlich nicht, wie bei Verkehrsplaner Dominic Wyler zu erfahren war: «Der Halt entfällt, damit die Reisezeit um 1 Minute verkürzt werden kann und so in Sissach genügend Zeit für den Führerstandswechsel zur Verfügung steht.» Statt des Zugs halten dafür die Busse der Linie 108 an der ausserordentlichen Haltestelle auf der Kantonsstrasse bei der Abzweigung Rünenberg.
50 Personen steigen pro Tag an der «Läufelfingerli»-Haltestelle Sommerau ein oder aus. Darunter befinden sich Mitarbeitende, Schüler und Angehörige der Schüler des dortigen Schulheims. «Den ganzen Tag hindurch nutzen Personen den Zug, um zum Internat zu gelangen», sagt Daniel Sturm, Geschäftsführer des Vereins Sommerau. «Wir sind auf den öV im Tal angewiesen», stellt er klar. Doch ob mit Bus oder Bahn, sei sekundär. Mit dem Fahrplan 2019 lasse es sich leben.
Schneller in «Ammel»
Unglücklich ist die Änderung im ÖV-Angebot für durchschnittlich drei Fahrgäste am Tag, die abends in Hersberg nicht mehr ein- und aussteigen können. Der Bus der Linie 83 fährt am Abend in Kaiseraugst neu um 17.35, 18.35 und 19.35 Uhr ab und lässt Hersberg bei diesen drei Fahrten aus.
Profiteure des vorgesehenen neuen Fahrplans sind auf der anderen Seite jene, die abends auf direktem Weg nach Rothenfluh, Anwil oder Kienberg möchten. In sechs von zehn Fällen – nämlich dann, wenn niemand den Umweg über Hemmiken verlangt – wird ihr Heimweg kürzer.
Freuen dürfen sich aber auch die Passagiere der Buslinien 100 (Gelterkinden–Rheinfelden), 103 (Gelterkinden–Oltingen) und 104 (Gelterkinden–Zeglingen), die nach 20 Uhr mit dem Schnellzug in Gelterkinden ankommen. Neu sollen diese Busse 7 Minuten später abfahren, so dass es vom Zug noch auf den Bus reicht – bis dahin werden die Nutzer des abendlichen Schnellzugs noch fast eine Stunde lang auf den nächsten Anschluss auf diesen Buslinien warten müssen (die «Volksstimme» berichtete).
Ausserdem verkehrt am Samstagmittag neu ein zusätzliches Kurspaar zwischen Sissach und Wintersingen. Nicht enthalten ist im Fahrplanentwurf eine allfällige Taktverdichtung der Buslinie 70 zwischen Liestal und Reigoldswil. Darüber wird der Landrat voraussichtlich nach den Sommerferien entscheiden.