Wie ein Arzt Langenbruck zum Kurort machte
19.02.2026 Porträt, BaselbietDr. Martin Bider – Arzt, Politiker und Erschliesser der Passhöhe
entwickelte sich ab 1850 innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der führenden Kur- und Erholungsorte der Nordwestschweiz. Hinter diesem Wandel stand massgeblich ein Mann: Dr. med. Martin Bider.
...Dr. Martin Bider – Arzt, Politiker und Erschliesser der Passhöhe
entwickelte sich ab 1850 innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der führenden Kur- und Erholungsorte der Nordwestschweiz. Hinter diesem Wandel stand massgeblich ein Mann: Dr. med. Martin Bider.
Hanspeter Gautschin
Wie schaffte es dieser Arzt, aus einem Passdorf einen Ort zu machen, der weit herum als Luftkurort galt? Martin Bider (1812–1878) erkannte früh, was Langenbruck auszeichnete: Höhenlage, klare Luft, Wald, Ruhe. Er sah darin nicht nur eine schöne Landschaft, sondern einen gesundheitlichen Vorteil – und er verstand, dass man daraus etwas machen kann, wenn man es organisiert.
Ein Meilenstein war der Bau des Kurhauses. Ab 1874 entstand auf der Passhöhe ein Haus, das zum Mittelpunkt des Kurlebens wurde. Damit bekam Langenbruck ein Gesicht: Hier empfing man Gäste, hier logierte man, hier traf man sich. Der Ort wurde als Luftkurort ernst genommen, weil er plötzlich auch die passende Infrastruktur hatte.
Bider wusste: Ein Kurort lebt nicht nur von Klima und Aussicht. Wer Gäste will, muss erreichbar sein. Darum engagierte er sich für bessere Verbindungen. Als 1880 die Waldenburgerbahn eröffnet wurde, war das für die Region ein Fortschritt – auch für den Verkehr im weiteren Umfeld. Die Anreise wurde einfacher, die Wege nach Basel und zurück wurden berechenbarer.
Als Zeichen der Anerkennung trug die erste Lokomotive den Namen «Dr. Bider». Das war mehr als eine Höflichkeit: Es zeigte, dass man seinen Einsatz als Teil dieses Aufbruchs verstand.
Bider dachte nicht nur an grosse Bauten und Verkehrsfragen. Er wusste auch, wie Gäste einen Ort erleben: zu Fuss, Schritt für Schritt. Er liess Waldwege anlegen, Orientierungstafeln aufstellen und Ruhebänke errichten. Was heute selbstverständlich wirkt, war damals ein klares Zeichen: Langenbruck sollte nicht nur ein Ort zum Gesundwerden sein, sondern ein Ort zum Dasein, Gehen, Atmen.
Martin Biders Einfluss blieb nicht in der Arztpraxis. Er sass im Landrat und im Nationalrat und setzte sich für konkrete Verbesserungen ein: Strassen, Verbindungen, öffentliche Vorhaben. Gleichzeitig war ihm das Gemeinwesen wichtig – auch die Schule gehörte für ihn dazu.
Bereits 1846 hatte er die «Gemeinnützige Gesellschaft von Langenbruck» mitbegründet. Diese kümmerte sich um Anliegen, die ein Dorf voranbringen: Schule, Kurwesen, kulturelle Entwicklung. Bider wirkte damit nicht nur als Arzt, sondern als Antreiber einer ganzen Dorferneuerung.
Ein Sanatorium
Besonders bekannt wurde Langenbruck später auch im Zusammenhang mit der Tuberkulosebehandlung. 1896 wurde das Sanatorium Langenbruck eröffnet. Bider erlebte das nicht mehr. Doch dass ein solcher Schritt überhaupt möglich und naheliegend wurde, hat mit jener Entwicklung zu tun, die er in Gang setzte: Langenbruck als Ort der Luft, der Ruhe und der Erholung.
Der Aufstieg lässt sich auch in Zahlen fassen: 1910 zählte man über 1000 Kurgäste pro Saison. Für ein Dorf dieser Lage war das aussergewöhnlich. Langenbruck war damals weit über die Region hinaus ein Begriff.
Wer heute über die Passhöhe des Oberen Hauensteins fährt, begegnet dem Denkmal, das Dr. Martin Bider zu Ehren errichtet wurde. Es erinnert an einen Mann, der seine Heimat nicht verwaltet, sondern verändert hat.
Der Glanz der Kurzeit ist verblasst. Der grosse Strom der Kurgäste ist längst versiegt. Langenbruck lebt heute anders, ruhiger, weniger als Kurort im alten Sinn. Das hat mit veränderten Reisegewohnheiten zu tun, mit dem Wandel im Gesundheitswesen und auch damit, dass Orte ihre Zeit haben.
Und trotzdem bleibt Biders Wirken eindrücklich. Es zeigt, was möglich ist, wenn jemand die Stärken eines Ortes erkennt und sie mit Ausdauer aufbaut.
Langenbruck hat noch immer klare Luft, Wald und Weite. Der Rest wäre wieder eine Frage der Idee – und des Willens, daraus etwas zu machen.
Künstler, Dichter, Macher und Visionäre
vs. In unserer Serie stellt Hanspeter Gautschin Menschen aus dem Oberbaselbiet vor, die einst prägend wirkten, heute aber fast vergessen sind. Es sind Künstlerinnen, Dichter, engagierte Macherinnen, stille Visionäre – ebenso wie Unternehmer, Tüftler und Gestalter der Industriewelt, die mit Innovationsgeist und Tatkraft die Entwicklung unserer Region vorantrieben. Persönlichkeiten, die das kulturelle, soziale, geistige oder wirtschaftliche Leben des Oberbaselbiets nachhaltig geprägt haben. Mit erzählerischem Gespür und einem feinen Blick für das Wesentliche lässt Gautschin diese Lebensgeschichten wieder aufleuchten – als Erinnerung, Inspiration und als Beitrag zur regionalen Identität.
Hanspeter Gautschin (1956) lebt in Oberdorf und blickt auf eine facettenreiche Laufbahn im Kulturbereich zurück. Als ehemaliger Impresario, Kulturförderer und Museumsleiter erzählt er mit Vorliebe Geschichten über Menschen, Kultur und das Leben im Alltag.

