Wellness und Wandern im Baselbiet Liestal
17.03.2026 Bezirk Liestal, Region, Kultur, BaselbietAusstellung zum regionalen Tourismus im «Distl»
Das Dichter:innen und Stadtmuseum Liestal (Distl) erinnert mit der von Dominik Wunderlin kuratierten Sonderausstellung «Badekuren im Entdeckerland» an ein vergessenes Kapitel Tourismus-Geschichte. Wo man heute wandert ...
Ausstellung zum regionalen Tourismus im «Distl»
Das Dichter:innen und Stadtmuseum Liestal (Distl) erinnert mit der von Dominik Wunderlin kuratierten Sonderausstellung «Badekuren im Entdeckerland» an ein vergessenes Kapitel Tourismus-Geschichte. Wo man heute wandert oder biked waren einst Badekuren angesagt.
Martin Stohler
Die neue Ausstellung im Dichter:- innen und Stadtmuseum Liestal (Distl) widmet sich einem vergangenen Kapitel Tourismus-Geschichte im Kanton: dem Baden und Kuren im Baselbiet. Die Ausstellung ist in drei Hauptteile gegliedert. Beim Rundgang durch den Museumssaal, vorbei an Objekten, Plakaten und Dokumenten, werfen wir zunächst einen Blick auf die Anfänge des Jura-Tourismus. Darauf tauchen wir ein in die Epoche der Badekuren. Zum Schluss nähern wir uns der Gegenwart und den neueren Formen des Tourismus in unserer Region.
Mit seinen Höhenzügen und Tälern, seinen Felsen und Wäldern gibt der Jura eine eindrückliche Kulisse für Wanderungen ab. Der besondere Reiz dieser Landschaft zog bereits im 18. Jahrhundert Reisende an, die Natur erleben und durchwandern wollten. Dabei wurde ihnen auch ein Besuch der weit über die Region hinaus bekannten Ermitage in Arlesheim empfohlen. Neben einer grossen Parkanlage gehörten eine Eremitenklause und die Grotte der Unterweltgöttin Proserpina zu deren Sehenswürdigkeiten.
An diversen Quellen, bei denen vermeintlich oder tatsächlich heilkräftiges Wasser aus dem Boden trat, entstanden auch im Gebiet zwischen Jura und Rhein Einrichtungen, die Bäder in Bottichen und Wannen anboten. Hinzu kamen neben Trinkkuren auch Milch- und Molkekuren. Ergänzt wurde das medizinische Angebot durch Schröpfen und Aderlass.
Solebäder
Nachdem im Jahr 1836 im Grenzgebiet zwischen Muttenz und Pratteln Salz entdeckt worden war und die Saline Schweizerhalle 1837 den Betrieb aufgenommen hatte, wurde heilkräftige Sole in Kesselwagen zu den nun überall entstehenden Kurbädern gebracht.
Die Kurgäste stammten nicht nur aus der näheren Umgebung. Dank der Erschliessung durch die Eisenbahn in den 1850er-Jahren und der Anbindung an das entstehende internationale Bahnnetz reisten auch ausländische Gäste ins Baselbiet. Sie fanden Unterkunft und Erholung in Kurbädern wie Bad Schauenburg, Bad Bubendorf, Solbad und Kurhaus Bienenberg, im Liestaler Hotel Falken, in Bad Eptingen oder in weiteren Bäder-Hotels.
Der Kurbetrieb, gerade in den etwas mondäneren Bädern, war bemüht, neben der Erholung auch dem gesellschaftlichen Leben Raum zu geben. Zeitweise erschien sogar eine «Kurzeitung und Fremdenliste für den Jura», die den Raum Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Fricktal abdeckte. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 ging die Blütezeit der Bäderkultur abrupt zu Ende. Nach dem Krieg kehrte sie nicht wieder zurück. Im Baselbiet konnte sich einzig das Quellheilbad Ramsach am Wisenberg dauerhaft behaupten. Im benachbarten Fricktal bestehen die Kureinrichtungen von Rheinfelden bis heute fort. Direkte wöchentliche Schnellzugverbindungen von Paris nach Rheinfelden-les-Bains sind jedoch seit 1914 Geschichte.
Neue Wege
Das Ende des Bäder-Tourismus bedeutete nicht das Ende des Baselbieter Fremdenverkehrs. Kurator Dominik Wunderlin zeigt im dritten Teil der Ausstellung, wie Wandern und Wintersport in den Vordergrund rücken und entsprechend beworben werden.
Wandern wurde zunächst den Kurgästen empfohlen. So gab es im Luftkurort Langenbruck schon um 1850 ausgeschilderte Wege zu Aussichtspunkten. 1898 wurde der Schweizerische Juraverein gegründet, der ein Wanderwegnetz zwischen Zürich, Basel und dem Genfersee aufbaute. Zum eigentlichen Volkssport wurde Wandern allerdings erst nach dem 1. Weltkrieg. Ausdruck davon ist auch die 1934 erfolgte Gründung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege. Der neuen Ausgangslage – dem Ausbleiben der Badekurgäste und dem Erscheinen von Wanderfreunden und Wintersportlern – trug nun auch die Tourismus-Werbung Rechnung, wie diverse kleine und grosse Plakate zeigen. Angesichts der Klimaerwärmung sind Wintersportferien im Baselbiet inzwischen allerdings kein Thema mehr.
Als Blickfang dient der Ausstellung eine alte Badewanne. Unmittelbar angesprochen fühlt man sich auch durch die farbigen Plakate, die für den Tourismus werben. Hinzu kommen zahlreiche Dokumente und Objekte. Wer sich etwas Zeit nimmt, kann die eine oder andere kleine Geschichte entdecken – oder sie sich am Sonntag, 22. März, bei der Kuratorenführung von Dominik Wunderlin erzählen lassen. Beginn der Führung ist um 11 Uhr.





