Weibliche Solidarität
24.02.2026 Gesellschaft, SissachGespräch im «Cheesmeyer» mit Franziska Schutzbach
vs. «Heimat für alle», so heisst die «Cheesmeyer»-Gesprächsreihe dieses Jahr. Übermorgen Donnerstag, geht es um weibliche Solidarität. Gast im Gespräch mit Ueli ...
Gespräch im «Cheesmeyer» mit Franziska Schutzbach
vs. «Heimat für alle», so heisst die «Cheesmeyer»-Gesprächsreihe dieses Jahr. Übermorgen Donnerstag, geht es um weibliche Solidarität. Gast im Gespräch mit Ueli Mäder ist die Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach.
Schutzbach hat einen Bestseller über «Die Erschöpfung der Frauen» (2021) verfasst und sich «wider die weibliche Verfügbarkeit» ausgesprochen. «Revolution der Verbundenheit» (2024) heisst ihr neues Buch. Es handelt davon, «wie weibliche Solidarität die Gesellschaft ändert».
«Es tun sich Gräben auf», stellt Schutzbach fest. Sie habe ihre Texte in einer Zeit geschrieben, die von zunehmender Spaltung und von Rissen geprägt sei. «Wir erleben, dass Menschen sich radikalisieren und auseinanderdriften.» Für viele fühle es sich so an, als würden sie «in einer unversöhnbaren Welt leben – ohne Verbundenheit oder Zusammenhalt.» Und so schreibt die Soziologin «gegen Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit» an.
Schutzbach wünscht sich, «dass alle Menschen ein sicheres Leben führen können.» Aber das heisse «nicht unbedingt ein gemütliches.» Die «Gesellschaft der Vielen» sei anstrengend. Sie bringe Konflikte mit sich und bedürfe ständiger Aushandlungen. «Heimat für alle» bedeute, sich auf Vielfalt einzulassen, ohne alle Menschen vereinheitlichen zu wollen.
Verbundenheit ist, so Schutzbach, «keine wohlige Einigkeit.» Sie komme zustande, «wenn wir auch die Unterschiede und die Fremdheit zwischen den Menschen verstehen.» Das «einander Fremdsein» lasse sich in keinem naiven Beziehungsideal auflösen. Wir müssten darüber trauern, «dass Verbundenheit und Solidarität oft scheitern.» Die Arbeit an der Verbundenheit funktioniere nicht, «ohne Trauerarbeit zu leisten über die Verletzungen, die Menschen einander auch antun.»
Laut Schutzbach zeigt die Geschichte, wie Frauen vor allem dann emanzipatorische Veränderungen bewirken, wenn sie sich verbünden – «auch über grosse Differenzen hinweg.» So sei es möglich, gemeinsam die Gesellschaft zu gestalten, ohne «gleich sein» zu müssen.
Frauen würden in unserer Gesellschaft allerdings oft «zu Konkurrentinnen gemacht.» Im Sinne von: «Wer ist die Schönste im ganzen Land, wer die beste Mutter?» Und ja, welche Frau bekomme einen der wenigen Führungsposten in einer Berufswelt, die nach wie vor von Männern dominiert sei? Die patriarchal strukturierte Gesellschaft spalte und schwäche Frauen. Umso ermutigender sei es, wie sich Frauen trotz schwieriger Bedingungen verbündeten.
Schutzbach spürt gelingende Frauenbeziehungen auf, die «es immer gab und gibt.» So etwa «zwischen Freundinnen, zwischen politisch aktiven Frauen oder zwischen Müttern und Töchtern.» Frauen übten zwar auch schreckliche Macht und Gewalt untereinander aus. Sie ermöglichten einander jedoch ebenso viel Freiheit und Emanzipation. Und so erinnert Schutzbach an einen Slogan aus den 1970er-Jahren, der sie immer noch inspiriere: «Frauen bekommen Freiheit von anderen Frauen, oder sie bekommen sie gar nicht.» Frauen hätten jedenfalls Freiheiten erkämpft, «indem sie sich aufeinander bezogen und ihre dauernde Fokussierung auf Männer lockerten.»
Freiheit verwirkliche sich in der Bezogenheit, resümierte Schutzbach auch im Januar 2025 in der «Sternstunde Philosophie» im Schweizer Fernsehen (SRF 1). Und dabei gelte es, «einander zum Strahlen zu bringen.» Wie Frauen solidarische Bande pflegen, illustriert die Autorin unter anderem anhand eindrücklicher Briefwechsel. Mit gelebter Verbundenheit könnten sich Frauen «gegenseitig Subjektstatus gewähren», einseitigen Leistungsanforderungen entziehen, ökonomisch unabhängiger machen, sich tanzend vergnügen und ernsthaft mit der Vergänglichkeit auseinandersetzen. Das entlaste Frauen von der Erschöpfung und dem Gefühl, das auch Männer kennen, «es allen recht machen zu müssen.»
Gespräch mit Franziska Schutzbach aus der Reihe «Heimat für alle», moderiert von Ueli Mäder,
Musik von Lukas Rickli,
Donnerstag, 26. Februar, 19.30 bis 21.00 Uhr,
«Cheesmeyer», Sissach.

