Vor allem pragmatisch
13.02.2026 BaselbietIsaac Reber wartet ab, analysiert und sucht Wege
In den sozialen Medien nahm er kein Blatt vor den Mund, aber in der Politik pflegte der Grüne Sissacher Isaac Reber einen leisen, bedachten Stil und schaffte damit mehrmals pragmatische Lösungen. Doch eckte er damit auch an ...
Isaac Reber wartet ab, analysiert und sucht Wege
In den sozialen Medien nahm er kein Blatt vor den Mund, aber in der Politik pflegte der Grüne Sissacher Isaac Reber einen leisen, bedachten Stil und schaffte damit mehrmals pragmatische Lösungen. Doch eckte er damit auch an – selbst in den eigenen Reihen.
sep. Er war nicht nur der erste Grüne Regierungsrat im Baselbiet überhaupt: Er holte sich den Posten 2011 noch dazu in einer regulären Erneuerungswahl auf Kosten des bisherigen SVP-Regierungsrats Jörg Krähenbühl – die erste Abwahl eines Amtierenden seit 1950. Jetzt, 15 Jahre und drei Wiederwahlen später, hat Isaac Reber gestern Donnerstag im Landrat seinen Rücktritt per 30. September bekanntgegeben.
Die Bilanz des 64-Jährigen ist so ambivalent wie sein politischer Stil. Als Sicherheitsdirektor modernisierte er ab 2011 den Polizeibetrieb und glättete die Wogen beim kantonalen Erwachsenenschutzrecht – in «typischer Isaac-Reber-Manier», wie die Medien schon 2013 bemerkten: abwarten, beobachten, Kompromiss suchen. Seine unverhohlenen Sympathien für einen Gegenvorschlag zur Kantons-Fusionsinitiative machten den Mittelweg zu seinem Markenzeichen. In der Regierung bildete er mit der freisinnigen Kollegin Sabine Pegoraro ein überraschendes «Traumpaar», das die Exekutive nach dem Tod von Peter Zwick und dem Rücktritt Adrian Ballmers zusammenhielt und Aufbruchstimmung erzeugte.
Farbe bekennen
Dem Realo-Flügel der Grünen zugerechnet, wäre die GLP seine Partei gewesen – hätte sie bei seinem Einstieg in die Politik schon existiert. Doch die pragmatisch-sachorientierte Art hatte ihren Preis. Schon 2013 enttäuschte Reber die eigenen Reihen, als er sich im Wahlkampf jeder Positionierung zugunsten Rot-Grün verweigerte. «Ein Regierungsrat sollte sehr wohl Farbe bekennen», schalt ihn alt SP-Regierungsrat Peter Schmid.
Vor der Wiederwahl im Jahr 2015 eskalierte die Affäre um die von Reber nach Kritik rückgängig gemachte Anstellung der Basler Basta-Politikerin Sibel Arslan zur Schlammschlacht. Dass er wiedergewählt wurde, verdankte er einem überparteilichen Komitee mit Dutzenden Gemeindepräsidenten und dem hochangesehenen freisinnigen alt Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier, der Rebers Arbeit als «brillant» bezeichnete.
Herzstück und Energiegesetz
2019 durfte der Geograf mit ETH-Nachdiplom in Raumplanung endlich wie gewünscht die Bau- und Umweltschutzdirektion übernehmen. Viele rote Bänder durchschnitt er seither nicht; dafür geriet er in noch heftigere Turbulenzen. Ein an Parteikollegen vergebenes Velohochbahn-Projekt zog er 2020 nach Filzvorwürfen zurück, was ihm Kommentatoren als «Schuldeingeständnis» auslegten.
Die Tramverlängerung nach Salina Raurica scheiterte im Jahr 2021 an der Urne; Reber wurde vorgeworfen, bei diesem ÖV-Projekt «den Kopf in den Sand gesteckt» zu haben. Und die Kostenexplosion für den Umbau des Kantonsgerichts in Liestal – von 38 auf 64 Millionen Franken – gestand er in einem Interview ein: «Ich verdiene Kritik.»
Stolz ist er auf den Viertelstundentakt der S-Bahn und auf «mehr ÖV-Angebot denn je»; auf die nahezu abgeschlossene Volldigitalisierung der Baugesuche und die Reduktion der Einsprachen; auf Neubauten für Schulhäuser, das sanierte Regierungsgebäude und das Kantonsgericht-Projekt, die Wiederauflage des vom Volk abgelehnten Margarethenstichs und jüngst die pragmatische Redimensionierung des «Herzstücks» zur Durchmesserlinie, dank der einmal mehr Maximalansprüche durch eine realistische Lösung ersetzt werden.
Reber ist in einer Arbeiterfamilie in Sissach mit drei Geschwistern aufgewachsen. Bevor er in die Politik ging, arbeitete er beim Hochbauamt Basel-Stadt. Seine politischen Sporen hatte er sich vor der Jahrtausendwende im Sissacher Gemeinderat und danach im Landrat abverdient.


