Von der Grabung in die Vitrine
15.01.2026 Bezirk LiestalRestauratorin Anna Schuh erklärt, warum sie nicht mit Ketchup arbeitet
Wenn in der Erde ein archäologisches Objekt gefunden wird, ist Anna Schuh gefragt. Die Restauratorin bei der Archäologie Baselland gewährte an der «Museumsbar» im «Museum.BL» ...
Restauratorin Anna Schuh erklärt, warum sie nicht mit Ketchup arbeitet
Wenn in der Erde ein archäologisches Objekt gefunden wird, ist Anna Schuh gefragt. Die Restauratorin bei der Archäologie Baselland gewährte an der «Museumsbar» im «Museum.BL» einen Einblick in ihre stille Arbeit hinter den Funden.
Carolina Mazacek
Anstatt im stockenden Feierabendverkehr nach Hause zu fahren, konnten Interessierte am Dienstag im «Museum.BL» in Liestal der Restauratorin Anna Schuh zuhören, wie sie kurz und kompakt erklärte, wie ein archäologisches Objekt von «Wow, ich habe etwas gefunden!» bis in eine Ausstellung gelangt.
Wenn irgendwo gebaut wird, ist es keine Seltenheit, dass der Bagger auf etwas geschichtlich Bedeutendes stösst. In Muttenz zum Beispiel wurde bei Bauarbeiten voriges Jahr ein Mammutstosszahn gefunden, wie Schuh an der «Museumsbar» erzählte. Direkt nach der Bergung des Fundes bekam er eine Inventarnummer, damit alle Untersuchungen und Dokumente in der Datenbank klar zugewiesen werden konnten. Denn wie das Publikum als erstes erfuhr, ist das Dokumentieren von Fundobjekten das A und O und ein steter Begleiter der Restauratorin, damit der Fundgegenstand und alle daran vorgenommenen Veränderungen auch in Zukunft verständlich bleiben.
Bei sehr fragilen Objekten oder bei der Erhaltung von organischen Resten ergebe es Sinn, diese mitsamt der anhaftenden Erde als «Block» zu bergen. So wird die Fundsituation stabilisiert und kann anschliessend in Ruhe im Labor untersucht und restauriert werden, wie beispielsweise im Fall des bröseligen Mammutzahns, so Schuh.
Auch Rost liefert Informationen
Sie präsentierte ein lustiges Youtube-Video, in dem gezeigt wird, wie Rost einfach mit Ketchup entfernt wird. Doch so würden die Restauratoren nicht arbeiten. Denn selbst der Rost, die Korrosionsschicht, beinhaltet wichtige Informationen. Wenn beispielsweise ein Schwert mit Lederscheide begraben wurde, zersetzt sich zwar das Leder, aber durch die Korrosion, die das Leder ummantelt, bleibt dieses als Abdruck erhalten, sodass man die Art des Leders sogar noch bestimmen kann. Die ursprüngliche Oberfläche liegt heute meistens in dieser Korrosionsschicht. Um sie besser erkennen zu können, kann das Röntgenbild helfen. Die Bereiche, die durch das Schmieden verdichtet wurden, sind auf dem Röntgenbild zu erkennen und geben Hinweise auf die Form des Objekts sowie die Lage und Erhaltung der gesuchten Oberfläche.
Bei Objektsansammlungen in einer Blockbergung werden in weiteren Untersuchungen die genaue Position der verschiedenen Funde mithilfe von Röntgenbildern bestimmt. Je nachdem kann es laut Schuh interessant sein, die im Objekt vorkommende Elementzusammensetzung zu untersuchen, wofür die Archäologie Baselland ein speziell eingerichtetes Analysemikroskop einsetzt.
Schuh legt einen Fund frei, wenn nötig stabilisiert sie ihn und klebt, wenn nötig, die einzelnen Fragmente zusammen. Dabei kommen zwei Hilfsmittel zum Einsatz: Klebe- und Lösungsmittel. Schuh wählt sie so aus, dass sie für das Material des Fundstücks geeignet sind. Dabei wird darauf geachtet, dass der Fund so wenig wie nötig restauriert wird. So bleiben die Gebrauchsspuren erhalten, und die Archäologen können später weiter forschen, etwa über die Frage, warum Kratzspuren an einem Werkzeug sind.
Die Konservierung sei mindestens genauso wichtig wie die Restaurierung selbst, betonte Anna Schuh: «Wir denken für die nächsten Generationen.» Im Labor sowie im Archiv werden die Umgebungsfaktoren dem Fund angepasst. Als Beispiel nannte Schuh die Aufbewahrung eines Metallfunds. Das Metall reagiere stark mit Feuchtigkeit, weshalb es in einer luftdichten Tupperbox aufbewahrt werde, in der sich ein Klimamittel und ein Indikator befinden, der je nach relativer Feuchtigkeit die Farbe ändert. «Ein Klimamittel funktioniert wie das Silikonsäckchen, das sich oft bei neu gekauften Kleidern befindet», so Schuh.
Wird das Fundstück für eine Ausstellung benötigt oder ein Museum möchte es ausleihen, werden vor dem Transport Fotos gemacht und ein Zustandsbericht erstellt. So kann im Fall eines Schadens auf dem Transportweg oder in der Ausstellung dieser rekonstruiert werden.
Wem bei diesem Einblick in die Restaurierung eine Frage unbeantwortet blieb, gab es an der «Museumsbar» die Möglichkeit, der Restauratorin persönlich Fragen zu stellen. Die «Volksstimme» wollte unter anderem wissen, ob Schuh nach fünf Jahren bei der Archäologie Baselland ein Lieblingsfundstück hat. «Nein», sagte sie und fügte schmunzelnd hinzu: «Ich werde oft gefragt, doch ich kann mich leider nicht entscheiden.» Es fasziniere sie aber, wenn ein Fundobjekt einen Kontext hat. Dann könne sie sich, während sie es in Ruhe und voller Konzentration restauriert, Gedanken über die Geschichte des Objekts machen.

