Voller Leidenschaft für einheimisches Schaffen
22.01.2026 BaselbietDie «Literarische Gesellschaft» feiert ihren ersten Jahrestag
Ein Jahr nach ihrer Gründung zieht die «Literarische Gesellschaft Baselland» eine erste Bilanz: Mit 30 Mitgliedern und dem erfolgreichen Heinrich-Wiesner-Gedenkanlass hat sich die junge Vereinigung als ...
Die «Literarische Gesellschaft» feiert ihren ersten Jahrestag
Ein Jahr nach ihrer Gründung zieht die «Literarische Gesellschaft Baselland» eine erste Bilanz: Mit 30 Mitgliedern und dem erfolgreichen Heinrich-Wiesner-Gedenkanlass hat sich die junge Vereinigung als Förderin des einheimischen literarischen Schaffens etabliert.
Thomas Schweizer
Die «Literarische Gesellschaft Baselland» (LGBL) konnte am 18. Januar 2026 den ersten Jahrestag seit der Gründung in der Kantonsbibliothek in Liestal feiern. Der Kanton, aus dem der bis heute einzige Literaturnobelpreisträger der Schweiz, Carl Spitteler, kommt (neben dem eingebürgerten Hermann Hesse), hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Literarische Gesellschaft.
Wir sind eine junge Vereinigung von literarisch engagierten, manche auch aktiv literarisch tätigen Frauen und Männern. Zum jetzigen Zeitpunkt zählen wir 30 Mitglieder und haben somit noch «Entwicklungspotenzial». Wir freuen uns entsprechend über jedes neue Mitglied.
Der Jahrestag ist die Gelegenheit, um eine erste Bilanz zu ziehen. Wo stehen wir? Was haben wir erreicht? Was sind unsere weiteren Pläne und Ziele? Sind wir Förderer der Literatur, als die wir uns sehen? Fragen über Fragen. Was sind unsere Antworten?
Fest steht: Wir sind und bleiben Suchende. Wir sind kein Kompetenzzentrum, aber unsere Mitglieder sind in unterschiedlichen literarischen Genres durchaus kompetent. Im Zeitalter des World Wide Web und der KI ist eine analoge Beschäftigung mit Literatur bestimmt nicht abwegig. Wir wollen darum dem literarischen Schaffen mit Sensibilität, Achtsamkeit und Respekt begegnen.
Seien wir ehrlich: Den Start müssen wir als verhalten erfolgreich bewerten. Verhaltener Start deshalb, weil wir um eine eigenständige und, wenn immer möglich, einzigartige Stellung im kulturellen Bereich unseres Kantons bemüht sind. Wir sind keine wissenschaftliche Gesellschaft, sondern wollen ganz einfach Plattform und Sprachrohr des literarischen Schaffens in Baselland sein. Ein zu hohes Ziel wäre wohl, ein Alleinstellungsmerkmal anzustreben.
Unsere Bemühungen schliessen auch einen Blick über die ganze Region keineswegs aus. Unsere «literarischen Stammtische» oder Anlässe können auch in Basel oder in Rheinfelden stattfinden.
Erfolgreicher Start deshalb, weil es unser Bestreben ist, eine eigenständige und sichtbare Form zu finden. Da zeichnet sich ein immer konkreteres Profil ab. Wir verstehen uns – es sei nachdrücklich wiederholt – als Förderer der einheimischen Literatur, der früheren und der heutigen. Dabei bedeutet für uns der Begriff «Literatur» die allumfassende Tätigkeit des schöpferischen Schreibens: Belletristik, Drama, Lyrik, biografische Darstellungen und Sachbücher. Das Spektrum reicht von der hohen Dichtkunst des bereits erwähnten Carl Spitteler über neue Gattungen eines Heinrich Wiesner (u.a. mit seinen «Lapidaren Geschichten») bis zur heute populären Slam-Poetry (Daniela Dill) oder der neu erfassten Baselbieter Sagenwelt (Barbara Saladin).
Erster Grossanlass
Was haben wir bis jetzt erreicht? Neben Stammtischen, Stellungnahmen in den Medien und einer einladenden Website (www.literatur-bl.ch, verdankenswert eingerichtet durch unser Mitglied Hanspeter Gautschin) dürfen wir sicher den Gedenkanlass zum 100. Geburtstag von Heinrich Wiesner als grossen Erfolg verbuchen.
Am 30. Oktober fanden sich im Gewölbekeller des Gemeindehauses Reinach mehr als 80 interessierte Besucherinnen und Besucher ein. Neben einem Gastvortrag lasen die Vorstandsmitglieder kurze Passagen aus dem literarischen Werk des Virtuosen der kleinen Form oder des «Meisters der Kurzform», wie er auch schon bezeichnet wurde. Zur Einstimmung erfolgten vorgängig einige Artikel in den Medien aus der Feder unseres Vorstandsmitglieds Urs Buess. Ausserdem ist auf «regioTVplus» ein Gespräch mit dem Verfasser dieser Zeilen über Heinrich Wiesner zu sehen und zu hören. Der Anlass fand mit Unterstützung des Vereins Kultur Reinach statt. Ein Fingerzeig: Eine derart erfolgreiche Zusammenarbeit ist auch in Zukunft mit lokalen Kulturvereinen anzustreben.
Vielfältiges Programm
Erfreulich ist auch, dass wir immer wieder Anfragen von Autorinnen und Autoren für Lesungen bekommen. Bis jetzt haben wir diesen Anliegen noch nicht entsprechen können. Unser Ziel ist vorerst, eigene Programme zu organisieren. Allerdings sind spätere Anlässe mit Literaten, die nicht unserer Gesellschaft angehören, denkbar und auch erwünscht.
Bis Ende Juni stehen vielversprechend Anlässe bevor. Eine Produktion der LGBL ist viermal im Februar und März zu erleben: die szenische Lesung von «Hyazinth», eines Dramas des Historikers und publizistisch-literarisch tätigen Lorenz Degen. Erzählt wird in dieser düsteren Geschichte das Leben von Hyazinth Baier, der im Oktober 1851 als Letzter in Baselland zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde.
Zwei unserer Vorstandsmitglieder haben später im Frühling ebenfalls einen Auftritt. Nach dem Besuch des Polizeimuseums liest am 27. März Johanna Stone (als Autorin Johanna M. Rieke) aus ihrem neuen Sherlock-Holmes-Roman. Mutmasslich am 17. April stellt Urs Buess in Basel seine Biografie über Andreas Herczog vor. Eine erste Vernissage des Buchs über den in Liestal aufgewachsenen und späteren Nationalrat Herczog fand bereits erfolgreich im Zürcher Volkshaus statt. Im Mai hält Lorenz Degen sodann einen Vortrag über den Juristen Peter Noll, der seine Krebserkrankung schonungslos offen in einem Buch festgehalten hatte.
Nach der Jahresversammlung vom 30. Mai in Wittinsburg erfolgt ein Besuch im Walter-Eglin-Museum in Känerkinden, und abgeschlossen wird das erste Halbjahr mit dem Sommerstammtisch im idyllisch gelegenen Restaurant Waldhaus in Birsfelden. Zu diesen Stammtischen mit munteren Gesprächen, nicht nur über Literatur, sind alle herzlich eingeladen.
Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, nur der «innere Zirkel» unserer Gesellschaft würde mit Anlässen präsent sein. Im Gegenteil: Allen, die ein interessantes Projekt anzubieten haben, wollen wir eine Plattform bieten. Wir bemühen uns auch, die Anlässe dezentral, an unterschiedlichen Orten im Baselbiet und in Basel abzuhalten. Diese Streuung erlaubt uns, die einheimische Literatur im ganzen Kanton zu vertreten, sicht- und hörbar zu machen. Auch das Programm der zweiten Jahreshälfte verspricht diesbezüglich einige literarische Delikatessen. So beginnen wir zuversichtlich das zweite Jahr unserer noch jungen Gesellschaft.
Thomas Schweizer ist Präsident der «Literarischen Gesellschaft Baselland».
