Vo Fisigugger und Hebrächtli
05.02.2026 PersönlichChürzlich a dr Museumsnacht han i ufem Münschterplatz z Basel e Gspröch moderiert drüüber, was «richtigs» Baaseldütsch isch. Mir sin is äinig gsii, dass es das gar nid cha gää, will Baaseldütsch nid normiert isch wie Hochdütsch und ...
Chürzlich a dr Museumsnacht han i ufem Münschterplatz z Basel e Gspröch moderiert drüüber, was «richtigs» Baaseldütsch isch. Mir sin is äinig gsii, dass es das gar nid cha gää, will Baaseldütsch nid normiert isch wie Hochdütsch und jeede letschtlich esoo redt, wien är oder sii will.
Trotzdäm häi e baar Lütt im Publikum e klaari Mäinig gha, was goot und was nit. E Frau het is Mikrofon gsäit, richtig Baaseldütsch isch, weme «Baadstuube» säit, nid «Baadzimmer». E Maa het bhauptet, «lerne» geebs nid i dr Mundart vo dr Region Baasel, das heissi «lehre». Und mini Gäscht uf dr Büüni – öpper sehr Jungs und öpper zimlig Alts – häi beedi d Schmärzgränze bi «zwänzg» erräicht: Richtig Baaseldütsch sig «zwanzig».
I mim Bruefsalltag als Mundartredakter bi SRF schloon i mi dääglich mit Mails umme, wo sich Lütt drin über falsche Dialäktgebruuch beschweere. Grad erscht het mi sone Mundartpolizischt bätte, «die Menschen da draussen, die Berner Mundart und andere Dialekte sprechen, darauf hinzuweisen, dass es nicht ‹Filmtäg› heisst, sondern ‹Fiumtage›». I söll mi doch bitte «dieser grassierenden Unsitte annehmen».
Mir isch «Klugscheisser» dure Chopf. Oder «Besserwüsser». Aber das het mi ungerächt dunkt. Die Usdrück mache Sproochpfleeger schlächter, als die mäischte vonene sii. Das si doch äfach Lütt, wo ganz gnau, vill z gnau velicht, aaneloose, und denn liide si a dämm, wo si ghööre, wills nid zu dämm passt, wo si im Oor häi. Pasiert mir mängisch sälber, im Fall!
Drum bin i uf d Suechi nach Wörter gange, wo besser passe. Im Züridütsche Sünonüüm-Wörterbuech vom Viktor Schobinger fing i «Gschiidling», «Phauptichäib» und «Hebrächtli». S letschte gfallt mer bsungers guet: Wär immer mäint rächt z haa, isch e Hebrächtli. Tönt scho fascht liebevoll.
Schaad, dass das niemer me könnt.
Im groosse Schwizerdütsche Wörterbuech stoot für so Lütt, wo alls um si umme tüpflischisserisch genau beobachte und angeri uf Feeler ufmerksam mache, aso für die Mischig us Pedant und Besserwüsser, s wunderbare Wort «Fisigugger». Das sig e «Mensch, der alles erklügeln will; kleinlicher Pfiffikus, der sich in alles einmischt». Passt!
Z Züri brucht me d Variante «Fisigäuggis» oder «Fisigüüggi», z Appezäll «Fisigunggi», z Schaffuuse «Fisigügg», z Luzärn «Fisigux» und z Basel «Fisiguuggi» oder «Fisigugger».
Koräkt müesst i schriibe: Het me früecher brucht. Die Wörter könnt nämlich hütt genau gar niemer me. Läider. Will «Fisigugger», im Geegesatz zu «Mundartpolizischt» oder «Klugscheisser», beed Sitte vo de Sprochpfleeger zäigt: Dass si zwar d Lütt erzie, was e chli närvt. Aber o, dass si ires Härzbluet i d Mundart inveschtiere, Dröpfli für Dröpfli. Das sött me doch honoriere.
Drum sit so lieb und guet, säget ne ab jetz «Fisigugger». Und wenn si nech nid verstöö, chöit diir für äinisch dr Hebrächtli oder d Hebrächtle sii.
Markus Gasser (1966), Schwarzbube, geboren und aufgewachsen in Nunningen, Solothurn. Sprach- und Mundartredaktor bei Schweizer Radio SRF. Eine Folge seines Podcasts «Dini Mundart» widmet sich dem Thema «Sprache und Macht bei Stadtnamen». www.srf.ch/audio.

