… sofern die richtigen Rassen eingesetzt werden
Schafe und Ziegen fressen alles ab, inklusive der Rinden von Bäumen. Ausserdem düngen sie mit ihren Ausscheidungen die Wiesen. Deshalb sind sie ungeeignet zum Pflegen von Magerwiesen sowie Obst- und Weingärten. Stimmt ...
… sofern die richtigen Rassen eingesetzt werden
Schafe und Ziegen fressen alles ab, inklusive der Rinden von Bäumen. Ausserdem düngen sie mit ihren Ausscheidungen die Wiesen. Deshalb sind sie ungeeignet zum Pflegen von Magerwiesen sowie Obst- und Weingärten. Stimmt das wirklich?
Heinz Döbeli
Wer genau beobachtet, kommt zu einem anderen Schluss. Als Beispiel dient etwa eine Rebparzelle in Ziefen. Alljährlich weidet dort eine Schafherde – und diese Tiere lassen die Rebstöcke unbehelligt.
An einem anderen Ort von Ziefen weidet eine Ziegenherde an einem Waldrand. Die Tiere sollen den Gebüschmantel kurz halten. Statt Lärm und Abgasen wird Grünzeug in Fleisch verwandelt. Werden die geeigneten Rassen eingesetzt, sind diese Tiere sehr nützlich. Hier zwei Beispiele:
Kamerunschafe: Diese Rasse ist robust und anspruchslos, ein Haarschaf, das aus Westafrika stammt. Im Gegensatz zu Wollschafen müssen sie nicht geschoren werden, da sie keine Wolle, sondern ein dichtes Haarkleid mit saisonaler Unterwolle besitzen. Kamerunschafe eignen sich hervorragend für die extensive Haltung und Landschaftspflege auf Grasflächen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gras, Kräutern und Laub. Rebstöcke knabbern sie nicht an und auch nicht die Triebe. Im Winter benötigen sie Zugang zu einem witterungsgeschützten Stall und Heu als Raufutter.
Burenziege: Diese Ziege stammt aus Südafrika, wo sie um das Jahr 1930 aus verschiedenen lokalen Rassen herausgezüchtet wurde.Auch sie ist sehr robust und geländegängig. Sie liebt Buschwerk inklusive Brombeergestrüpp und wird deshalb gerne zur Entbuschung von Weiden und Steilhängen eingesetzt. Gestrüpp verwandeln Burenziegen in hervorragendes Fleisch.
Stickstoff und Phosphor
Auch Kleinvieh macht Mist, und der enthält Stickstoff- und Phosphor, beides Elemente, die nicht auf eine Magerwiese ausgebracht werden sollen. Aber in der Regel nehmen Schafe und Geissen beim Weiden an Gewicht zu. Sie entziehen der Wiese somit Stickstoff (gebunden in Protein) und Phosphor (gebunden in den Knochen). Tatsächlich stellt man fest, dass eine Beweidung die Biodiversität fördert. Durch selektives Fressen entstehen Nischen für verschiedene Pflanzen und Tiere. Der Dung der Tiere stellt zudem eine wichtige Nahrungsquelle und einen Lebensraum für zahlreiche Insektenarten dar.
Was hier in wenigen Sätzen geschildert wird, ist in der Praxis komplizierter. Es braucht viel praktisches Wissen.
Eine Weide darf beispielsweise nicht übernutzt werden, weil das zu Bodenerosion führt. Um das Beweiden für den Naturschutz optimal nutzen zu können, müsste mehr experimentiert werden. Konkret heisst das, Flächen, die über Jahre beweidet wurden, bezüglich Artenvielfalt mit Flächen vergleichen, die maschinell gemäht werden.