Viele Namen, wenig Gewissheit
29.09.2026 Baselbiet, Baselbiet, PolitikSo stehen Politikerinnen und Politiker aus der Region zu einer Regierungsratskandidatur
Wer beerbt Anton Lauber bei den Gesamterneuerungswahlen für den Regierungsrat im April? Im Oberbaselbiet gibt es mehrere Interessierte – doch längst nicht alle wollen sich bereits in die Karten ...
So stehen Politikerinnen und Politiker aus der Region zu einer Regierungsratskandidatur
Wer beerbt Anton Lauber bei den Gesamterneuerungswahlen für den Regierungsrat im April? Im Oberbaselbiet gibt es mehrere Interessierte – doch längst nicht alle wollen sich bereits in die Karten blicken lassen.
Christian Horisberger, Janis Erne und Pascal Kamber
Mit seiner Rücktrittsankündigung hat der Baselbieter Finanz- und Kirchendirektor Anton Lauber («Mitte») am Donnerstag das Kandidatenkarussell in Gang gebracht. Die «Volksstimme» hat bei potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Oberbaselbiet nachgefragt, wie es um ihr Interesse am Regierungsratsamt steht.
SVP: Strategie entscheidet
Aus den Reihen der SVP fiel bei den jüngsten Ersatzwahlen in den Baselbieter Regierungsrat ein Name immer wieder: Reto Tschudin. Sowohl bei der Ersatzwahl für Monica Gschwind (FDP) im vergangenen November wie auch bei jener für Isaac Reber (Grüne) im Juni verzichtete der bald 42-jährige Lausner jedoch auf eine Kandidatur. Als amtierender Landratspräsident wollte er aus Respekt vor dem Amt keinen Wahlkampf führen. «Der Zeitpunkt war für mich ungünstig», sagt Tschudin.
Mit Beginn der neuen Legislatur steht ihm diese Hürde nicht mehr im Weg. Tschudin gesteht denn auch, dass ihn das Regierungsratsamt grundsätzlich «extrem» reize und das Interesse da sei. Inzwischen habe sich die Ausgangslage aber verändert: «Für die SVP hat jetzt oberste Priorität, mit Matthias Liechti den eben erst zurückgewonnenen Sitz bei den Gesamterneuerungswahlen im April zu verteidigen.» Ob die Partei mit einer Eineroder Zweierkandidatur antrete, sei ein schwieriger strategischer Entscheid. Bei nur einem Kandidaten stehe er «zu 100 Prozent» hinter Liechti, betont Tschudin. Bei einem Angriff auf einen zweiten Sitz müsse die Partei klären, wer antreten soll. Tschudin selbst bleibt entspannt: Seit August hat er einen neuen Job, eine Kandidatur müsste er sich folglich gut überlegen – Interesse hin oder her.
FDP: Kein Ja, aber auch kein Nein
Noch nicht zu einer möglichen Kandidatur äussert sich Nadine Jermann: «Ich sage weder Ja noch Nein. Das Regierungsamt steht für mich momentan nicht zuvorderst.» Die FDP-Landrätin, Gemeindepräsidentin von Buus und Präsidentin des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden hatte parteiintern für die Nachfolge von Regierungsrätin Monica Gschwind kandidiert, unterlag dabei aber knapp Markus Eigenmann, dem heutigen Bildungsdirektor. Die Rücktrittsankündigung Laubers habe sie überrascht, sagt Jermann. Es sei zwar über einen Rücktritt des Finanzdirektors gemunkelt worden, doch habe er stets betont, wie sehr ihm das Regierungsamt gefalle. Deshalb habe sie sich über eine mögliche erneute Bewerbung auch noch keine vertieften Gedanken gemacht.
«Mir wei luege», schreibt derweil Daniel Spinnler auf die Anfrage der «Volksstimme» zu einer möglichen Kandidatur. Er werde sich dazu nicht äussern, solange offen sei, was die Parteien vorhaben, so der Liestaler Stadtpräsident und parteiinterne Kandidat bei der Ersatzwahl für Monica Gschwind.
GLP: Der Präsident tritt an
Nicht für eine Kandidatur zur Verfügung steht Sabine Bucher, Landrätin der Grünliberalen und seit dem 1. Juli dieses Jahrs Mitglied des Sissacher Gemeinderats. Insbesondere Letzteres mache sie besonders gern und wolle sich darum aktuell darauf konzentrieren und darin gute Arbeit leisten, sagt sie auf Anfrage. Bereits wieder auf ein neues Amt zu spekulieren, komme für sie nicht infrage. Im November 2025 verlor Sabine Bucher die Regierungsrats-Ersatzwahl gegen Markus Eigenmann.
GLP-Kantonalpräsident Thomas Tribelhorn bedauert den Verzicht Buchers, zumal sie als Steuerexpertin eine versierte Finanzdirektorin abgegeben hätte. Liebend gerne würde Tribelhorn eine andere jüngere, vielversprechende Frau für die Gesamterneuerungswahlen auf den Schild heben, «aber unsere Basis ist nicht riesig». Zwar werde die GLP im Frühling voraussichtlich mit 90 Personen in die Landratswahlen gehen, aber profilierte Köpfe, die in einem Regierungswahlkampf reüssieren könnten, seien in der Partei rar.
Der Kantonalpräsident aber will, dass die GLP auch bei den Regierungsratswahlen eine Rolle spielt. Er stelle sich deshalb selber zur Verfügung und treffe im Hinblick auf einen möglichen Wahlkampf mit seinem Arbeitgeber bereits Vorabklärungen, sagt der Geschäftsleiter eines Energieunternehmens. Der Rünenberger betont, dass es von der Findungskommission und letzten Endes von der Mitgliederversammlung abhänge, ob die GLP für ein Exekutivamt kandidiert – und mit wem. Die GLP, so Tribelhorn, könne vom aktuellen «Tohuwabohu» in der Regierung profitieren: Thomi Jourdan (EVP) mache in der Spitalpolitik nicht die beste Figur, desgleichen Katrin Schweizer (SP) im Umgang mit einer fehlbaren ehemaligen Abteilungsleiterin im Migrationsamt. Eigenmann und Liechti seien am Wahltermin zu kurz im Amt, um sich profilieren zu können, so Tribelhorn.
Der Einschätzung des Parteipräsidenten schliesst sich der Fraktionschef der Grünliberalen im Landrat, Manuel Ballmer, an. Ihn selbst ziehe es eigentlich weniger nach Liestal ins Regierungsgebäude als nach Bern ins Bundeshaus: Die persönliche Website des Lupsingers ist bereits auf die Nationalratswahlen im Herbst 2027 getrimmt. Aufgrund der spannenden Ausgangslage überlege er sich aber eine zweite Kandidatur für den Regierungsrat, sagt er auf Anfrage.
Ballmer war 2022 zu den Gesamterneuerungswahlen angetreten. Von allen offiziellen Kandidatinnen und Kandidaten hatte er am wenigsten Stimmen erhalten. Gewählt wurde neben den vier Bisherigen Thomi Jourdan. Der Rückenwind seiner Regierungsratskandidatur verhalf Manuel Ballmer jedoch zum Einzug ins Kantonsparlament.
«Mitte»: Fokus auf Unterbaselbiet
Auch bei der «Mitte» gibt es vereinzelt Personen aus dem Oberbaselbiet, die darüber nachdenken, ob eine Kandidatur für sie grundsätzlich infrage kommt. Hier stehen aber eher Personen aus dem unteren Baselbiet und dem Laufental in der Poleposition: etwa Kantonalpräsident Simon Oberbeck (Birsfelden) oder die Landräte Silvio Fareri (Pratteln) und Marc Scherrer (Laufen).
EVP: Alle hinter Thomi Jourdan
Rein nach der Stärke der Parteien im 90-köpfigen Landrat ist die EVP in der Regierung übervertreten. Nach dieser Rechnung müssten stattdessen die Grünen und die «Mitte» zu den fünf Parteien gehören, die bei einer proportionalen Verteilung in der Exekutive vertreten wären. Viele Experten sehen in Thomi Jourdan deshalb jenen Regierungsrat, der bei den Gesamterneuerungswahlen im April am meisten um seinen Sitz zittern muss. Für die EVP-Landrätin und Hölsteiner Gemeindepräsidentin Andrea Heger hat sich die Ausgangslage mit dem Rücktritt von Anton Lauber verändert: «Nun bleiben nur zwei langjährige Mitglieder übrig, die Chancen für Thomi Jourdan sind gestiegen.»
Die Beständigkeit spreche für ihn, so Heger weiter. Dass Jourdan wegen der Debatte rund um das Baselbieter Kantonsspital in der Kritik steht, will sie nicht überbewerten: «Das Spitaldossier ist so oder so heikel – egal, wer es verantwortet.» Für Heger ist unbestritten, dass Thomi Jourdan in die Exekutive gehört. «Er deckt die politische Mitte ab, das ist für die Regierungsarbeit wichtig», sagt sie. Ob die EVP alleine in den Kampf geht oder die Zusammenarbeit mit anderen Parteien sucht, ist noch offen. «Es haben noch keine Bündnisgespräche oder dergleichen stattgefunden.»
SP: Was macht Adil Koller?
Als erste Partei in die Offensive gegangen ist die SP. Nur wenige Minuten nach der Rücktrittsankündigung von Anton Lauber teilten die Baselbieter Sozialdemokraten am Donnerstag mit, dass sie mit zwei Kandidaturen zu den Gesamterneuerungswahlen antreten wollen. «Grundsätzlich wären wir auch ohne Laubers Rückzug mit zwei Personen angetreten. Nun ist der Entscheid noch klarer», sagt Kantonalpräsidentin Tania Cucè auf Anfrage.
Als valable Kandidaten nennt die Lausnerin den Fraktionschef und früheren Parteipräsidenten Adil Koller sowie die Landräte Jan Kirchmayr (Aesch) und Roman Brunner (Muttenz). Das Augenmerk dürfte bei Koller liegen: Der 33-jährige Landrat aus Münchenstein will laut «bz Basel» nach den Herbstferien bekannt geben, ob eine Kandidatur für ihn infrage kommt.
Das andere Ticket geht an Kathrin Schweizer: Die Sicherheitsdirektorin geniesst laut Cucè auch nach dem Skandal um das Migrationsamt die «volle Unterstützung» der Partei. Schweizer geriet diesen Sommer in die Kritik, nachdem bekannt geworden war, dass eine ehemalige Abteilungsleiterin des Amts über Jahre Hunderte Ausländerinnen und Ausländer mit problematischen Schreiben unter Druck gesetzt hatte. «Es gab Missstände im Migrationsamt. Genau deshalb ist es wichtig, dass dort eine Sozialdemokratin hinschaut», so Cucè. Fazit: Eine Oberbaselbieter Kandidatur dürfte es bei der SP dieses Mal nicht geben.
Grüne: Andrea Sulzer liebäugelt
Tritt Philipp Schoch nochmals an oder nicht? Diese Frage stellte sich bei den Grünen nach der verlorenen Ersatzwahl in den Regierungsrat, als am 14. Juni nicht er, sondern der Rümlinger SVP-Landrat Matthias Liechti das Rennen machte. Nur gerade 1164 Stimmen lagen zwischen den beiden Kontrahenten. «Ein solches Resultat verpflichtet», sagte Schoch damals. Inzwischen ist klar: Der Prattler Gemeinderat und frühere Landratspräsident verzichtet auf einen erneuten Anlauf. Sein Entscheid sei bereits im Sommer gefallen, sagte er am Freitag zu «Online-Reports». Er habe es sich sehr gut überlegt und auch berücksichtigt, dass bei Gesamterneuerungswahlen eine andere Dynamik spiele als bei einer Ersatzwahl. «Mir ist bewusst geworden, dass mein Glück nicht von einem Regierungsamt abhängt. Ich habe einen tollen Job und auch sonst alles, was ich mir wünsche», so Schoch.
Der Entscheid dürfte vor allem der EVP entgegenkommen. Schoch leitet die Notfallzentren des Kantonsspitals Baselland mit mehr als 100 Mitarbeitenden und wäre somit auch inhaltlich ein namhafter Konkurrent für den amtierenden Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan gewesen.
Somit müssen sich die Grünen auf die Suche nach anderen Kandidierenden machen. Hier kommt erneut Andrea Sulzer ins Spiel: Die 55-jährige Gemeindepräsidentin von Waldenburg stand bereits bei der Ersatzwahl für die Nachfolge von Isaac Reber zur Verfügung, musste sich aber intern Schoch mit nur drei Stimmen Unterschied geschlagen geben. An ihrem Interesse am Amt hat sich seither nichts geändert. «Ich überlege mir ganz ernsthaft eine Kandidatur», sagt Sulzer. Sie wolle sich nun während der Herbstferien beim Wandern weitere Gedanken dazu machen und danach ihren Entscheid bekannt geben.
