Viele Grossprojekte, noch grössere Anlässe
31.12.2025 Region2. Quartal 2025 | Das Oberbaselbiet feierte trotz Herausforderungen ausgiebig
Die erste Ausgabe der «Volksstimme» im April fiel auf den ersten Monatstag. Natürlich konnten wir es uns da nicht entgehen lassen, mit einem Aprilscherz für Unruhe zu ...
2. Quartal 2025 | Das Oberbaselbiet feierte trotz Herausforderungen ausgiebig
Die erste Ausgabe der «Volksstimme» im April fiel auf den ersten Monatstag. Natürlich konnten wir es uns da nicht entgehen lassen, mit einem Aprilscherz für Unruhe zu sorgen: Geplant sei, die Zunzger «Büchelburg» auf dem Chienbergtunnel-Kreisel (West) zu installieren. In Wirklichkeit gestaltete ein Künstlertrio den meistbefahrenen Kreisel im Oberbaselbiet anlässlich der Sissacher Jubiläen neu – 800 Jahre Gemeinde und 500 Jahre Reformierte Kirche geben Anlass zum Feiern.
Für wenig erfreute Gesichter sorgte wenig später das Kantonsspital Liestal. Mit einem Brief hatte sich die Stadt an die Gemeinden in der Region gewandt und für den Erhalt des Spitalstandorts im Kantonshauptort geworben. 33 Gemeinden bekundeten daraufhin ihre Solidarität. Die Baselbieter Regierung kündigte im Februar an, zwei mögliche Standorte in Pratteln zu prüfen: Salina Raurica Ost im Nordosten der Gemeinde und Bredella Ost beim Bahnhof. Eine Machbarkeitsstudie kam zum Schluss, dass Salina Raurica Ost besser geeignet sei – Bredella Ost sei mit Unsicherheiten beim Landerwerb, hohen Kosten und Verkehrsproblemen verbunden. Im Dezember gab die Regierung bekannt, dass sie nur noch Salina Raurica Ost weiterverfolgen will. Eine Abschlussevaluation soll nun klären, ob der neue Standort realisiert wird oder ob die beiden bestehenden Standorte in Liestal und auf dem Bruderholz erhalten bleiben.
Während das Spital um seinen Standort bangt, ist ein anderes Grossprojekt bereits Geschichte: Nach den abschlägigen letzten Entscheiden aus Langenbruck und Tenniken ist der Naturpark Baselbiet definitiv gescheitert. Vereinspräsidentin Florence Brenzikofer (Grüne, Oltingen) zeigte sich enttäuscht nach fünf Jahren Aufbauarbeit. Immerhin würden einige Projektideen weiterverfolgt, etwa ein Shuttle-Bus auf den Chilchzimmersattel bei der Bölchenflue oder ein Naturzentrum respektive ein Waldhaus für Bildungsangebote.
Ein Fest nach dem anderen
Das 2. Quartal war kein leichtes, auch nicht für die regionale Wirtschaft: Die angekündigten US-Zölle von Donald Trump prophezeiten dem hiesigen Gewerbe eine dunkle Zukunft. Besonders betroffen sind lokale Zulieferer der Exportindustrie wie Ronda, Renata oder Regofix. Ein Lichtblick ist die kürzlich veröffentlichte Meldung, dass das Zoll-Abkommen zwischen der Schweiz und den USA bis zum 31. März des kommenden Jahrs rechtlich verbindlich ausgehandelt werden soll.
Rückwirkend per 14. November sanken die Zölle von 39 auf 15 Prozent – in der Erwartung, dass das Abkommen im ersten Quartal erfolgreich ausgehandelt wird. Sollte diese Frist verstreichen, will das Weisse Haus die Anpassung der Strafzölle «gegebenenfalls überprüfen und überdenken».
Nach dem eher bedrückenden Rückblick soll dieser nun eine positive Wendung nehmen. Denn im 2. Quartal 2025 kam die ganzen Region vor lauter grosser Veranstaltungen kaum noch zum Durchatmen.
Wir erinnern uns an den «Eurovision-Song-Contest-Sommer». Zwar war der Hauptanlass in der «Joggeli»- Halle auf Münchensteiner Boden eher prägend für das benachbarte Basel, allerdings leistete auch der Landkanton Beiträge: So wurde das Maskottchen Lumo im «s’ander Atelier» der Basler Zwillingsbrüder Urs und Beat Kipfer in Gelterkinden hergestellt. Die beiden bringen zusammen mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Larvenherstellung mit. «Lumo» trug also auch ein Stück Oberbaselbiet in die weite Welt hinaus.
Ein Blick auf Sissach lässt etwas «mega» Grosses herausstechen: Die «Mega» war die bisher grösste Gewerbeausstellung in der Gemeinde. Rund 40 000 Besucherinnen und Besucher kamen – 5000 mehr als bei der letzten Durchführung 2019. OK-Präsident Mario Herger zeigte sich überwältigt von der fröhlichen Stimmung und dem Wetterglück. Besonders gut angekommen sei das Konzept der Themenzelte, in denen sich branchenverwandte Gewerbe gemeinsam präsentierten – weg von den klassischen «Chüngelistall»-Ständen und hin zu einem harmonischen Miteinander.
Wenige Wochen später feierte das Baselbiet ausgiebig die Schweizer Tradition in Sachen Alphorn, Fahnenschwingen und natürlich dem Jodeln. Letzteres wurde kürzlich in die «Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes» der Unesco aufgenommen. Das 33. Nordwestschweizer Jodlerfest fand in Reigoldswil statt und lockte Tausende Besucher an. Entlang der Hauptstrasse reihten sich liebevoll dekorierte Festbeizen aneinander, das «Jodlerdörfli» bildete das Herzstück des Anlasses. Rund 6000 Liter Bier vom Fass wurden während des Festwochenendes ausgeschenkt, der Skiclub Reigoldswil servierte trotz Sommerhitze Fondue und Raclette.
Den feierlichen Schlusspunkt setzte der Festumzug am Sonntag. Sogar die Ziefner «Nünichlingler» waren dabei – ein halbes Jahr vor ihrem offiziellen Auftritt an Heiligabend. Und Bundesrat Beat Jans zeigte sich mit seiner Frau Tracy, dem OK-Präsidium rund um FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger sowie Regierungspräsident Isaac Reber in einer festlich geschmückten Kutsche.
Gschwind kündigt Rücktritt an
Für politische Aufregung sorgte im Juni Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP): Die Hölsteinerin kündigte ihren Rücktritt an. Sie hinterlässt eine gut organisierte Direktion, ihre Amtszeit war geprägt von Kontinuität und Stabilität.
Inzwischen ist ihre Nachfolge geregelt: In einem knappen Rennen zwischen Sabine Bucher (GLP, Sissach) und Markus Eigenmann (FDP, Arlesheim) konnte letzterer das Rennen für sich entscheiden.
Melanie Frei





