Trockenheit setzt Viehhalter unter Druck
20.08.2026 Bezirk Sissach, Landwirtschaft, Wirtschaft, Baselbiet, HölsteinIm Juli kamen deutlich mehr Tiere auf den Markt
Auf dem Schlachtviehmarkt in Hölstein wurden im Juli mehr Tiere verkauft als im Vorjahr. Im August haben sich die Verkaufszahlen wieder dem Vorjahresniveau angeglichen. Schweizweit bleiben die Schlachtzahlen bei Kühen aussergewöhnlich ...
Im Juli kamen deutlich mehr Tiere auf den Markt
Auf dem Schlachtviehmarkt in Hölstein wurden im Juli mehr Tiere verkauft als im Vorjahr. Im August haben sich die Verkaufszahlen wieder dem Vorjahresniveau angeglichen. Schweizweit bleiben die Schlachtzahlen bei Kühen aussergewöhnlich hoch.
Melanie Frei
Die anhaltende Trockenheit beschäftigt auch die Viehhalter im Baselbiet. Bereits im Juli machte sich die Futterknappheit auf dem Schlachtviehmarkt in Hölstein bemerkbar. 76 Tiere wurden damals versteigert, im Juli vergangenen Jahres waren es nur 50. Ein Grund dafür sei die anhaltende Futterknappheit, sagt Ronny Schweizer, zuständig für Tierzucht und Viehabsatz beim Ebenrain, Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung. Fehlt auf Weiden und Wiesen das Futter, müssen Landwirte Tiere teilweise früher abgeben.
Beim August-Markt hat sich der Anstieg allerdings nicht fortgesetzt. Am Dienstag wurden 48 Tiere versteigert, gegenüber 50 im August 2025. Die Zahlen des einzelnen Markts in Hölstein bilden die schweizweite Entwicklung damit nicht eins zu eins ab.
Am Annahmeplatz in Hölstein findet einmal pro Monat der Grossviehmarkt statt. Es ist der einzige öffentliche Schlachtviehmarkt in der Nordwestschweiz. Landwirte vorwiegend aus dem Oberbaselbiet bringen ihre Tiere dorthin. Fachleute von Proviande schätzen diese ein, anschliessend können Händler auf die Tiere bieten. Proviande-Fachleute taxieren die Tiere unter anderem nach Fleischigkeit und Fettgewebe. Schweizer war am Dienstag selbst nicht vor Ort, hat sich aber über den Verlauf informieren lassen. Die Tiere seien zum geschätzten Preis verkauft worden. Zu einem Überbieten der Preise sei es nicht gekommen.
Die Stimmung unter den Landwirten beschreibt Schweizer als grundsätzlich ruhig. Die Trockenheit beschäftige die Bauern allerdings. Hinzu komme der tiefe Milchpreis. «Der Druck bei den Bauern ist da», sagt Schweizer. Die Landwirte bleiben aber optimistisch: Vieles werde inzwischen als Teil der Situation akzeptiert, so Schweizer.
Bemerkenswert ist der starke Ausschlag im Juli auch deshalb, weil der längerfristige Trend am Hölsteiner Schlachtviehmarkt in die andere Richtung zeigt. Noch vor zwei Jahren berichtete die «Volksstimme» über rückläufige Tierzahlen am Markt. Waren 2022 noch über 800 Tiere in Hölstein versteigert worden, waren es 2023 nur noch 610 – durchschnittlich 51 Tiere pro Markttag.
Schweizer führte den Rückgang damals unter anderem auf die sinkende Zahl der Milchkühe zurück. Auch die zunehmende Arbeitsbelastung der Landwirte und umfangreichere Vorschriften beim Tiertransport spielten eine Rolle. Mutterkühe gelangen zudem häufig über andere Vermarktungskanäle wie das Label Mutterkuh Schweiz in den Handel und werden weniger über öffentliche Märkte verkauft, wie Schweizer im aktuellen Gespräch erklärt. Der Juli bildete damit eine Ausnahme vom längerfristigen Trend. Im August lagen die Verkaufszahlen in Hölstein dagegen wieder ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die Situation am Hölsteiner Markt allein lässt deshalb keine Rückschlüsse auf die gesamtschweizerische Entwicklung zu.
Preise geraten unter Druck
Schweizweit fällt das derzeit grosse Angebot an Schlachtvieh mit sinkenden Preisen zusammen. Gemäss der Branchenorganisation Proviande liegt der aktuelle Wochenpreis für eine Kuh der Klasse T3 bei 10 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht. Das sind 20 Rappen weniger als in der Vorwoche. T3 bezeichnet vereinfacht eine mittlere Fleischigkeits- und Fettklasse. Auch bei anderen Kategorien von Rindvieh gingen die Wochenpreise zurück: bei Muni, Ochsen und Rindern um 10 bis 20 Rappen pro Kilogramm Schlachtgewicht.
Zusätzlichen Druck auf den Markt bringen laut Schweizer Tiere, die dieses Jahr früher von den Alpen zurückgekommen sind. Wenn mehr Kühe gleichzeitig auf den Markt gelangen, erhöht dies den Preisdruck. Die Entwicklung müsse schweizweit betrachtet werden: Der Markt in Hölstein allein bilde die Situation nicht ab.
Ein Problem, die angebotenen Tiere abzusetzen, bestehe derzeit nicht. Die vorhandenen Kapazitäten reichten aus, sagt Schweizer. Auch, weil die Zahl der Kühe und der Tiere auf den öffentlichen Märkten längerfristig zurückgegangen sei.
Werden nun überdurchschnittlich viele Tiere geschlachtet, könnte sich das Angebot später im Jahr wiederum verknappen. Einen starken Preisanstieg erwartet Schweizer deswegen aber nicht automatisch. Fehlt in der Schweiz Schlachtvieh, kann zusätzlich Fleisch importiert werden. «Wenn wir zu viel haben, geht der Preis zurück, und wenn wir zu wenig haben, wird importiert», beschreibt Schweizer den Mechanismus.
Gleichzeitig relativiert er die derzeitige Entwicklung. Die Produzenten hätten in den vergangenen Jahren sehr gute Fleischpreise erzielt. Schweizer Fleisch habe seinen Preis auch aufgrund der hohen Anforderungen an Qualität, Tierhaltung und Tierschutz. Zudem könnten die Preise nicht unbegrenzt steigen. Am Ende müsse auch der Konsument bereit sein, den entsprechenden Preis für Schweizer Fleisch zu bezahlen.
Wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt, lasse sich schwer vorhersagen. Regen könnte die Futterlage entspannen. Bleiben Trockenheit und Futtermangel jedoch bestehen, dürfte der Druck auf die Viehhalter ein Thema bleiben.
Deutlich mehr Kühe geschlachtet
mef. Die hohen Schlachtzahlen zeigen sich schweizweit besonders deutlich bei den Kühen. Im Juli wurden 16 913 Kühe geschlachtet. Im Juli vergangenen Jahres waren es 11 591 – ein Anstieg um 45,9 Prozent, wie Tabellen von Proviande zu entnehmen ist. Auch im August setzt sich die Entwicklung bislang fort: Bis zum 16. August wurden 8463 Kühe geschlachtet, gegenüber 5413 im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Plus von 56,3 Prozent. Seit Jahresbeginn wurden bis zum 16. August schweizweit 101 510 Kühe geschlachtet. Das sind 17,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Beim gesamten Grossvieh liegt die Zahl der Schlachtungen seit Jahresbeginn 8,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

