Neue Ausstellung würdigt Innovation, Erfinder und gesellschaftliches Engagement
Mit einer Vernissage hat das Industriemuseum Waldenburgertal seine neue Ausstellung «Tüftler, Denker, Macher» eröffnet. Sie zeigt, wie Ideenreichtum und Innovationskraft das Tal seit dem 19. Jahrhundert ...
Neue Ausstellung würdigt Innovation, Erfinder und gesellschaftliches Engagement
Mit einer Vernissage hat das Industriemuseum Waldenburgertal seine neue Ausstellung «Tüftler, Denker, Macher» eröffnet. Sie zeigt, wie Ideenreichtum und Innovationskraft das Tal seit dem 19. Jahrhundert geprägt und wirtschaftlich getragen haben.
Willi Wenger
Viele ehrenamtlich tätige Mitglieder des Fördervereins Industriemuseum Waldenburgertal und Umgebung haben unter der Leitung von Vizepräsidentin Helene Koch-Schmutz, der treibenden Kraft von «Tüftler, Denker, Macher – Innovationen und Entwicklungen aus dem Waldenburgertal und Umgebung», eine eindrucksvolle Ausstellung gestaltet, die am Freitag mit einer Vernissage eröffnet wurde. Im Mittelpunkt stehen Menschen, Ideen und Entwicklungen, die das Waldenburgertal nachhaltig geprägt haben.
Im ehemaligen «Expo 64-Pavillon» wird die Zeit nach dem Bau der Eisenbahnlinie Basel–Olten Mitte des 19. Jahrhunderts in Erinnerung gerufen. Diese stellte die Bevölkerung im Tal vor grosse Herausforderungen, da die Einnahmen aus dem Durchgangsverkehr quasi über Nacht ausblieben. Innovationen waren gefragt, um zu verhindern, dass die Bevölkerung vollends verarmte.
Soziales Engagement der Frauen
Für Helene Koch war es daher besonders wichtig, jene Tüftler, Denker, Macher und Visionäre zu würdigen, die massgeblich dazu beitrugen, dass das Waldenburgertal wirtschaftlich überleben konnte. «Es war uns ein Anliegen aufzuzeigen, was hier im Tal und in der Umgebung alles geleistet wurde.» Dokumentiert sind unter anderem der «WB»-Visionär Gedeon Thommen, der Tüftler Jakob Schweizer sowie feinmechanische und uhrmacherische Werkstätten – von der Präzisionstechnik bis hin zu Werkstoffen und medizintechnischen Objekten. Originale Exponate, Fotografien und Dokumente veranschaulichen eindrücklich, wie aus Ideen konkrete Lösungen entstanden und wie lokale Tüftelei Innovationen hervorbrachte, die teilweise weltweit Wirkung entfalteten.
Ein besonderes Augenmerk legte Helene Koch-Schmutz auch auf die Leistungen der Frauen aus dem Umfeld der damaligen Industrieherren. Ihr Wirken wird in einem eigens gestalteten «Damensalon» gewürdigt. «Diese Frauen haben gedichtet, gemalt und sich insbesondere sozial engagiert. Sie gründeten beispielsweise Kindergärten, Frauenvereine oder Samaritervereine», so Helene Koch-Schmutz.
Die Ausstellung setzt bewusst auf eine anschauliche Vermittlung und eignet sich daher auch für Familien, Kinder und Schulklassen. Sie erinnert die Besuchenden an zahlreiche bemerkenswerte Beispiele: etwa die Wäscheklammer-Produktion der heute in Hölstein ansässigen Wisler AG, Flugzeuginstrumente der Revue Thommen AG aus Waldenburg für die Mirage-Kampfjets der Schweizer Armee sowie verschiedene Uhren – darunter die «Cricket 1947»-Armbanduhr, die von mehreren US-Präsidenten getragen wurde.
Dass die Uhrenproduktion einen hohen Stellenwert einnimmt, ist nachvollziehbar. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie Basel–Olten wurde im Jahr 1853 aus der Not heraus die «Société d’Horlogerie à Waldenburg» durch die Gemeinde Waldenburg gegründet. Sie entwickelte sich zu einem bedeutenden Motor der Industrialisierung in der Region. Exponate dieses Unternehmens sowie von Firmen wie Oris, Rero, Tschudin & Heid AG, Rego-Fix und der Straumann-Gruppe ergänzen die Vielfalt der Ausstellung.
Zu Ehren des Reigoldswiler Tüftlers und Erfinders Jakob Schweizer (1836 – 1913), dem ebenfalls ein Teil der Sonderausstellung gewidmet ist, gestalteten Florian Schneider gemeinsam mit Adam Taubitz und Roman Bislin den musikalischen Rahmen der Vernissage. Ein Apéro für die Besucherinnen und Besucher rundete die rundum gelungene Veranstaltung ab.