Stelldichein der heimischen Wildtiere
31.10.2023 Bezirk Waldenburg, Bezirk WaldenburgJonathan King zeigte seine einmaligen Tieraufnahmen
Der Bennwiler Jonathan King streift seit vielen Jahren durch die hiesigen Wälder und hat seine Beobachtungen in einem beeindruckenden Video festgehalten.
Elmar Gächter
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Jonathan King zeigte seine einmaligen Tieraufnahmen
Der Bennwiler Jonathan King streift seit vielen Jahren durch die hiesigen Wälder und hat seine Beobachtungen in einem beeindruckenden Video festgehalten.
Elmar Gächter
Wenn ein Gemeindesaal wegen der vielen Besucherinnen und Besucher fast aus allen Nähten platzt, dann muss es sich um einen besonderen Anlass handeln. Die Museumskommission Bennwil hatte zu einem «tierischen» Filmabend eingeladen, der die Leute staunen lasse. Und in der Tat: Was Jonathan King, Einwohner und Bürger von Bennwil, zu zeigen und zu berichten hatte, entlockte nicht nur den Kindern mehrfach ein «Ah» und «Oh».
Seit vielen Jahren pirscht der promovierte Tierarzt fast jede Woche durch die Wälder des erweiterten Bölchengebiets, um Wildtiere in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten. Verschiedenste Begegnungen hat er dabei mit seiner Kamera einfangen können. Eine Auswahl dieser Bilder und Filmsequenzen aus den vergangenen 15 Jahren, die er mit seinen offiziell bewilligten Fotofallen gemacht hat, hat er nun zu einem fantastischen und einmaligen Video zusammengestellt.
Es war, als sässe man selber gut hinter einem Gebüsch versteckt auf dem Waldboden und harre gespannt der Dinge, die da kommen. Drei von mehreren Standorten seiner Fotofallen hat Jonathan King ausgewählt, um den Besuchenden die Vielfalt der Wildtiere in unseren Wäldern vor Augen zu führen. Ohne jede Scheu, auch wenn die eine oder andere Wildschweinrotte bei einem kurzen Marschhalt ihnen unbekannte Geräusche zu hören vermeinte, präsentierten sich die Gämsen und Dachse mit ihrer spielenden Jungmannschaft, führte der Baummarder zum Gaudi der Kinder erfolglos seine Sprünge nach Fressbarem in die dichte Laubdecke aus. Und wäre das Staunen über diese hautnahen Begegnungen nicht schon gross genug, liessen weder Luchs noch Wildkatze es sich nehmen, vermeintlich unbemerkt ihr Dasein zu bezeugen.
Apropos Wildkatze: Jonathan King hatte sie 2017 das erste Mal auf der Fotofalle und konnte sie in den vergangenen beiden Jahren mehrfach beobachten. «Ich war sehr überrascht, als ich sie das erste Mal gesehen habe. Sie galten in der Schweiz als beinahe ausgerottet, sie sind inzwischen jedoch von Westen her eingewandert und man schätzt, dass es im Bölchengebiet mehrere Exemplare gibt», so King.
Standortwechsel: Die installierte Kamera ist auf den Ausgang einer Dachshöhle gerichtet. Zu sehen sind die fleissigen Eltern, wie sie ihren Bau mit Gras und Laub angenehm für ihren Nachwuchs vorbereiten. Dieser zeigt sich denn auch wohlbehalten und unbekümmert beim Spielen vor seinem Zuhause. Später setzt sich der Rotfuchs mit seinen Welpen ins gemachte Nest und ist gezwungen, es mit allen Kräften gegen den eigentlichen Hausherrn Dachs zu verteidigen.
Als eigentliches Highlight seiner langjährigen Streifzüge bezeichnet Jonathan King seine Begegnung mit dem Luchs, den er 2012 auf der Pirsch erstmals persönlich zu Gesicht bekam. «Da hat sich für mich ein eigentlicher Traum erfüllt, worauf ich viele Jahre gewartet hatte», schwärmt der Wildbeobachter. Auch die Besucherinnen und Besucher im Gemeindesaal durften sich an den einmaligen Aufnahmen der Wildtierkamera erfreuen, welche die Luchsmutter zusammen mit ihren zwei Jungtieren vor einer Suhle zeigen. Der Tümpel erwies sich zusätzlich als gefragte Nassoase für Wildschweine, Feldhasen oder Igel, ebenso wie für Mäusebussarde, Sperber oder für den Schwarzspecht.
Der Wolf als Nächstes?
«Ich bin vom Inhalt des Videos und den ganz tollen Bildern sehr beeindruckt, ebenso von der Vielfalt an Wildtieren so quasi vor der Haustüre. Zudem bewundere ich Jonathan King für die grosse Geduld, die er seit Jahren mitbringt, um solche Aufnahmen zu machen», sagte Besucher Stefan Schiegg und gab damit den Eindruck der Gäste des Abends wieder.
Der Protagonist selber will seinem Hobby auch weiterhin frönen, wie der 62-jährige Bennwiler festhält. Und weitere Highlights könnten ja noch folgen, denkt man an den im Baselbiet bereits gesichteten Wolf. «Ich finde ihn zwar ein äusserst interessantes Tier, allerdings müssen wir die Anzahl der Wölfe und ihre Wirkung überwachen.» Gerne würde King es sehen, wenn in unserer Gegend Wisente anzutreffen wären, wie ihre Ansiedlung im Solothurner Jura zurzeit evaluiert wird.