Sommermarkt jetzt kleiner, aber feiner
23.06.2026 Bezirk Sissach, Kultur, SissachErste Ausgabe des wiederbelebten Anlasses unter neuer Leitung
Nach der Abschaffung und der Wiedereinführung des Sissacher Sommermarkts findet dieser morgen nun erstmals wieder statt. Der extern verpflichtete Marktchef Mario Gratzer erklärt, was am neuen Sommermarkt nun anders und besser ...
Erste Ausgabe des wiederbelebten Anlasses unter neuer Leitung
Nach der Abschaffung und der Wiedereinführung des Sissacher Sommermarkts findet dieser morgen nun erstmals wieder statt. Der extern verpflichtete Marktchef Mario Gratzer erklärt, was am neuen Sommermarkt nun anders und besser ist als früher.
Christian Horisberger
Herr Gratzer, Sie leben in Rheinfelden und arbeiteten lange in Liestal. Beide Städte haben schöne historische Zentren, prädestiniert für attraktive Märkte. Wie gefällt Ihnen Sissach?
Mario Gratzer: Sehr. Ganz besonders die Begegnungszone und dort speziell der Baum in einem Trog. Das zeigt, dass hier nicht nur die Autos Platz haben sollen. Toll finde ich die Menschen hier. Ich habe sie am Frühlingsmarkt erleben dürfen: Man kann mit ihnen reden, sie sind offen.
Der Marktverband hat Sie für die Organisation des Sommermarkts verpflichtet, nachdem Sie neun Jahre lang Marktchef in Liestal waren. Washaben Sie dort richtig gemacht?
Nachdem der Markt nicht mehr gut lief, entzog die Stadt dem Verband das Mandat und übertrug die Aufgabe der Verwaltung beziehungsweise an mich. Der Markt sollte grösser und attraktiver werden. Ich habe den Perimeter erweitern können. Ursprünglich befanden sich ausschliesslich in der Rathausstrasse 75 bis 80 Stände, heute sind es durchschnittlich 120 Stände in der Rathausstrasse, der Kanonengasse und der Büchelistrasse. Um die Wertigkeit des Markts zu erhöhen, habe ich darauf geachtet, was noch ins Angebot passt und was nicht (mehr).
In Sissach passiert praktisch das Gegenteil: Die Gemeinde hat das Mandat für die Organisation des Sommermarkts an den Marktverband übergeben und den Perimeter verkleinert.
Das ist richtig. Neu – und ausschliesslich am Sommermarkt – werden sich die Stände nur noch im Einbahn-Bereich der Begegnungszone, auf dem Gemeindeplatz sowie in der Postgasse befinden.
Was soll an der Reduktion der Fläche besser sein?
Für die Gemeinde reduziert sich der Aufwand zur Bereitstellung der Infrastruktur und für das Sperren der Verkehrsfläche. Für den Markt bedeutet die Verdichtung eine Aufwertung: Für die 102 zur Verfügung stehenden Plätze gab es dank verstärkter Werbung des Verbands 150 bis 160 Interessenten. Ich hatte die Möglichkeit, daraus eine Auswahl für ein attraktives, durchmischtes Sortiment zu treffen.
Was ist Ihre Formel für ein attraktives Sortiment?
Besonderen Wert lege ich auf Produkte aus der Schweiz oder zumindest aus Europa. Ware aus China habe ich nicht so gern. Für mich spielen ausserdem die Persönlichkeit der Marktfahrerinnen und Marktfahrer eine Rolle und dass auch Anbieter mit Produkten darunter sind, die man an anderen Märkten kaum noch sieht. Einzelne habe ich darum gebeten, nach Sissach zu kommen, zum Beispiel einen Messer-Händler, der sonst nur noch am Basler Weihnachtsmarkt teilnimmt, oder einen Uhren-Spezialisten.
Gibt es weitere Neuerungen?
Anstatt ein Fahrgeschäft isoliert vom restlichen Markt auf dem Gemeindeplatz seine Runden drehen zu lassen – dafür ist mir dieser Platz zu schade – habe ich den «Kinder-Kettenflieger» in die Begegnungszone, in den Bereich des «Caprice», verlegt. Im Gegenzug gibt es auf dem Gemeindeplatz nun Raum für zahlreiche, durchmischte Marktstände.
Sie haben also einigen Aufwand betrieben. Aber wie schaffen Sie es nun, die Menschen an den Markt zu bringen? Das mangelnde Publikumsinteresse war einer der Haupt- gründe für die seinerzeitige Abschaffung des Sommermarkts.
Wir haben Werbematerial an die umliegenden Gemeinden verschickt und in der «Volksstimme» inseriert. Ausserdem weisen wir seit einigen Tagen auf Tafeln auf den Markttermin hin.
Ihre Premiere steht nicht unter den besten Vorzeichen: In der Begegnungszone dürften Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad herrschen. Was haben Sie in Bezug auf den Hitzetag unternommen?
Um entsprechende Vorbereitungen treffen zu können, wurde ich zu kurzfristig mit der Planung beauftragt. Deshalb kann ich den Besucherinnen und Besuchern nur empfehlen, genügend zu trinken – immerhin hat es in der Begegnungszone dafür auch zwei Brunnen – und den sich bietenden Schatten zu nutzen.
Was für Hitze-Massnahmen hätten Sie mit mehr Zeit getroffen?
Im Süden habe ich an Märkten Sprühvorrichtungen angetroffen, die einen kühlenden Wassernebel erzeugen. Zwei oder drei solcher Anlagen zu installieren, um punktuell für Abkühlung zu sorgen, wäre vorstellbar.
Ein Markt in den späten Abendstunden nicht?
Der Versuch in Sissach hat es gezeigt: Das funktioniert nicht. Bei uns wollen die Menschen schon am Morgen an den Markt. Abends ist es irgendwann vorbei. In Liestal haben wir den Markt versuchsweise bis um 20 Uhr verlängert, um Leute abholen zu können, die nach der Arbeit über den Markt gehen möchten. Nicht einmal das hat funktioniert.
Wann geht es morgen los?
Die Marktstände sind um 9 Uhr verkaufsbereit und Schluss wird um 18.30 Uhr sein.
Wie messen Sie Ihren Erfolg?
Ich werde am Markt mit allen Marktfahrerinnen und Marktfahrern und mit möglichst vielen Besucherinnen und Besuchern sprechen, um ein Gespür zu bekommen, wo wir stehen.
Sie wirken sehr motiviert. Die Aufgabe scheint Ihnen Freude zu machen.
Sehr sogar. Ein neuer Markt ist für mich eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Ich schätze auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Werkhof, die in Sissach ausgezeichnet ist.
Das müssen Sie ja sagen …
Es ist wirklich so. Man erkennt relativ rasch, ob jemand lösungs- oder problemorientiert ist. Hier in Sissach ist Ersteres der Fall.
Zur Person
ch. Mario Gratzer (65) stammt aus dem Laufental und lebt in Rheinfelden. Im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Stadt Liestal fiel die Organisation der Märkte bis zu seiner Pensionierung im Februar dieses Jahres in seine Verantwortung. Im Auftrag des Nordwestschweizer Marktverbands übernimmt er diese Rolle nun erstmals auf Mandatsbasis für den Sissacher Sommermarkt (die «Volksstimme» berichtete).

