Solarinitiative
20.01.2026 BRIEFETempo statt Verzögerung?
Zur «Carte blanche» «Tempo statt Verzögerung für die Energiewende» von SP-Landrat Thomas Noack in der «Volksstimme» vom 13. Januar, Seite 2
Es ist kaum verwunderlich, dass sich Herr Noack ...
Tempo statt Verzögerung?
Zur «Carte blanche» «Tempo statt Verzögerung für die Energiewende» von SP-Landrat Thomas Noack in der «Volksstimme» vom 13. Januar, Seite 2
Es ist kaum verwunderlich, dass sich Herr Noack für die bald zur Abstimmung stehende Solarinitiative einsetzt. Sie stammt aus seiner Heimat-Partei und grünen Gruppierungen. Aus seiner Sicht kann der notwendige Strom aus Solarenergie auch zukünftig ausreichend bereitgestellt werden.
Doch vielleicht hat er seine Gedanken zu früh niedergeschrieben, warnten doch am gleichen Tag die Energieproduzenten vor Stromlücken in den Wintermonaten der kommenden Jahre. Wenn man das Verhalten der Bevölkerung mitverfolgt, so muss man emotionslos feststellen, dass es beim künftigen Strombedarf in den nächsten Jahren nur in eine Richtung gehen wird. Es wird von Jahr zu Jahr mehr benötigt: Elektromobilität, aber auch die verdichteten Bahnverkehrsangebote, Künstliche Intelligenz, Kommunikation usw. spielen eine Rolle. Ob dies alles künftig bloss mit erneuerbaren Energiequellen abgedeckt werden kann, wage ich zu bezweifeln.
Herr Noack ist der Meinung, dass für jede Tonne verbrannter fossiler Energie unsere nachfolgenden Generationen die Zeche zu bezahlen hätten. Er erwähnt mit keinem Wort, dass die aktuellen Bedürfnisse der Bevölkerung halt anders sind. So vermelden in der gleichen Woche die Flughäfen – nicht nur in der Schweiz – absolute Höchstzahlen bezüglich Flugbewegungen und Passagieren. Jeder Start eines grossen Flugzeugs benötigt allein bis zur Erreichung der Flughöhe etwa die Menge fossiler Energie, mit der man zwei Einfamilienhäuser gut zwei Jahre beheizen könnte!
Den Umbau auf erneuerbare Energie finde ich richtig. Ich finde es aber übertrieben, wenn wir uns einbilden, mit der praktizierten Verbotspolitik (zum Beispiel Verbot des Ersatzes bestens funktionierender Ölheizungen ab diesem Jahr) könnten wir die Welt retten. Es ist auch ein Nullsummenspiel, wenn wir die Autos elektrifizieren und die Verbrenner dann irgendwo auf der Welt noch jahrelang weiter in Betrieb sind. Nicht «Tempo statt Verzögerung» brauchen wir in der Energiepolitik, sondern «Umbau mit Augenmass».
Paul Hug, Ziefen
