Schulhausdebatte zum «Campus Loggia»
16.04.2026 BRIEFE, Gelterkinden«Volksstimme»-Leserinnen und Leser äussern sich
Neues Schulhaus – zurück zur Sachlichkeit
Während meiner Schulzeit in Gelterkinden hatten die Klassen über 20 Schülerinnen und Schüler – und heute? Wir hatten ...
«Volksstimme»-Leserinnen und Leser äussern sich
Neues Schulhaus – zurück zur Sachlichkeit
Während meiner Schulzeit in Gelterkinden hatten die Klassen über 20 Schülerinnen und Schüler – und heute? Wir hatten keine Gruppenräume, es hiess: «Hier das Aufgabenblatt, nehmt Schreibzeug und sucht euch auf dem Schulgelände einen Platz zum Arbeiten. Seid bis xy zurück.» Was ist wichtiger: ein glänzendes Schulhaus oder qualitativ guter Unterricht? Ist guter Unterricht nur in teuren Schulbauten mit «grosszügigen Freiräumen» möglich? Wenn das neue Schulhaus in Rünenberg so gut ist: Warum nicht diese Pläne übernehmen und Kosten sparen? So wurde im sozialen Wohnungsbau (Wohn- /Baugenossenschaften) viel Geld gespart.
In Zürich mussten innert kürzester Zeit viel Schulraum und mehrere neue Schulhäuser erstellt werden. Dies wurde mit teils mehrstöckigen Containerbauten gemacht. Eine gute, günstige und flexible Lösung. Wir wissen nicht, wie die Altersstruktur der Neuzuzüger aussieht und damit auch nicht, wie viele neue Schüler es geben wird oder wie viele der Neuzuzüger ein Altersheim- oder Demenzbett brauchen werden. Bauen wir darum auf Vorrat gleich noch für diese Anspruchsgruppen?
Man mag über die «BiBaBoMaCa» (Bieri, Baader, Bossert, Mangold, Catin) denken, was man will, doch es geht um die Gemeindefinanzen. Gehen Sie, liebe Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, ein neues Auto kaufen, ohne genau zu wissen, wie viele Plätze der Wagen haben muss, und ohne vorher genau festzulegen, was er kosten darf? Darum: Halt und nochmals über die Bücher gehen.
Daniel Bühler, Gelterkinden
Nein zum Luxusprojekt auf Pump
Bei allem Respekt, für die vom Pro-Komitee gewünschten «Luxus-Schulbauten» dürfen wir die Bodenhaftung nicht verlieren. In der jetzigen desolaten Finanzsituation der Gemeinde Gelterkinden ist das Projekt Campus Loggia viel zu teuer und nicht dringlich.
Gewisse Kreise haben aus dem Finanzdebakel ums Hallenbad wiederum nichts gelernt! Es wird munter weiter gefordert, ohne die Finanzierung im Griff zu haben. Die vorhandenen Schulbauten lassen einen normalen Betrieb weiter zu und der Bildungsauftrag wird nicht gefährdet. Ein toller Neubau trägt kaum zu besser gebildeten Schülern bei! Etwas Bescheidenheit und den Willen, mit der bestehenden Infrastruktur zu arbeiten, finde ich angebracht. Darum am 26. April Nein zum Projektierungskredit!
Jürg Buess, Gelterkinden
Die Vernunft gebietet ein Nein
Bei der Beurteilung des Schulhausprojekts Loggia erweist sich die Bibel als hilfreich. Matthäus 7, 15-16, gebietet als Schutz vor falschen Propheten: «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.» Wer solche Gebote in den Wind schlägt und eine Präqualifizierung der Anbieter unterlässt, darf sich nicht wundern, wenn er ein grauses pädagogisch-architektonisches Kostenmonster gebiert. Wer einwendet, für die Kinder könne man fast nicht genug tun, sollte die Hauptforderung der «Nachhaltigkeits-Bibel» (Brundtland-Bericht 1987) zu Rate ziehen: Sie verlangt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigen soll, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen dies nicht mehr tun können. Will heissen: Wer durch unvernünftiges Handeln den Nachkommen Schulden aufbürdet, handelt unethisch und riskiert, dass künftige Sklavereiforschende sie/ihn wegen finanzieller Versklavung der Nachfahren an den Pranger stellen. Da hilft nur ein kräftiges Nein zum Planungskredit!
Hans Fuchs, Gelterkinden
Schulden für die Jungen?
Offen gesagt fällt es mir als Aussenstehendem schwer zu beurteilen, ob es sich beim Projekt «neuer Schulhausbau» um ein «need to have» oder um ein «nice to have» handelt – also um eine Notwendigkeit oder um einen wünschbaren Luxus. Wäre Geld unbegrenzt vorhanden, stellte sich diese Frage nicht.
Die Realität sieht jedoch anders aus: Gelterkinden ächzt bereits heute unter einer Schuldenlast von rund 30 Millionen Franken und ist in erheblichem Mass auf den Finanzausgleich durch reichere Gemeinden angewiesen. Unter solchen Voraussetzungen ist eine echte Schuldentilgung kaum realistisch.
Gemäss Finanzplan des Gemeinderats sollen sich diese Schulden in wenigen Jahren auf 60 Millionen Franken verdoppeln. Selbst unter der optimistischen Annahme, dass jährlich 1 Million Franken zurückgezahlt werden könnte, würde es 60 Jahre dauern, diese Schulden abzubauen – wohlgemerkt ohne Zinsen und ohne Zinseszins. Das damit verbundene Zinsrisiko ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Die Konsequenzen tragen nicht wir heute, sondern kommende Generationen: unsere Kinder, Enkel und Urenkel. Sie werden mit dieser Hypothek leben müssen – ohne je gefragt worden zu sein. Ob wir eine solche finanzielle Bürde weitergeben wollen, entscheiden wir am 26. April an der Urne. Für mich ist klar: Verantwortung gegenüber der nächsten Generation sieht anders aus.
Peter Hemmig, Gelterkinden
Nein zum Projektierungskredit
Am 26. April entscheidet die Stimmbevölkerung von Gelterkinden, wie teuer ein neues Schulhaus werden darf. Zur Abstimmung steht der Projektierungskredit für das Projekt Campus Loggia des Gemeinderats. Die zu erwartenden Projektierungsund Baukosten werden mit 10,8 Millionen Franken plus/minus 25 Prozent angegeben, was im ungünstigsten Fall Kosten von mehr als 13,5 Millionen Franken bedeuten kann. Diese Zahlen wurden in der Wettbewerbsphase durch ein spezialisiertes Baukostenplanungsbüro ermittelt und von der Exekutive mehrfach bestätigt. Dem gegenüber steht mit «Ratio» ein vergleichbares Projekt einer Gruppe erfahrener Baufachleute. Die berechneten Projektierungs- und Baukosten belaufen sich auf rund 6,7 Millionen plus/minus 10 Prozent (im schlimmsten Fall rund 7,3 Millionen Franken). Beide Projekte basieren auf dem Raumprogramm des einstufigen Projektwettbewerbs der Gemeinde Gelterkinden aus dem Jahr 2023 und erfüllen die geforderten Raumgrössen und Nutzungen.
Das Projekt Ratio zeigt auf, dass durch Optimierungen, eine Hybridbauweise und einen sorgfältigen Umgang mit dem Bauvolumen ein funktionales Schulhaus auch deutlich kostengünstiger realisiert werden kann – ohne qualitative Einbussen. Sämtliche Kostenpositionen sind gemäss Baukostenplan (BKP) berücksichtigt; Projektierungskosten sind im BKP 2 enthalten, Reserven im BKP 5 eingeplant. Ein Nein zum Projektierungskredit ist kein Nein zu einem Schulhausneubau. Mit einem vorhandenen Alternativprojekt auf Vorprojektstufe könnte zeitnah eine neue Kreditvorlage erarbeitet werden. Ein Baubeginn Anfang 2028 und eine Fertigstellung bis Ende Schuljahr 2029 wären weiterhin realistisch. Darum empfehle ich der Stimmbevölkerung ein Nein zum Projektierungskredit – für ein vernünftiges, kompaktes und finanziell tragbares Schulhaus.
Thomas Lang, Projektmitglied «Ratio»
Ja zum Planungskredit
Vieles wurde schon zur Abstimmung über das Referendum geschrieben, einiges blieb dabei unerwähnt. Grundsätzlich ist ein neues Schulhaus kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Luxus ist und bleibt wohl eher das Hallenbad, dessen Bau und Betrieb mitverantwortlich sind für die desolate finanzielle Situation von Gelterkinden. Wenn im Referendumskomitee dann ausgerechnet Personen vertreten sind, die damals der Bevölkerung als Gemeinderäte weisgemacht haben, das Hallenbad sei finanziell verkraftbar, dann sollte das alle Stimmbürgerinnen nachdenklich stimmen. Das vom Referendumskomitee vorgelegte Gegenprojekt entspricht mitnichten den Anforderungen und ist somit auch finanziell nicht vergleichbar. Ein grosser Kritikpunkt des Referendumskomitees war, dass die Planer keine Erfahrung im Schulhausbau mitbrächten.
Beim Projekt Ratio ist das plötzlich obsolet. «Ratio» hätte bestimmt auch den Wettbewerbskriterien nicht genügen können. Seit Jahren gibt es in den Gebäuden der Primarschule einen grossen Renovationsstau. Trakt 2 und 3 und der Spezialtrakt entsprechen den energetisch üblichen Normen bei Weitem nicht, die Sanitäranlagen sind veraltet. Deshalb sollte ein neues Schulhaus grosszügig geplant werden, um zukünftig die Sanierung der veralteten Gebäude während des laufenden Betriebs gewährleisten zu können. Im Vergleich mit den Pausenhöfen umliegender Gemeinden schneidet die Primarschule Gelterkinden auch schlecht ab. Unsere amtierenden Gemeinderäte tragen das finanzielle Erbe ihrer Vorgänger, die getätigten Ausgaben haben wir als Souverän mit vergangenen Abstimmungen mitzuverantworten. Aus diesem Grund gibt es für mich keinen Anlass, dem Planungskredit nicht zuzustimmen. Ich vertraue darauf, dass der Gemeinderat mit dem Planungskredit die Planung sinnvoll vorantreiben wird und die Kosten des Projektes Loggia zu minimieren vermag. Ich hoffe, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dem Planungskredit zustimmen.
Eva Schelker, Gelterkinden
Solarzellen nach Norden ausrichten?
In fünf Wochen alles besser und billiger machen? Das geben uns die Planer des Konkurrenzprojekts zum Neubauprojekt der Primarschule Hofmatt vor. Ein Blick auf deren Projekt zeigt Erstaunliches. Sollen die Sonnenkollektoren bei diesem Schnellschussprojekt tatsächlich nach Norden ausgerichtet sein? Wird das Projekt am Waldrand gebaut? Hinter dem Pavillon Ost stehen lediglich ein Kastanien- und ein Ahornbaum, von Wald keine Spur. Schein statt Sein.
Mich befremdet es, wenn ein Schnellschussprojekt – ohne jegliche Kontaktnahme mit der Schule – sämtliche demokratischen Planungsschritte aushebelt. Stattdessen wird der Architekt, dessen Projekt von der Fachjury klar als Siegerprojekt hervorgegangen ist, als unfähig abgetan. Sind wir in Gelterkinden wirklich auf ein solch tiefes Niveau gesunken? Sollen demokratische Prozesse einfach ausgehebelt werden?
Nein und nochmals nein. Bei diesem Projekt handelt es sich um kein Luxus- projekt, sondern um einen zweckdienlichen Bau, der in späteren Jahren bei Bedarf kostengünstig erweitert werden kann. Ich habe grosses Vertrauen, dass der Gemeinderat eine gute Baukommission zusammenstellen wird, welche die weiteren Schritte sorgfältig und kostengünstig angehen wird. Ganz klar Ja zum Projektierungskredit Schulhaus Hofmatt.
Annemarie Spinnler, Gelterkinden
Wie sieht ein tragbares Finanzkonzept aus?
Mit grossem Interesse verfolge ich die emotional geführte Diskussion im Zusammenhang mit der bevorstehenden Abstimmung zum Schulhaus-Projektierungskredit in Gelterkinden. Einige Argumente – für und gegen den Projektierungskredit – kann ich durchaus nachvollziehen. Allerdings ist es schwierig, die Argumente für oder gegen eines der beiden Projekte sachlich einzuordnen, und somit muss ich mich gezwungenermassen auf mein Bauchgefühl verlassen.
Viele der kritischen Stimmen gegen den Projektierungskredit und die veranschlagten Kosten für ein neues Schulhaus werden von den Sorgen um die angespannte Schuldenlast der Gemeinde Gelterkinden genährt. Mit Blick auf den Finanzplan 2026 bis 2030 teile ich diese Sorgen. Leider hat es der Gemeinderat an der letzten Einwohner-«Gmäini» unterlassen, den Stimmbürgern und Stimmbürgerinnen aufzuzeigen, wie der Gemeinderat gedenkt, den stetig wachsenden Schuldenberg von 31,8 Millionen Franken (Stand 2030) nachhaltig abzubauen. Natürlich wollen alle für unsere Kinder und Enkelkinder einen attraktiven Schulstandort. Wer kann schon ein solches Ansinnen nicht unterstützen? Bei einem Selbstfinanzierungsgrad von 1 Prozent werden wir jedoch ohne Gegensteuer unserem Nachwuchs neben neuen Schulhausbauten auch einen Schuldenberg hinterlassen.
«Heute kaufen und morgen bezahlen» kann man gut oder schlecht finden, allerdings müsste man dazu auch das Preisschild kennen. Hier erwarte ich vom Gemeinderat mehr Transparenz und den Mut, unbequeme Massnahmen klar auszusprechen. Wie sieht ein tragbares Finanzierungskonzept aus und um wie viel Prozent wird der Gemeindesteuersatz erhöht werden müssen, um die angespannte Finanzlage nachhaltig zu verbessern? Fragen über Fragen, auf die ich bisher keine Antworten erhalten habe.
Solange diese übergeordnete Fragestellung nicht geklärt wird, ist zu befürchten, dass wir in Zukunft über jedes einzelne Investitionsprojekt «streiten» werden. Obschon es hier wenig bis keinen Spielraum gibt. Die Investitionsplanung für die Jahre 2026 bis 2030 enthält neben dem Neubau Schulhaus ausschliesslich Sanierungs- und Erhaltungsprojekte. Diese könnten zwar zeitlich aufgeschoben werden, was wiederum zusätzliche Kosten für Flickarbeiten mit sich bringen wird.
Wie schrieb doch der Gemeinderat in seinen Schlussbemerkungen zum Budget 2022? «Der Schuldenabbau wird uns auf lange Zeit stark beschäftigen. Im Jahr 2022 und auch in den folgenden Jahren wird der Gemeinderat Wege finden müssen, um die Erfolgsrechnung entlasten und die Finanzlage stabilisieren zu können. Viele mögliche Massnahmen sind noch nicht fertig ausgearbeitet und damit noch nicht spruchreif bzw. im Budget abgebildet.» Heute – also vier Jahre später – warte ich noch immer darauf, welche Wege uns der Gemeinderat aufzeigen möchte.
Thomas Steiner, Gelterkinden

