Schueh schläcke
08.01.2026 Persönlich«Warum müssen deine Kinder die Schuhe anlecken?» Het myni dütschi Fründin vor Joore rächt überrascht gfroggt. Mir häi eus sällmol noni lang kennt, und si het vorhär nie gross mit Schwyyzerdütsch z due gha. Es isch e typische Spiilnommidag ...
«Warum müssen deine Kinder die Schuhe anlecken?» Het myni dütschi Fründin vor Joore rächt überrascht gfroggt. Mir häi eus sällmol noni lang kennt, und si het vorhär nie gross mit Schwyyzerdütsch z due gha. Es isch e typische Spiilnommidag unter Müettere mit chlyyne Chind gsi. Ich ha myne Zwöi us luter Gwohned und in mym Dialäkt dä jetz fascht legendääri Satz zuegruefe: «Chinder, legged d Schueh aa!»
Es isch jo sone Sach mit deene Missverstädnis. Elläi eso chlyyni Geeschten und Handzeiche wärde jo in andere Teil vo der Wält unterschiidlich dütet. E für öis positive Duumen uufe heben isch in andere Länder e sehr abschätzigi, beleidigendi Geeschte.
Es sell jo au Lüt gee, wo an es falschs
Zyyl fliege, nur wil zwee Städt glyych heisse.
Oder e Fründ vom mir isch mol als jungen Erwachsenen us Verseh verlobt gsi, wil er zum Geburtsdaag e Ring verschänkt het. Das het er aber erscht kapiert, won er sich spöter vo deere Fründin trennt het und sälli allne verzellt häig, ass es kei Hochzyt meh git. Der glych Fründ het uf griechisch d Wörter «hallo» und «Prost» verwächslet und johrelang in de Griecheland-Ferie fröhlich «prost» gruefe, wenn er neumen yyne cho isch.
Ich hingeege ha mol über der Eierlikör gläschteret, won e Fründin immer überchunnt, aber nie gärn trinkt. E Verwandti vo mym Maa het mit halbem Ohr zuegloost und gmeint, ich lieb Eierlikör. Sii ahne, was sy mir johrelang jeede Geburtsdaag mitbrocht het? Die ville Guttere häi scho fascht kei Platz meh gha und ich ha der Zytpunkt verbasst zum ehrlich säge, ass ich das zwar all Schaltjoor mol trink, aber so richtig gärn hani das Gsöff denn au wiider nid.
Das isch aber nid so schlimm, wie wenn ich als Schwyzerin im Dütsche s Wort «mag» falsch yysetz. Wenn ich mit «ich mag nid» mein, ass ich im Momänt halt eifach nümm mag, bedütet es «ich mag nicht mehr zu dir kommen» im Dütsche, ass me nid will. Ass hätt men überhaupt kei Luscht meh! Genau by deere Fründin mit den «angeleckten Schuhe» isch mir das bassiert. Sie het uf myni Antwort sällmol nur gsäit, es syg jo loobenswärt, ass ich so ehrlig syg, doch es mach se biz truurig. Aber i bi doch eifach z müed gsi. Das hätt sy sicher chönne nochvollzieh – hätte mir nur nid anenand verby gredt.
Das «Chinder, legged d Schueh aa!» isch bis jetz mys liebschte, sproochlige Missverständis. In deere Dütsch-Schyyzer Fründschaft het sich der Satz rächt schnäll als «Running Gag» duregsetzt. «Ich melde mich, wenn ich meine Schuhe angeleckt habe» schryyb ich ihre zum Byyspiil, bevor mir eus träffe, so als Zyt-Aagoob. Apropos Zyt: S Joor isch no jung gnue – dorum wünsch ich Ihne jetz – ganz unmissverständlich – es zfriides, nöis Johr. Nur ohni abgschläckte Schueh. Denn so was mag man doch eigentlich nicht.
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.

