S git käine meh!
13.01.2026 Persönlich«S het Schnee, juhee! Und s git no meh», heisst es in einem Kinderlied. Eine geschlossene Schneedecke über unserer Landschaft ist ein wunderschöner Anblick und eine wunderbare Kindheitserinnerung. Bei der dritten Schneeflocke wurden die Skihosen montiert und der Bob aus dem ...
«S het Schnee, juhee! Und s git no meh», heisst es in einem Kinderlied. Eine geschlossene Schneedecke über unserer Landschaft ist ein wunderschöner Anblick und eine wunderbare Kindheitserinnerung. Bei der dritten Schneeflocke wurden die Skihosen montiert und der Bob aus dem Keller geholt. In unmittelbarer Nähe zu unserem Haus gab es gleich mehrere Möglichkeiten für ruhigere und waghalsigere Abfahrten. Das meiste davon war Bauland, wie in den Jahren seither anhand von zahlreichen neuen Einfamilienhäusern sichtbar geworden ist. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Die Liedzeile mit dem Schnee stimmt sogar in den Bergen je länger je weniger, wo die Schneemenge Jahrzehnt für Jahrzehnt deutlich abnimmt, wie Wissenschaftler diesen Herbst in zahlreichen Medien zitiert wurden. Spätestens bei uns im «Unterland» ist die Liedzeile schlicht gelogen. Denn es gibt schon hie und da einmal – einmal pro Winter – Schnee. Aber wenn es einmal hat, «juhee», kommt sicher «käine me».
So wie 2024, als der Schnee im November relativ früh und richtig schön üppig kam. Es kündigte sich «so ein richtiger» Winter an. Doch falsch gedacht: Als das Weiss nach zwei, drei Tagen weg war, waren auch die letzten Schneetage 2024/25 Geschichte. Merke: Die wenigen «Schnee-juhee»-Tage sind auszunützen.
Das haben wir uns zu Herzen genommen. Als es vergangene Woche zu schneien begann, hat sich meine Familie nach meinem kindlichen Vorbild bei der dritten Schneeflocke in Wintermontur geworfen. Weil das Anziehen von Thermo-Unterwäsche, Skihosen, dicken Socken, Winterund Handschuhen (!!!) bei Zwei- und Vierjährigen eine kaum zu bewältigende Aufgabe ist, lag schon recht viel Schnee, als wir tatsächlich draussen waren.
Mein Ziel war von Anfang an klar: Wir wollen eine Piste, die den angekündigten warmen Regen zwei Tage später überdauern kann. Also wurde jeder Quadratmeter, der nicht im Pisten-Perimeter lag, minutiös vom Schnee befreit und dieser wurde auf die Piste transportiert und dort angedrückt. Generalstabsmässig organisiert stahlen wir gar bei den Nachbarn und auf der Strasse Schnee.
Auf unsere Bahn waren wir recht stolz, aber als der Regen kam, machte es «wusch», und von unserem Werk war nichts mehr zu sehen. Doch für einmal kam tatsächlich «no meh Schnee, juhee» und wir wiederholten das Ganze am Sonntagvormittag. Dieses Mal bauten wir gar eine Startrampe. Gegen das Klima kann man nicht ankämpfen, aber immerhin konnten meine Kinder und die Cousins gestern Vormittag noch einen zusätzlichen Morgen im Nassschnee «böbblen».
Nun bin ich sicher: Das war’s vom «Schnee-Juhee». In der nächsten Kolumne erkläre ich wahrscheinlich schon: Ja, die «Lieder» tönen vielleicht und «der Frühling kehrt wieder», aber der Hirte spielt bei uns im Oberbaselbiet nirgends mit seiner Schalmei. Klimawandel hin oder her.
Sebastian Wirz, Sportredaktor «Volksstimme»

