Regierungsratswahl und ein geschenkter Gaul
08.01.2026 Baselbiet4. Quartal 2025 | Sabine Bucher ist trotz der Wahlniederlage Siegerin, Biker verlieren auf der ganzen Linie
Fast hätte es geklappt mit wiederum zwei Sissachern in der Baselbieter Regierung. Aber am Ende eines langen Wahlkampfs muss sich Sabine Bucher Markus ...
4. Quartal 2025 | Sabine Bucher ist trotz der Wahlniederlage Siegerin, Biker verlieren auf der ganzen Linie
Fast hätte es geklappt mit wiederum zwei Sissachern in der Baselbieter Regierung. Aber am Ende eines langen Wahlkampfs muss sich Sabine Bucher Markus Eigenmann geschlagen geben. Der Arlesheimer Freisinnige überholt im zweiten Wahlgang der Ersatzwahl für die Ende Jahr zurücktretende Bildungsdirektorin Monica Gschwind seine Gegnerin von den Grünliberalen, die beim ersten Wahlgang noch in Führung lag. In der zweiten Runde nicht mehr angetreten ist die Reinacherin Caroline Mall (SVP). Letztlich sind es die Stimmen der SVP-Wähler, die Eigenmann zum Sieg verhelfen. Bucher ist nicht Verliererin, sondern zweite Siegerin. Dank ihrer Bekanntheit aus dem Regierungswahlkampf hat die frühere Läufelfinger Gemeindepräsidentin, die seit 2023 in Sissach lebt, eine ausgezeichnete Ausgangslage für die Wahl um einen Sitz im Sissacher Gemeinderat geschaffen, zu der sie antreten wird.
Der weiterhin einzige Sissacher im Regierungsrat, Baudirektor Isaac Reber, und sein Basler Pendant, Esther Keller, feiern mit Bundesrat Albert Rösti kurz vor dem Fahrplanwechsel den Ausbau der Bahn-Infrastruktur und den Viertelstundentakt der S-Bahn zwischen Basel und Liestal. Einige Wochen zuvor haben sie dicke Post erhalten. Ein ETH-Professor stellt das von beiden Basel gewünschte «Herzstück», den unterirdischen Bahnknoten in Basel, auf seiner Prioritätenliste zurück. Nach anfänglichem Protest fordern die Kantone und die Wirtschaft anstelle des so komplexen wie teuren «Herzstücks» mit Tiefenbahnhöfen nun eine reine Durchmesserlinie. Die abgespeckte Variante soll dafür schneller realisiert werden.
Damit ein Verkehrsinfarkt zwischen Sissach und Gelterkinden vermieden werden kann, wenn die dortige Kantonsstrasse von 2027 bis 2030 saniert wird, muss der Kanton gut planen. In Böckten stellt er das Projekt vor. In einem ähnlichen Zeitraum dürfte der Kanton den Sissacher Polizeiposten vom Dorf auf das Areal des A2-Werkhofs verlegen.
Offen ist, wo die Genossenschaft Alterssiedlung Sissach Ersatz für die 18 Wohnungen schafft, die verloren gehen, weil das Altersheim Mülimatt das Grundstück mit dem Wohnhaus der Alterssiedlung für sich beansprucht und es voraussichtlich abreissen wird. Neue Wohnungen für das Alter gibt es in Lausen – und zwar reichlich. Die Altersresidenz Dreiklang beim Bahnhof, die im November eröffnet wird, umfasst 34 Wohnungen sowie 35 Pflege-Einzelzimmer. Kurz vorher nimmt die Gemeinde Lausen den Kindergarten «Garbe» in Betrieb. Und Rünenberg weiht die neue Mehrzweckhalle ein, auf die Turnerinnen und Turner von jung bis alt so viele Jahre warten mussten.
Nein zu Biketourismus
In Itingen wird gebaut. Der Verband Swissmechanic vollzieht den Spatenstich für sein neues Ausbildungszentrum, das Ende 2026 jenes auf dem Schild-Areal in Liestal ersetzen wird. Während die Itinger von diesem Neubau kaum Notiz nehmen, erhitzt das Trailcenter, welches das kantonale Sportamt dem Dorf schenken möchte, die Gemüter. Nach dem Nein der Gemeindeversammlung gegen das regionale Velo-Übungsgelände ergreifen Anwohner das Referendum. An der Urne wird der Beschluss der «Gmäini» mit 551 Nein gegen 461 Ja-Stimmen bestätigt. Das Sonnenberg-Quartier bleibt Biketourismus-frei.
Auf Eis gelegt wird die Umgestaltung des früheren Restaurants Rössli in Ziefen – nach einem erfolgreichen Referendum gegen einen Nachtragskredit. Die Bürgergemeinde geht über die Bücher und prüft eine Redimensionierung des Vorhabens. Offen ist, ob auch in Gelterkinden ein Referendum zustande kommt: Bürgerliche wollen den Projektierungskredit für einen Primarschul-Neubau kippen. Sie meinen, das Schulhaus sei günstiger zu haben als mit dem Siegerprojekt aus einem Planungswettbewerb.
In der Beizenlandschaft so einiges im Herbst. Der Itinger «Rebstock», der schon 25 Jahre leer steht, wird verkauft, das Tecknauer «Bahnhöfli» konkursamtlich versteigert und das «Rössli» in Zeglingen als klassische Dorfbeiz geschlossen. Dafür erhält das «Rössli» in Oberdorf einen neuen Pächter, der den Betrieb langsam hochfahren möchte. Und das «Talhaus» bei Bubendorf wird wenigstens für drei Monate von den Wirtsleuten des «Sichternhofs» wiederbelebt.
Offen ist das Schicksal des Liestaler Kinos Oris. Dessen Betreiber mussten Konkurs anmelden, der Eigentümer hat keinen Plan, wie es mit dem Kino weitergehen soll. Einen Steinwurf vom «Oris» entfernt wird gefeiert: Das Museum.BL wird von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz für die Ausstellung «Fix it! Vom Glück des Reparierens» mit dem Prix Expo ausgezeichnet. Die Ausstellung zeigt, wie kaputte Dinge geflickt werden können.
Als intakt und produktiv präsentieren sich die Sissacher Kulturszene an der erstmals zweitägigen Kultournacht. Nicht ganz so gut steht es um den 30-jährigen Sissacher Verein «Kultur im Keller» (KiK): Wegen immer weniger Gästen an seinen Anlässen macht er sich Sorgen um seine Zukunft. Der Verein «Erlebnisraum Tafeljura» erfindet sich neu, anstatt nach dem gescheiterten Naturpark-Projekt den Bettel hinzuwerfen. Er konzentriert sich nun auf Partnerschaften mit einzelnen Vereinen und Organisationen – zum Beispiel dem Oltinger Dorffest. Bei einer derart kreativen Entwicklung würde es nicht überraschen, wenn der Erlebnisraum die Bubendörfer Firma Ventostream hofieren würde, die in Wenslingen eine neuartige Windturbine testet, die im Gegensatz zu herkömmlichen Windrädern das Landschaftsbild nicht verschandelt.
Gegen Ende des Jahres geht es an den Gemeindeversammlungen wie immer ans Eingemachte: den Steuerfuss. Die bitterste Pille schlucken die Böckter. Um ein Bilanzdefizit zu vermeiden, erhöhen sie den Gemeindesteuerfuss um 5 auf 64 Prozentpunkte. Jeweils 3 Steuerprozente mehr liefern ab 2026 die Kilchbergerinnen und die Zunzger ab. Gegen eine Steuererhöhung wehren sich trotz grosser Investitionen die Stimmberechtigten in Rünenberg und Sissach. An der Budget-Gemeindeversammlung in Ziefen gelingt ein regelrechter Coup: Ein Teilnehmer beantragt aus heiterem Himmel eine Reduktion des Steuersatzes um 4 Prozent – und kommt damit durch.
Fusionitis
Nicht nur, aber auch die Finanzen sorgen für ein zunehmend fusionsfreundlicheres Klima im Baselbiet. Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen sagen alle Ja zu einem Zusammenschluss für die vertiefte Prüfung einer Fusion der drei Dörfer. Im Dezember wird zudem bekannt, dass sich auch Nusshof und Wintersingen beschnuppern. Auch auf kantonaler Ebene tut sich gemeindefusionstechnisch etwas: Falls der Landrat dem Vorschlag der Regierung folgt, spendiert der Kanton fusionsfreudigen Gemeinden eine Mitgift: je 30 000 Franken für die Prüfung und – falls die Ehe zustande kommt – je 300 000 Franken als Hochzeitsgeschenk. Bricht das Eis nun?
Für ein kleines, finanziell unter Druck stehendes Dorf ist das ein stolzer Betrag – im Vergleich mit den vielen Millionen Franken, welche die BLKB mit der «Radicant» verbrannt hat, aber nur ein Taschengeld. Die BLKB zieht der Digitalbank den Stecker, aber nur, nachdem sie erfolglos versucht hat, die Tochterbank zu verkaufen. Nachdem der Landrat entschieden hat, eine PUK einzusetzen, um das Debakel zu untersuchen, wird die Kommission berufen: SP-Landrat Thomas Noack wird das siebenköpfige Gremium präsidieren.
Abschliessen möchten wir den Jahresrückblick mit Zunzgen. Dort hat die Polizei in einem Gewerbegebäude eine Hanfplantage ausgehoben, dort parkieren Lehrer der Sek Sissach, seit der Schickeria-Parkplatz kostenpflichtig ist, und dort steht noch immer trotzig auf dem Büchel eine Burg, die dem Kantonsarchäologen ein Dorn im Auge und der Stolz eines ganzen Dorfs ist. Wie lange wohl noch?
Christian Horisberger






