Ramadan im Schulalltag
06.03.2026 BaselbietSensibilität ist gefragt – aber auch Pragmatismus
Seit dem 18. Februar begehen muslimische Schülerinnen und Schüler den Fastenmonat Ramadan und verzichten tagsüber auf Essen und Trinken. Die Bildungsdirektion empfiehlt den Schulen einen sensiblen Umgang. Der ...
Sensibilität ist gefragt – aber auch Pragmatismus
Seit dem 18. Februar begehen muslimische Schülerinnen und Schüler den Fastenmonat Ramadan und verzichten tagsüber auf Essen und Trinken. Die Bildungsdirektion empfiehlt den Schulen einen sensiblen Umgang. Der Unterricht bleibt jedoch verbindlich.
Carolina Mazacek
Für Christen begann am Aschermittwoch die Fastenzeit, für Muslime einen Tag später der Ramadan. Eine Zeit, in der Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten und unter anderem auf Essen und Trinken verzichten. Der Ramadan begann am Abend des 18. Februars und endet mit dem dreitägigen Fest «Eid al-Fitr» am 20. März. Auch die Baselbieter Sekundarschulen setzen sich mit dem Thema auseinander. Denn das Fasten gilt für alle Muslime, die die Pubertät erreicht haben. Also auch für Baselbieter Schülerinnen und Schüler. Ausnahmen gibt es, etwa für Kranke oder schwangere Frauen.
«Die Bildungsdirektion stellt den Schulen Informationen und Empfehlungen im Umgang mit Religion zur Verfügung», sagt Rebekka Gysel, Mediensprecherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Steht der Ramadan bevor, empfiehlt Gysel, religiöse Besonderheiten im Unterricht zu thematisieren, um Ausgrenzungen innerhalb des Klassenverbands vorzubeugen und ein gegenseitiges Verständnis zu fördern. Sei es, um die verschiedenen Religionen kennenzulernen oder um sich mit deren Überzeugungen auseinanderzusetzen.
Auf Anfrage der «Volksstimme» nehmen die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen Gelterkinden und Sissach die Traditionen und Rituale der verschiedenen Weltreligionen im Fach ERG (Ethik, Religion, Gemeinschaft) durch.
Rücksicht nehmen
Wenn sie nicht essen und trinken, sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit und die Konzentration der muslimischen Schüler und Schülerinnen. «Die Schulen sind gehalten, situationsangepasst Rücksicht zu nehmen», sagt Gysel und fügt hinzu: «Der Lehrplan muss jedoch weiterhin eingehalten werden.» Ein Fasten sei somit grundsätzlich nicht zu Dispensationen berechtigt.
«Wir gehen das Thema pragmatisch an», sagt Matthias Schafroth, Rektor der Sekundarschule Sissach, und fügt hinzu, dass es keine fixen internen Richtlinien gibt. In der Regel werde nach individuellen Lösungen gesucht. «Der Unterricht muss jedoch lückenlos besucht werden», betont Schafroth. «Für das abschliessende Zuckerfest kann Urlaub beantragt werden, dieser muss aber rechtzeitig eingereicht werden.» Rücksicht zu nehmen bedeute etwa, wie Gysel sagt: «Wenn im Sportunterricht in dieser Zeit ein Zwölf-Minuten-Lauf absolviert wird, soll man darauf verzichten.» Auch im Hauswirtschaftsunterricht können Inhalte und die Gestaltung der Lektionen angepasst werden. «Schülerinnen und Schüler können mitkochen und das Essen nach Hause mitnehmen oder einer alternativen Lernaktivität nachgehen.»
Auch die Eltern spielen eine grosse Rolle. «Je besser alle Beteiligten einbezogen sind, desto tragfähiger sind die gefundenen Lösungen», sagt Gysel. Für die Sekundarschulen stellt Ramadan keine besondere Herausforderung dar. Das betont auch Roger Leoni, Schulleiter der Sekundarschule Gelterkinden, auf Anfrage. Und Matthias Schafroth erklärt: «Grössere Herausforderungen und Konflikte hat es eigentlich nie gegeben.»
