«Proben für den Ernstfall»
04.08.2026 KilchbergMögliche Fusionspartner Rünenberg und Zeglingen zu Gast
Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen prüfen derzeit die Vor- und Nachteile einer Gemeindefusion. Dass sie es verstehen, gemeinsam zu feiern, stellten sie an der gut besuchten Bundesfeier in Kilchberg mit Festredner ...
Mögliche Fusionspartner Rünenberg und Zeglingen zu Gast
Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen prüfen derzeit die Vor- und Nachteile einer Gemeindefusion. Dass sie es verstehen, gemeinsam zu feiern, stellten sie an der gut besuchten Bundesfeier in Kilchberg mit Festredner Kaspar Sutter unter Beweis.
Christian Horisberger
So viele Menschen haben wohl noch nie an einer Bundesfeier in Kilchberg teilgenommen: Das Dorf zählt rund 180 Seelen; am Anlass auf dem mit viel Herz und grossem Aufwand hergerichteten Festplatz beim Gemeindehaus nahmen 350 Gäste teil – aus Kilchberg und den Nachbardörfern.
Natürlich stand die würdige Feier im erweiterten Kreis im Zeichen der Prüfung einer Gemeindefusion von Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen. Dass es im kleinsten der drei Dörfer stattfand, begründete Karin Güdel, Gemeindepräsidentin ad interim von Kilchberg, mit dem 800-Jahre-Jubiläum, das «Chilperch» heuer begeht: Als Geburtstagskind dürfe man aussuchen, wo gefeiert wird, sagte sie bei ihrer Begrüssung.
Als Festredner konnten die Gastgeber ihren früheren Mitbürger und heutigen Basler Regierungsrat, Kaspar Sutter (SP), gewinnen. Der Pfarrerssohn lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr in Kilchberg. Sutter hatte seine Zuhörerinnen und Zuhörer spätestens dann in der Tasche, als er erzählte, dass er sich bei seinen Eltern bitterlich beklagt hatte, als sie ihm den Wegzug aus Kilchberg eröffneten: «Ihr nehmt mir meine Heimat weg!» Mit Kilchberg verbinde er Erinnerungen wie den täglichen Schulweg nach Zeglingen, damals noch ohne Trottoir – «ein Abenteuer» –, sagte Sutter, das Hüttenbauen, oder daran, wie er das Kalb der Bussingers an der Leine geführt habe, bis es eines Tages nicht mehr da gewesen sei …
Verbindendes
Er erinnere sich gerne an diese Zeit, weshalb er sich über die Einladung, als Festredner zu wirken, sehr gefreut habe. Sutter ging unter anderem auf das Verbindende zwischen Stadt und Land ein, deren Bewohner auf dem Arbeitsweg oder in der Freizeit die Kantonsgrenze natürlich überschreiten würden, ohne dies zu merken. Es sei Aufgabe der Politiker, dies in ihre Arbeit aufzunehmen, sagte Sutter. Als Beispiele für erfolgreiches Zusammenarbeiten nannte er das Universitätskinderspital beider Basel oder die Universität Basel, auf die viele bedeutende Unternehmen in beiden Kantonen angewiesen seien: «Es ist sinnvoll, dass wir die Uni gemeinsam führen.» Wer dachte, der Redner würde den Bogen von der Zusammenarbeit zum Thema Fusion spannen und eine Empfehlung abgeben, irrte sich: Als kantonsfremder Regierungsrat werde er sich hüten, dies zu tun, sagte Sutter: «Ich bin sicher, Sie werden die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen und den richtigen Entscheid fällen.»
Von der Fusion war auch in den kurzweiligen Begrüssungsworten der Gemeindepräsidenten der Nachbardörfer die Rede, gewürzt mit Humor und Charme: Thomas Zumbrunn sagte, dass er im Fall einer Fusion den Makel, kein Kilchberger zu sein, teils beheben könne, weil er dann ja auch ein bisschen in Kilchberg wohnen würde. Zuvor hatte der Rünenberger Gemeindepräsident mit den Anwesenden seine erste Erinnerung an Kilchberg geteilt: Als Zehnjähriger habe sich ihm aus der BLKB-Broschüre «Baselland in Zahlen» die Zahl 111 eingebrannt. So viele Einwohner hatte Kilchberg 1987 und war damit die bevölkerungsärmste Gemeinde des Kantons. Muttenz, wo er aufwuchs, hatte da schon mehr als 17 000 Einwohnerinnen und Einwohner. «Wie kann ein so kleines Dorf funktionieren?», habe er sich damals gefragt. Durch sein heutiges Amt habe er ein besseres Verständnis dafür, wie mit einer zahlenmässig kleinen Bevölkerung ein Gemeinwesen aufrechterhalten werden kann.
Lob an einstigen Pfarrer
Der Zeglinger Gemeindepräsident Fredi Rickenbacher begrüsste zur Feier ganz besonders die Eltern des Festredners, Hans und Eva Sutter. Der einstige Pfarrer der Kirchgemeinde habe ihn einst in der Kirche von Kilchberg getraut und er und seine Frau seien nach wie vor glücklich verheiratet: «Hans, ich denke, du hast deine Arbeit gut gemacht.»
Nicht nur die Kirche – von der Taufe bis zur Beerdigung – verbinde die Zeglinger mit Kilchberg, so Fredi Rickenbacher weiter. Man gehe auch gemeinsam zur Schule, in die gleichen Vereine und zusammen in den Ausgang: «Ein Stück Kilchberg steckt in jedem Zeglinger – und umgekehrt.» Die Feier in Kilchberg bezeichnete er als das «Proben für den Ernstfall», die Fusion: «Wenn ich in die Runde schaue, seid ihr gut gelaunt. Ich denke, wenn wir dann einmal nur noch eine Gemeinde sind, kommt das sicher gut heraus.»
Übrigens: Die Arbeitsgruppen, die sich mit der Prüfung der Fusion befassen, sind seit März an der Arbeit. Am 18. August werden sie das erste Mal zusammenkommen und sich gegenseitig über ihre bisherigen Erkenntnisse ins Bild setzen.


