Philipp Schoch steigt ins Rennen
10.03.2026 BaselbietGrüne wollen mit Prattler Gemeinderat den Regierungssitz verteidigen
Während Andrea Sulzer als linke Frau aus dem ländlichen Kantonsteil punktete, legte Philipp Schoch einen fast schon staatsmännischen Auftritt hin. Am Ende fiel die Wahl knapp zugunsten des Prattler ...
Grüne wollen mit Prattler Gemeinderat den Regierungssitz verteidigen
Während Andrea Sulzer als linke Frau aus dem ländlichen Kantonsteil punktete, legte Philipp Schoch einen fast schon staatsmännischen Auftritt hin. Am Ende fiel die Wahl knapp zugunsten des Prattler Gemeinderats aus. Er wird für die Grünen gegen die SVP antreten.
Thomas Gubler
Auch wenn das Resultat scheinbar knapp ausfiel, so wars letztlich gleichwohl eine klare Sache. Die Mitgliederversammlung der Grünen Baselland hat am Donnerstagabend im Regierungsgebäude in Liestal den 52-jährigen Philipp Schoch fast schon erwartungsgemäss zu ihrem Regierungsratskandidaten für die Nachfolge des zurücktretenden Isaac Reber nominiert. Die Ersatzwahl findet am 14. Juni statt.
Wohl auch für Parteipräsident Michael Durrer überraschend erzielte Schoch bereits im ersten Wahlgang 39 von 76 abgegebenen Stimmen – deren 56 vor Ort und 20 online – und damit das absolute Mehr. Auf seine Mitbewerberin, die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer (Jahrgang 1971), entfielen respektable 36 Stimmen, während der dritte Kandidat, der Chef der Fraktion Grüne/EVP im Landrat, Stephan Ackermann (Jahrgang 1973), mit einer Stimme Vorlieb nehmen musste.
Den Ausschlag zugunsten von Philipp Schoch dürfte seine grosse politische Erfahrung gegeben haben. Diese hat er als Prattler Gemeinderat, während 15 Jahren im Landrat, als Landratspräsident 2016/17, als langjähriger Parteipräsident sowie als Präsident von «Wald beider Basel» erworben. Möglicherweise fiel aber auch ins Gewicht, dass der Regierungssitz mit Schoch gegen eine SVP-Kandidatur eher zu gewinnen sein wird als mit der bisher noch wenig bekannten Andrea Sulzer.
Programmatische Rede
Schochs Auftritt vor der Mitgliederversammlung wirkte fast schon staatsmännisch. Seine Präsentation glich in Ansätzen einem Regierungsprogramm. «Wir müssen vorwärts gehen, dürfen aber die Bodenhaftung nicht verlieren», sagte er und liess dabei erkennen, dass ihm als Gemeinderat ein gewisser Pragmatismus nicht fremd ist.
In Bezug auf die in den beiden Basel umstrittene Gesundheitspolitik liess Schoch – er ist Pflegeleiter des KSBB-Notfallzentrums – erkennen, dass ein Rückzug des Baselbiets aus der Zusammenarbeit für ihn «keine Option» ist. Bezüglich Energiewende sprach er im Interesse einer Planungssicherheit von einem «Taktfahrplan», den es brauche.
Anders, aber ebenfalls hervorragend in Szene zu setzen vermochte sich Andrea Sulzer. Grün und sozial seien auf der Werteskala der weltpolitischen Grosswetterlage deutlich nach unten gerutscht, erklärte sie. Dass unter diesen Umständen jemand wie sie der Baselbieter Regierung gut anstehen würde, war für die gebürtige Bernerin entsprechend klar. Fast schon keck erklärte sie: «Ich passe ins Regierungsratsteam.» Und schliesslich wies Andrea Sulzer auf einen Umstand hin, den angesichts einer grünen Baselbieter Ständerätin (Maya Graf) und einer grünen Nationalrätin (Florence Brenzikofer) niemand in Zweifel ziehen mochte: «Grüne Frauen sind ein Erfolgskonzept.»
Von Beginn weg ein Zweikampf
Fraktionschef Stephan Ackermann hingegen vermochte den Nachweis, dass seine Kandidatur wirklich ernst gemeint war, nicht ganz zu erbringen. Sein durchaus humorvoller, aber keineswegs zwingender Auftritt vermochte die Mitgliederversammlung nicht zu überzeugen, auch wenn Ackermann betonte, dass er der Kandidat sei, «der am nächsten bei den kantonalen Themen ist».
Dass auf ihn am Schluss bloss eine einzige Stimme entfiel, war etwas gar brutal, doch mit Sicherheit auch darauf zurückzuführen, dass man bei der Kandidatenkür von Beginn weg den Eindruck hatte, es handle sich an diesem Abend um einen Zweikampf zwischen Andrea Sulzer und Philipp Schoch. Möglicherweise hätte der Fraktionschef unter diesen Umständen seine Kandidatur zurückziehen müssen.
Nun darf man gespannt sein auf die Nomination der SVP, die seit mittlerweile bald drei Jahren nicht mehr in der Kantonsregierung vertreten ist. Die SVP nominiert ihren Regierungsratskandidaten an ihrer Mitgliederversammlung vom 23. März in Bubendorf (siehe auch Artikel unten).

